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Sportboot von Bavaria : Schlag auf Schlag

  • -Aktualisiert am

Kurswechsel: Bavarias Renovierungsarbeiten kommen rasant voran. Die Sport 360 Coupé ist eine Neuheit von vielen. Bild: © Dieter Wanke / terrapicture

Bavaria verblüfft die Welt mit Motorboot-Neuheiten im rasanten Takt. Wir versuchen den Überblick zu behalten und drehen eine Runde mit der Sport 360.

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          Es begann im September mit der Vorstellung der Sport 400 während der Cannes Boat Show. Unmittelbar danach folgte die Sport 360. Auf der Düsseldorfer Boot im Januar stand die neue Sport 450 im Rampenlicht, und vor wenigen Tagen kündigte die fränkische Sportbootwerft an, im Frühsommer dem Publikum eine Sport 300 vorzustellen. Ein Boot entwickelt man nicht mal nebenbei, aber bei Bavaria geht es Schlag auf Schlag. Warum dieses Tempo?

          Vom Ausbruch der Finanzkrise 2008 hat sich die Branche bis heute nicht richtig erholt. Im drastisch geschrumpften Markt versucht Bavaria, mit einer hohen Neuigkeitenrate Käufer zu locken. Deren Ansprüche haben sich gewandelt. Gefragt sind heute hochwertige Yachten zu attraktiven Preisen, der Kunde wünscht immer mehr Raum und Komfort an Bord. Viel Arbeit also für das Team um Chefdesignerin Stefanie Krücke.

          Kaum wiederzuerkennen

          Mit der alten Bavaria-Generation hat die neue bis auf die Rümpfe nur noch wenig gemein. Die Typen werden jeweils in vier Variationen angeboten. Das Basismodell mit der Bezeichnung Open verfolgt ein Freiluft-Konzept ohne Dach. Zwei Hardtop-Versionen tragen das bekannte Kürzel HT und ein Deckshaus mit Seitenscheiben. Wahlweise wird ein großes Textil-Schiebedach oder ein kleines aus Glasfaserkunststoff eingebaut. Nummer vier ist das neue Coupé, dessen Überdachung nach hinten durch eine Schiebetür komplett verschlossen werden kann. So entsteht ein Deckssalon mit großen Fensterflächen und perfektem Wetterschutz. Ein Schiebedach sorgt auch hier für frische Luft bei Sonnenschein.

          Die Unterschiede zu den Vorgängern werden bei der Probefahrt mit der Sport 360 Coupé auf Anhieb deutlich. Deck und Aufbauten wurden komplett neu gestaltet, gravierende Änderungen sind im Cockpit sichtbar. Die markante Sonnenliege im Achterschiff musste einer L-förmigen Sitzgruppe weichen, die bis unmittelbar an die ebenfalls neu konstruierte Badeplattform reicht. Sonnenanbeter müssen aber nicht auf die Liegepolster des Vordecks ausweichen: Wird der Tisch elektrisch heruntergefahren, entsteht wieder eine Liegefläche. Die Variabilität fordert allerdings Opfer. Der Zugang zum Motorraum und der Stauraum sind spürbar geschrumpft. Aber die Yacht wirkt durch die Maßnahme größer. Den Übergang zum Deckssalon bildet die stabile Glas-Schiebetür. Wer die Tür und das Dach öffnet, bekommt ein ebenso luftiges Ambiente wie bei den HT-Modellen. Gegenüber der Wetbar können es sich bis zu fünf Personen an einer weiteren Sitzgruppe gemütlich machen.

          Auch innen attraktiv: Viel Licht, viel Luft und ein Cockpit, das nicht mehr so spiegelt
          Auch innen attraktiv: Viel Licht, viel Luft und ein Cockpit, das nicht mehr so spiegelt : Bild: © Dieter Wanke / terrapicture

          Die beliebte Sonnenliege gegenüber dem Steuerstand ist geblieben, aber die Kommandozentrale selbst wurde stark überarbeitet. Besser plazierte Instrumente, ein dunkelgrauer, nicht reflektierender Instrumententräger sowie Haltegriffe und Getränkehalter gehören zu den Verbesserungen. Bei den HT- und Coupé-Versionen ist die Frontscheibe zum Schutz vor lästigem Beschlagen belüftet, und die beiden nun serienmäßig eingebauten Scheibenwischer reinigen großflächiger.

          Mehr Bewegungsfreiheit in der Kabine

          Unter Deck hat sich weniger verändert. Die Kabinenaufteilung ist identisch, aber die Inneneinrichtung wurde erheblich aufgemöbelt. Technik verschwindet hinter Klappen, Steckdosen gibt es nun endlich in allen Kabinen. Dem vielfachen Eignerwunsch nach mehr Licht im Innenraum wurde durch vergrößerte Seitenfenster der Bugkabine entsprochen. Die Liegefläche der Doppelkoje wurde auf 1,80 Meter verkürzt, was für mehr Bewegungsfreiheit sorgt. Bei Bedarf lässt sich das Bett aber auf zwei Meter verlängern. In der Achterkabine entsteht durch eine Änderung der Stauschränke nun eine längere Sitzbank. Mit dessen Rückenlehnen können die beiden Einzelkojen wieder zum Doppelbett ergänzt werden. Neu im Salon: Fenster mit Lüftungsmöglichkeiten, ein Klapptisch zur Vergrößerung des Bewegungsraums, mehr Schränke.

          Viel Auswahl besteht hinsichtlich der Motorisierung. Grundausstattung sind zwei Benziner des Typs Mercruiser 5,0 MPI DTS mit je 191 kW (260 PS). Wahlweise können zwei Volvo Penta V8-300 oder V8-320 montiert werden. Wer Selbstzündern den Vorzug gibt, kann einen einzelnen Volvo Penta D6-370, zwei von Volkswagen stammende Mercury-Diesel vom Typ TDI 3.0-265 oder, wie im Testboot, zwei Volvo Penta D3-220 Turbodiesel mit je 162 kW (220 PS) einbauen lassen. Je nach Motorenlieferant wird die Kraft mit Bravo-Three- oder Aquamatic-Z-Antrieben über gegenläufige Doppelpropeller ins Wasser übertragen. Die gefahrenen Fünfzylinder-Turbodiesel schöpfen ihre Kraft aus 2,4 Liter Hubraum und bringen die Yacht in zehn Sekunden zur Gleitfahrt. Die Höchstgeschwindigkeit von 30 Knoten ist nach etwa einer halben Minute erreicht.

          Moderater Einstiegspreis

          Mit den montierten Antrieben bewegt sich der Fahrspaß am unteren Ende der Skala. Bei einer Reisegeschwindigkeit von 24 Knoten mit 3500 Umdrehungen ist fast das Limit erreicht. Dabei laufen dann immerhin 73 Liter Diesel in der Stunde durch die Einspritzpumpen. Das Boot folgt jeder Ruderbewegung sehr direkt, und das Handling des altbekannten Rumpfs ist gewohnt problemlos, was bei der Besatzung ein hohes Sicherheitsgefühl hinterlässt. In Standgas kann selbst ohne den Einsatz des eingebauten Joysticks oder des Bugstrahlruders fast auf der Stelle gedreht werden.

          Die neue Bavaria Sport 360 hinterlässt einen positiven ersten Eindruck. Durch das geänderte Decks-Layout entsteht mehr Flexibilität, Details machen sich angenehm bemerkbar. Die Serienausstattung wurde sinnvoll ergänzt und die Verarbeitungsqualität weiter verbessert. Beständigkeit zeigt die Werft beim moderaten Einstiegspreis von 154.581 Euro für die offene Grundversion. Der relativiert sich aber schnell, denn für das gefahrene Coupé fängt das Preisgefüge bei 178.381 Euro an. Wer die Dieselmotoren haben möchte, muss schon 195.151 Euro investieren. Durch die bekannt lange Aufpreisliste - selbst der unverzichtbare Anker wird gesondert berechnet - liegt das Boot in der gefahrenen Ausstattung dann doch bei 254.787 Euro. Wer den Fahrspaß in den Vordergrund stellt und die flotteren Mercury-Diesel vorzieht, sollte noch weitere 10.000 Euro angespart haben.

          Daten und Preise

          Länge 11,66 m (inklusive Badeplattform), Breite 3,59 m, Tiefgang 1,15 m (mit Antrieb), Leergewicht: 6951 kg, Brennstofftank 520 l, Wassertank 250 l, CE-Kategorie: B, zulässige Personenzahl 8, Kojenplätze 4

          Motorisierung: Einzelanlagen von Volvo Penta (Diesel) und Doppelanlagen von Mercury und Volvo Penta (Benzin und Diesel) mit Z-Antrieben, Leistung von 1×272 kW (370 PS) bis 2×235 kW (320 PS) Grundpreis 178381 Euro mit 2×Mercruiser 5,0 MPI DTS, Leistung 191 kW (260 PS);

          Grundpreis mit Testmotorisierung 195.151 Euro; Motoren im Testboot¨ 2×Volvo Penta D3-220 Turbodieselmotoren, Leistung je 162 kW (220 PS), 5 Zylinder in Reihe, 2,4 l Hubraum

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