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Sportart Speedway : Außer Rand und Sand

Quertreiber: In der Kurve frisst du den Staub. Nur der Erste nicht. Am vergangenen Sonntag war für den ausrichtenden MSC Diedenbergen nichts zu holen. Bild: Klaus Goffelmayer

Speedway ist eine nach Methanol duftende Dorfsportart mit harten Jungs, Gridgirls und Bratwurst. Also einfach herrlicher Unfug.

          Der Anfänger stellt sich an den Kurvenausgang. Da stehen nur wenige Zuschauer, die Bratwurstbude ist in Duftweite, die zottelig zurechtgestutzte Hecke bietet etwas Schatten, offenbar ein guter Ort. Natürlich hat er seinen Campingstuhl mit der integrierten Bierdosenhalterung vergessen, in dem die Profis lümmeln. Also tritt er an die Bande und sieht die kreischenden Motorräder heranstürmen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Dann sieht er nichts mehr. Das weiße T-Shirt nimmt rotbraune Färbung an, es knirscht zwischen den Zähnen, Brocken fliegen. Als sich die Wolke legt, sendet er ein Foto an die bessere Hälfte, die sich entrüstet: Solchen Unfug tust Du Dir an? Die Antwort kann jetzt nur sein, ihr eine Bewerbung als Gridgirl nahezulegen, näher dran geht’s nicht.

          Damenwahl: Die Gridgirls dürfen in der Startaufstellung nicht fehlen. Bilderstrecke

          Speedway ist ein Sport außer Rand und Sand, und es hilft, den Unfug als ehrlichen Wettkampf harter Jungs schätzen zu lernen. Die Teams heißen White Tigers, Devils oder Wikinger. Am rillendurchfurchten Startplatz liegen die Fahrer vorgebeugt auf ihren Motorrädern, damit sie nicht hinten runterfallen, wenn es los geht wie im Katapult. Die mit Methanol befeuerten Einzylinder-Viertakter mit 500 ccm Hubraum entwickeln um 75PS, die sich über 80 Kilogramm Motorrad hermachen.

          Es gibt keine Bremse und keine Hinterradfederung, nur einen Gang und keinen Leerlauf. Damit die Trockenkupplung nicht durchbrennt, werden die Motorräder beim Warten auf der Fußraste seitlich abgelegt. Die Technik ist wie vor vierzig Jahren und in den Fahrleistungen doch Formel-1-Niveau.

          In der Kurve stellen die Fahrer die Maschinen an und halten den Motor auf Drehzahl. Das Hinterrad dreht nun permanent durch, genau dosiert zwischen Sturz und Drang. Rad an Rad kämpfen die vier Fahrer, der hintere frisst den Staub, nur die Plätze eins bis drei bringen Punkte. Das ausgestellte linke Bein stützt das Motorrad ab, der Stahlschuh am Fuß fliegt über das Gemisch aus Sand und Split und Kalk, der ganze Körper vibriert unter der Fliehkraft und den Schlägen der Bahn. Ihre Jawa oder Stuha peitschen sie mit mehr als 100km/h über die Geraden. Es wird immer links herum gefahren, vier Runden dauert ein Lauf, die schnellsten erreichen 80 km/h Durchschnitt. Ungefährlich ist das nicht, Verletzungen gehören leider dazu.

          Leben können die wenigsten vom Speedwayrennen, zehn Profis gibt es in Deutschland und einige Dutzend Enthusiasten. Sie stürzen sich von Mitte März bis Mitte Oktober auf die Bahnen, je nach Engagement absolvieren sie 30 bis 80 Rennen in der Saison. Fünf Mannschaften zählt die Bundesliga. In Hofheim-Diedenbergen nahe Frankfurt hat das Spektakel lange Tradition. Am vergangen Sonntag war es wieder zu erleben, für 15 Euro Eintritt, 570 Zuschauer kamen. Zu ihrem Leidwesen wurde die Heimmannschaft vom Team aus Landshut deklassiert. Ihr nächstes Rennen findet am 9.Juli in Brokstedt statt. Wer mal wieder eine richtige Sanddusche erleben will, der stellt sich an den Kurvenausgang.

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