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Space Camper : Ideensammlung auf Rädern

  • -Aktualisiert am

Space Camper holt das Maximale aus einem VW Transporter heraus Bild: Hersteller

Minimalistisch wohnen, gigantisch transportieren, grenzenlos variabel sein: Space Camper, von Riese und Müller aus Darmstadt, macht das möglich. Es steckt voller Ideen, das Maximale aus einem VW Transporter herauszuholen.

          Wer kennt die Schwierigkeiten mit dem Verstauen von Fahrrädern im Auto besser als ein Hersteller von pfiffigen Falträdern? Schließlich sind diese eine Antwort auf Dachgepäckträger, offene Kofferräume mit herausguckendem Lenker und ähnliche Versuche. Riese und Müller in Darmstadt hat erst das Problem der Fahrräder gelöst und in Gestalt des Birdy ein handliches, in jedes Auto passendes Modell entwickelt, und seit einiger Zeit geht der Spezialist für voll gefederte Räder die Sache von der Autoseite her an. Er hat mit der gleichen technischen Akribie, Herzblut und Gehirnschmalz ein Fahrzeug kreiert, das nicht nur Fahrräder, sondern auch viele andere Sportutensilien aufnimmt, in dem man übernachten, aber auch einen Umzug bewerkstelligen kann und was der Aufgaben mehr sind, für die aktive Menschen ein Vehikel brauchen.

          Space Camper heißt das Ergebnis, und es steckt voller Ideen, das Maximale aus einem VW Transporter herauszuholen. Dieser eher robuster ausgelegte Typ und nicht der Multivan ist die Basis, von der Fahrwerk-, Motor- und Ausstattungsseite ist aber alles zu haben, was es bei VW dazu gibt, den „Rest“ steuert Riese und Müller bei. Der Spacy, wie er bei uns schnell hieß, ist erst einmal ein Auto für fünf Personen, denn auf die Rückbank, eine Eigenentwicklung, passen drei. Sie ist ebenso wie die zwei großen Auszüge darunter schnell auszubauen, an ihren nur 17 Kilogramm hebt man sich keinen Bruch.

          Eine bis zu 3,5 Meter lange Durchlademöglichkeit

          Der Preis für diese Variabilität ist die Fixierung am Boden, man kann sie nicht verschieben. Das hätte eine schwere Konstruktion wegen der notwendigen Verankerung der Gurte am Sitz nach sich gezogen und den Ein- und Ausbau verkompliziert. Ohne die Schubladen entsteht eine bis zu 3,5 Meter lange Durchlademöglichkeit, die von einem großen Kofferraum hinter der Bank ergänzt wird. Diese wird zusammen mit den auf eingeschweißten Winkeln ruhenden Polstern zu einem knapp 1,30 Meter breiten und zwei Meter langen Bett für zwei, die angenehmerweise auf der ebenen Rückseite schlafen. Die Polster kann man bei sperrigen Transporten senkrecht als Schutz vor die schmalen, nur 26 Zentimeter tiefen seitlichen Schrankeinbauten stellen. Hier hat, vom Heck her zugänglich, ein 15-Liter-Wasserkanister seinen Platz. Das Abwasser wird unterflur gesammelt. An alle Schränkchen und Ablagen kommt man auch heran, wenn man im Bett liegt.

          Am Küchenmodul wurde mit allen Tricks gearbeitet, um die Bank für drei tauglich zu machen: Der außen Sitzende gewinnt Schulterbreite im Raum über der schmalen Kühlbox und noch mehr, wenn man sie zu Hause lässt, für seine Beine macht das nur 38 Zentimeter tiefe und 55 Zentimeter breite Schrankelement mit winziger Spüle und herausnehmbarem Kartuschen-Kocher eine Kurve. Das funktioniert tadellos. Als Tisch fungiert die Schranktür, die von Stoßdämpfern unterstützt hochklappt und gehalten wird. Dahinter ist erstaunlich viel Raum für Küchenkram. Und für Notfälle gibt es eine Trockentoilette, die platzsparend in der Schiebetür verstaut wird. Wer sich länger im Space Camper aufhalten will, ordert ein Schlafdach, unter dem dann Stehhöhe geboten wird. Oder ein Zelt, das rund um die offene Heckklappe eingehängt wird und zusätzlichen Stauraum bietet oder als Duschkabine dienen kann – zumindest im Sommer. Die Installation dafür ist im Heckbereich vorhanden.

          Ausgearbeitet mit Spezialisten

          Die Beleuchtung erfolgt mit LEDs, das spart Strom, die Schalter sitzen da, wo man sie braucht, die Vorhänge sind innen hell und nach außen dunkel beschichtet, das wünscht man sich in vielen anderen Fahrzeugen auch. Und wenn man sich auf dem Campingplatz ans Stromnetz hängen will, findet man die zugehörige Außensteckdose nur, wenn man weiß, wo man sie suchen muss: Sie sitzt nämlich, gute Idee, im Motorraum, das spart das Aufbohren der Karosserie. Eine andere gute Idee sind Taschen mit Klick-Befestigung (Fahrradpedale lassen grüßen). Man kann sie an von außen nicht erkennbaren Stellen etwa seitlich am Bankunterbau befestigen und beim Aussteigen mitnehmen.

          Solche Details arbeitet Riese und Müller zusammen mit Spezialisten aus. Wir würden eine andere Polsterart als die empfindliche graue in unserem Space Camper wählen, die schnell unansehnlich wird. Und an die Adresse von VW geht die Kritik an dem unglaublich rutschigen Bodenbelag im Transporter, der uns schon in mehreren Fällen sehr unangenehm aufgefallen ist. Auf diesem Untergrund können sich nicht einmal Gummi-Fußmatten halten.

          Für sportlich aktive junge Leute ist das eine ziemliche Investition

          Der Basispreis für diese rollende Ideensammlung liegt bei etwa 35.000 Euro, dann kommt der Space Camper mit dem 1.9 TDI und 75 kW (102 PS). Man kann damit auskommen, wenn die sportlichen Aktivitäten nicht gerade vom Motorsport inspiriert werden. Es reicht für maximal 157 km/h, die Richtgeschwindigkeit war unser Tempo, und da kamen wir mit dem kleinen TDI auf einen Verbrauch von etwa 8,5 Liter auf 100 Kilometer. Vorhandene Finanzmittel sollte man lieber in zusätzliche Ausrüstung wie eine Standheizung oder ein Komfortpaket stecken. Unser keineswegs luxuriös wirkender Spacy kam schon auf rund 46.000 Euro. Für sportlich aktive junge Leute mit viel Platzbedarf ist das schon eine ziemliche Investition. Auf der Habenseite steht dann aber auch ein ungewöhnlich vielseitiger Alltagsbegleiter.

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