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Sonderausstattung fürs Auto : Im Land der Begehrlichkeiten

  • -Aktualisiert am

Was das Herz begehrt: Manche Sonderwünsche sind super, andere fraglich. Bild: Illustration Jan Bazing

Auto-Zubehör und Sonderausstattungen sollen nicht nur Wünsche erfüllen, sondern sie auch wecken. In endlosen Listen finden sich wundersame Dinge – Genie und Wahnsinn trennt eine Haaresbreite.

          5 Min.

          Etwa 50.000 Euro, so viel kostet eine Mittelklasse-Limousine heute allemal. Vor allem, wenn die Wahl auf ein Premium-Automobil fällt, das nicht nur seinen Passagieren zuverlässiges und komfortables Transportmittel sein, sondern auch den Prestigegedanken seines Besitzers übermitteln soll. Aber was wäre ein Auto von der Stange. Zumindest Komfort und Sicherheit verdienen, so sie nicht schon als Serienausstattung ausreichend berücksichtigt werden, auf ein höheres Niveau gehoben zu werden. Dazu kommen die zahllosen Möglichkeiten der Individualisierung, die erst geben dem Vehikel einen eigenen Charakter und lassen es dann endlich tatsächlich als „mein Auto“ dastehen.

          Auf Farbspiele und Zierrat (meist sportlicher Natur) kann dabei keinesfalls verzichtet werden. Welches Geschäftsklima beim Wecken all dieser Begehrlichkeiten herrscht, weisen die vielseitigen Listen der Sonderausstattung manchen Herstellers schon bei der Lackierung aus. Nicht wenige bieten einzig die Farbe Weiß ohne Aufpreis an. Schon Rot oder Gelb kosten mehr, noch teurer wird es bei Metallic- oder Minerallacken, ganz abgesehen von den Individual-Farben, mit denen sich das Gefährt dann endgültig aus der Schar der Familiengenossen emporhebt.

          Dass die Gedanken frei sind, wenn es den Marketing-Managern ums Geldverdienen geht, ergab sich aus der Begeisterung des einstigen Vertriebschefs bei Opel, Alain Visser, der die Idee, Autos doch gleich grundsätzlich farblos zu offerieren und jegliche Lackierung mit einem Aufpreis zu belegen, für sehr überlegenswert hielt. So viel wie Porsche nimmt Opel freilich nicht für Sonderlackierungen. Metallic-Töne kosten für den 911 Carrera GT3 in Zuffenhausen rund 1800, Sonderfarben gar fast 2700 Euro Aufpreis.

          Soundanlage, Fahrradträger, Wendematte

          Gerade in der gehobenen Mittelklasse und in noch höheren Preisgefilden rollt der Euro dank begehrenswerter Zubehöroptionen wieselflink. Dass der Kaufpreis des Grundmodells um wenigstens die Hälfte nach oben getrieben werden kann, ist keine Seltenheit. Sogar die Verdoppelung der Summe von 50.000 Euro ist möglich, es gilt einfach, die Angebote der Sonderausstattungen lange genug zu studieren. Die Einzelposten sind bemerkenswert, bei einem Audi A6 oder A8 (Grundpreis 37.200 oder 75.600 Euro) kostet allein das Bang & Olufsen Advanced Sound System mit 19 Lautsprechern und 1400 Watt Spitzenleistung schlappe 6500 Euro. Dass es dafür einen fabrikneuen Kleinwagen gab, ist noch nicht so lange her.

          Aber es gibt genügend Kunden, denen ein außerordentliches Klangerlebnis am Volant so viel wert ist. Über Sinn und Zweck einzelner Posten ist da nicht zu streiten. Dennoch finden sich in den Listen immer wieder sehr charmante kleine Helfer des Alltags, die das Fahren oder das Leben im Auto für weniger Geld angenehmer machen. So steht der praktische Flex-Fix-Fahrradträger von Opel (rund 430 Euro) weit oben auf unserer persönlichen Aufstellung empfehlenswerten Zubehörs. Bei Nichtgebrauch lauert die Metallkonstruktion mit Platz für bis zu vier Bikes unsichtbar im hinteren Stoßfänger auf ihren Einsatz, sollen Fahrräder transportiert werden, ist sie in Windeseile einsatzbereit. Die Velos reisen zwar im Windschatten, was den Verbrauch stärker nach oben treibt als ihr Transport auf dem Autodach, dafür entfallen die Streck- und Balanceübungen, wenn die Drahtesel über Schulterhöhe hinausgewuchtet werden müssen. Einziger Nachteil ist das Mehrgewicht durch das Trägersystem von rund 15 Kilogramm, das stets mit von der Partie ist.

          Ebenfalls hilfreich ist die Wendematte, die unter anderem bei Śkoda als Sonderausstattung zu finden ist. Die beiden Seiten der Kofferraumeinlage sind in unterschiedlichem Material ausgeführt. Die eine schont mit feinem Textilbezug das Reisegepäck, die andere, wasserabweisend beschichtete kommt zum Einsatz, wenn die Laufschuhe nach dem Schlechtwetter-Parcours im Regenwald von Lehm und Tannennadeln verknastert sind. Auch Wassersportler schätzen die Einlage, da ihre an den Rändern aufgestellte Krempe die Feuchtigkeit vom eigentlichen Kofferraumboden fern hält. Kostenpunkt: ganze 40 Euro. Das Mehrgewicht von zwei Kilogramm kommt kaum zum Tragen.

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