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Solar-Katamarane : Nur die Ruhe

Bild: Hersteller

Die großen Solar-Katamarane von Silent Yachts sind ziemlich einzigartig. Nirgendwo sonst ist Luxus so elektrisch.

          Eine schwere Motoryacht kreuzt unseren Weg, schätzungsweise 25 Meter lang. Erst hört man sie, dann sieht man sie, schließlich riecht man sie. „Diese Stinker, gell?“, sagt Michael Köhler. Kein Vorwurf in seinem Ton, nichts Belehrendes. Er spricht mit der Ruhe und Gelassenheit eines Menschen, der von seiner Sache überzeugt ist.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Köhler ist kein unversöhnlicher Diesel-Gegner. Er tut nicht so, als sei er der grüne Messias des Yachtbaus, auf den die Welt gewartet hat. Gewiss, Abgasschwaden, nächtelanges Generatorbrummen und Öllachen auf dem Wasser sind ihm ein Graus, Solarzellen, Batteriemodule und Elektromotoren sein Anliegen, Geräuschlosigkeit und Entschleunigung das Ziel. Aber wenn ein Kunde unbedingt mit Karacho herumbrettern will, dann soll er. Wer zu seinem Glück einen dicken Diesel braucht, bekommt einen. Oder auch zwei.

          Silent Yachts heißt das Unternehmen, das Michael Köhler, ursprünglich Jurist, und seine Frau Heike vor zehn Jahren gegründet haben. Bis dahin waren die beiden gemeinsam viele Jahre mit Segel- und Motorbooten unterwegs gewesen, hatten im Verlauf langer Reisen Erfahrungen mit dem schwierigen Thema der Stromversorgung auf Yachten gesammelt, sich mit der Nutzung von Sonnenenergie beschäftigt. Sie begannen, Vorträge zu halten, veröffentlichten ein Buch zum Thema, konzipierten als Versuchsträger einen Solar-Zweirümpfer, mit dem sie 15 000 Seemeilen zurücklegten, bevor sie mit dem Katamaran „Solarwave 46“ eine solarbetriebene Fahrtenyacht entwarfen, wie es sie bis dahin noch nicht gab. Reichweite? Im Prinzip unbegrenzt.

          Grundsätzlich liefern die Köhlers heute keine Yacht ohne Generator aus.

          2010 brach das Ehepaar aus Österreich mit „Solarwave“ zu einer fünfjährigen Tour auf, reiste über Rhein, Main und Donau ins Schwarze Meer und weiter ins Mittelmeer, sechs bis sieben Monate im Jahr mit bis zu sechs Gästen an Bord. Nicht allein die Elektromotoren des Antriebs bezogen ihre Energie aus Solarzellen, sondern auch sämtliche Verbraucher an Bord: Küchengeräte, Beleuchtung, Wasserkocher, Waschmaschine, Elektronik, Klimaanlage. Lediglich 50 Stunden rumorte in den fünf Jahren der zur Sicherheit mitgeführte Dieselgenerator, wie die Köhlers hervorheben. Wenn er gestartet worden sei, dann meistens nur, um zu verhindern, dass er korrodierte.

          Einmal indes war er der Retter in der Not. Sie lagen mit ihrem Katamaran in einer griechischen Ankerbucht, die Batterien nach mehreren Tagen unter grauem Himmel fast leer, als bedrohliches Wetter aufzog. Der Wind drehte, frischte auf, es wurde ungemütlich in der Bucht. Sie warfen ihr Dieselaggregat an, mit dessen Hilfe es gelang, den Standort in eine besser geschützte Bucht ein paar Meilen weiter zu verlagern. Ein prägendes Erlebnis. Grundsätzlich liefern die Köhlers heute keine Yacht ohne Generator aus. Auch wenn es Kunden gibt, die am Ende einer Saison anrufen und triumphierend melden, sie hätten nicht einen einzigen Liter Treibstoff verbraucht, sondern ausschließlich Sonnenstrom.

          Heike und Michael Köhler, Solarpioniere im Yachtbau

          Noch ist Silent Yachts – mit Firmensitz in Magdalensberg nahe Klagenfurt – ein Exot in der Branche, wird das aber sicher nicht mehr allzu lange bleiben. Elektro, Hybrid und ökologische Fußabdrücke treiben auch diese Industrie um, obwohl oder gerade weil die Herstellung einer Yacht aus Glas- und Karbonfaser-Laminat keinen Akt praktizierten Umweltschutzes darstellt. Wenigstens bei der Nutzung einer solchen möchten mehr und mehr Besitzer vorbildlich sein. Es ist ein Idealismus, den man sich leisten können muss. Am Hungertuch nagt kein Silent-Kunde. Fast alle sind Tesla-Fahrer, einer von ihnen besitzt acht davon.

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