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Viel Aufwand, einige Fallen : So könnten Sie Ihren Diesel umrüsten

  • -Aktualisiert am

Allein die Frage, wie hoch der dafür zu treibende Aufwand ausfällt, wird ernsthaft diskutiert. Bild: Rainer Wohlfahrt

Debatte hin oder her: An den technischen Voraussetzungen für eine Hardware-Nachrüstung hat sich nichts geändert. Und man kann eines nicht oft genug wiederholen.

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          An den technischen Voraussetzungen für eine Hardware-Nachrüstung hat sich durch die schon Monate währende Debatte nichts geändert. Die Redaktion hat seit Ausbruch der Diesel-Krise mit Dutzenden Fachleuten diskutiert, kein einziger hat ernsthaft behauptet, eine Nachrüstung sei technisch unmöglich. Allein die Frage, wie hoch der dafür zu treibende Aufwand ausfällt, wird ernsthaft diskutiert.

          Nur ein – allerdings nicht unerheblicher – Teil des Aufwands entfällt auf die Hardware. Da wäre zunächst der SCR-Katalysator selbst. SCR steht für Selektive Katalytische Reduktion, und die funktioniert im Prinzip so: Dem Abgas wird Ammoniak beigemischt, das im Katalysator mit dem im Abgas enthaltenen Stickstoffoxiden reagiert. Aus dem Auspuff kommen nur noch harmloser Stickstoff und Wasser. Damit der Kat seine Mindestarbeitstemperatur von etwa 200 Grad nach einem Kaltstart rasch erreicht, setzen nahezu alle Hersteller bei Euro-6-Motoren auf einen motornahen Einbau. Als Nachrüstlösung scheidet eine solche Konstellation in der Regel aus, es mangelt an Platz im Motorraum, zumal ein nachgerüsteter SCR-Kat immer hinter dem vorhandenen Oxidationskatalysator untergebracht werden muss.

          Daher setzen die propagierten Nachrüstlösungen meist darauf, den Partikelfilter auszubauen und durch eine Kombination aus SCR-Kat und Filter zu ersetzen. Doch damit sich der Partikelfilter nicht zusetzt, wenn das Fahrzeug nur im Kurzstreckenbetrieb gefahren wird, muss dieser regelmäßig freigebrannt werden. Gesteuert wird das Freibrennen über ein virtuelles Abbild des Partikelfilters in der Motorsteuerung. Tauscht man nun den Partikelfilter, ohne die Motorsteuerung neu zu programmieren, wie das mancher Nachrüster propagiert, passen Modell und Realität nicht mehr zusammen. Im schlimmsten Fall setzt sich der Filter komplett zu, dann droht ein Austausch oder zumindest eine aufwendige Reinigung.

          Kein anderer Bauraum steht zur Verfügung

          Damit nicht genug: Ad Blue muss in ausreichender Menge mitgeführt werden, dafür braucht es einen eigenen Tank. Ab in die Reserveradmulde, und alles ist gut? Vermutlich steht für eine Nachrüstlösung kein anderer Bauraum zur Verfügung. Sieht man sich heutige Euro-6-Serienfahrzeuge an, fällt auf: Die Tanks sind immer außerhalb des Fahrzeug-Innenraums angebracht. Man will dem Kunden ersparen, dort mit Flüssigkeiten zu hantieren und sich selbst, Leitungen durch den Innenraum zu verlegen.

          Weitere benötigte Bauteile sind zwei Stickoxidsensoren, über welche die Funktion des SCR-Kats überwacht wird, sowie die teilweise auszutauschenden Abgasrohre. Ein Prototyp ist damit innerhalb weniger Wochen ausgerüstet, doch an eine werksseitige Umrüstung müssen die gleichen Anforderungen an Dauerhaltbarkeit und Sicherheit gestellt werden wie an jedes Serienfahrzeug. Unbedingt gilt es beispielsweise, Ammoniakschlupf zu vermeiden. Denn bei dem Stoff, der für die SCR-Katalyse benötigt wird, handelt es sich um ein Reizgas, das in hoher Konzentration sogar tödlich wirken kann. Deshalb wird er erst unmittelbar vor dem SCR-Kat aus der Harnstofflösung erzeugt, die als AdBlue mittlerweile an jeder Tankstelle zu haben ist.

          Eine solide Erprobung des gesamten Systems inklusive der nötigen Tests dauert mindestens ein Jahr und verschlingt Millionenbeträge – pro Modellbaureihe und Antriebsvariante wohlgemerkt. Thomas Koch vom Karlsruher Institut für Technologie schätzt, dass der reine Entwicklungsaufwand für eine seriöse Lösung nahe an einer Neuentwicklung liegt, und rechnet je nach Fahrzeugmodell mit bis zu 5000 Euro Gesamtkosten. Im Dilemma stecken nun vor allem Kunden, die relativ neue Euro5-Diesel fahren.

          Man kann es nicht oft genug wiederholen: Abzuraten ist auf jeden Fall von unseriösen Nachrüstangeboten und verlustbringenden Panikverkäufen. Auch nach dieser Vereinbarung ist das letzte Wort zu den flächendeckenden Fahrverbote noch nicht gesprochen. Die meisten Messwerte sinken. Womöglich löst sich das Problem bald wortwörtlich in Luft auf.

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