https://www.faz.net/-gy9-a4jwp

Automobilindustrie : Und jetzt ausgeliefert?

Bild: Getty

Die Zulieferer, oftmals mittelständisch geprägt, gelten als das Rückgrat der Industrie. Viele hängen am Automobil. Dort weht der Wind des Wandels. Eine Branche zwischen Angst und Aufbruch.

          5 Min.

          In Stuttgart ist die Anspannung mit Händen zu greifen. Mercedes-Benz beschäftigt dort rund 19.000 Mitarbeiter in der Entwicklung und Fertigung von Verbrennungsmotoren. Was geschieht, wenn Daimler nun der Devise „Electric first“ folgt? Darauf wird der Konzern bald eine Antwort finden müssen, und die ganze Welt sieht hin, weil es immer eine Schlagzeile ist, wenn einer der Autohersteller etwas verändert. Aber wer schaut auf die oft mittelständisch geprägten Firmen im Hintergrund? Ohne Zulieferer dreht sich kein Zahnrad, doch was, wenn sich mit dem Zuwachs der Elektroantriebe kein Zahnrad mehr drehen muss? Auch hier geht es um die Zukunft vieler tausend Mitarbeiter und um die Frage, wie der Standort Deutschland künftig aussehen soll.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Nehmen wir EBERSPÄCHER. Der Spezialist für Abgastechnik, Standheizungen und Motormanagement ist fast vollständig von der Autoindustrie abhängig. Er wird das auch künftig sein, mit leicht verändertem Produktportfolio. In den Fokus rücken Abgasreinigungssysteme für die künftige Norm Euro 7 oder für Nutzfahrzeuge, weil „auch noch im Jahr 2030 ein hoher Anteil an Verbrennern und Hybridfahrzeugen bestehen wird“, wie Eberspächer sagt. Heiz- und Kühlprodukte rund um die Elektromobilität kommen hinzu, dazu Schalter und Steuergeräte für elektrisches und autonomes Fahren. Mit der politischen Verengung auf das Elektroauto ist Eberspächer unzufrieden. „Ein moderner Benzin- oder Dieselmotor bringt im heutigen Energiemix eine genauso gute Klimabilanz wie ein Elektrofahrzeug. Deshalb sollten wir einen gleitenden und technologieoffenen Übergang ermöglichen. In der heutigen Ausprägung sind die Vorgaben überzogen, da sie volkswirtschaftlich relevante Industriestrukturen zerstören, ohne in absehbarer Zeit echten Umweltnutzen zu erzielen“, mahnt das Unternehmen. Verkehrspolitik solle nicht losgelöst von Industriepolitik betrachtet werden. Potential für die Antriebsseite liege auch in synthetischen Kraftstoffen oder der Brennstoffzelle. Eberspächer mit seinen weltweit 9900 Mitarbeitern, davon 4500 in Deutschland, stellt Weichen, die aufhorchen lassen: „Wachstum und Aufbau von Produktionskapazitäten finden außerhalb Deutschlands statt. Daher wird auch der größere Mitarbeiterzuwachs außerhalb Deutschlands stattfinden.“

          Testen Sie unsere Angebote.
          Jetzt weiterlesen

          Testen Sie unsere Angebote.
          F.A.Z. PLUS:

            FAZ.NET komplett

          F.A.Z. PLUS:

            im F.A.Z. Digitalpaket

          : Aktion

          Diese und viele weitere Artikel lesen Sie mit F+

          Machtwechsel in Amerika : Trumps kalkuliertes Ende

          Der scheidende Präsident kapituliert scheibchenweise. Es geht ihm um seinen künftigen Einfluss – und um viel Geld. Scheitert sein diabolischer Plan nun an der dilettantischen Ausführung?

          Abgelehnte Asylbewerber : Letzte Hoffnung Frankreich

          Viele in Deutschland und anderen EU-Staaten abgelehnte Asylbewerber fliehen nach Frankreich. Hier werden die Anträge weniger streng geprüft. Die französische Migrationsbehörde sieht sich als Opfer der europäischen Asylpolitik.