https://www.faz.net/-gy9-9ghou

Knall auf Fall : Rettungsfallschirm für Hubschrauber

  • -Aktualisiert am

Der Helikopter vom Typ Zefhir war beim Test unbesetzt. Bild: Schelling

Erstmals hat ein Helikopter ein Gesamtrettungssystem erfolgreich ausgelöst und eine Landung am Fallschirm absolviert. So funktioniert die Technik.

          Es ist das Horrorszenario für einen Helikopterpiloten: Das Triebwerk fällt entweder über unlandbarem Gebiet oder über Wasser aus. In diesem Fall ist trotz der Autorotationsfähigkeit eines Hubschraubers, also der Möglichkeit, selbst bei stehendem Triebwerk mit laufenden Rotorblättern noch kontrolliert gen Boden zu sinken, die Überlebenschance für die Insassen ungewiss. Das könnte sich in Zukunft ändern. Denn erstmals hat kürzlich ein Helikopter den Ausschuss eines Gesamtrettungssystems und eine Landung am Fallschirm erfolgreich absolviert.

          Der zweisitzige Turbinen-Hubschrauber von Curti Aerospace Division aus Ravenna ist mit einem Rettungssystem des deutschen Herstellers Junkers Profly ausgerüstet. Dieses sitzt oberhalb des Rotorkopfes, damit drehende Rotorblätter die Verbindungsleinen zum Fallschirm im Notfall nicht abreißen können. Der Helikopter vom Typ Zefhir war beim Test unbesetzt. Er wurde ferngesteuert und schwebte nach der Simulation eines Motorausfalls und Auslösen des Systems in rund 300 Meter Höhe am Fallschirm zu Boden. Allerdings fand der Aufprall der 700 Kilo schweren Maschine trotz des Schirms immer noch mit 27 km/h statt.

          Wäre das ein Ernstfall gewesen, hätten Pilot und Passagier diese Landung am Schirm trotz relativ hoher Sinkrate von rund sieben Meter in der Sekunde auch dank crashabsorbierender Sitze wohl unverletzt oder mit leichteren Blessuren überstanden. Sobald das System seine Luftfahrtzulassung erhalten hat, soll es für den neu entwickelten Zefhir-Helikopter des italienischen Herstellers angeboten werden. Anschließend kann es in weiteren Hubschraubertypen zum Einsatz kommen, wenn diese konstruktiv dafür ausgelegt sind. In Deutschland, Italien und Frankreich gibt es schon seit einiger Zeit eine neue Kategorie sogenannter ultraleichter Hubschrauber. Für diese besonders leichten Zweisitzer wäre das Fallschirm-Rettungssystem ein bedeutendes Sicherheitsplus.

          Gerettet. Bilderstrecke

          Gründe, um es im Flugzeug oder Helikopter auszulösen, gibt es mehrere. Feuer an Bord oder der Verlust von Teilen des Luftfahrzeugs zählen dazu. Aber auch der unabsichtliche Einflug in Wolken und damit verbundener Orientierungsverlust ist lebensgefährlich. Ereignet sich ein Motorausfall über unlandbarem Gebiet, wäre das ebenfalls ein Anlass, um das Rettungssystem zu aktivieren. Ebenso medizinische Probleme des Piloten oder die Kollision mit einem anderen Flugzeug.

          Bei solchen Notfällen muss möglichst rasch ein rot markierter Griff im Cockpit gezogen werden, der den Fallschirmausstoß auslöst. Dabei zieht ihn eine kleine Rakete aus dem Luftfahrzeug. Je nach Typ und Größe des Systems reicht es manchmal schon, wenn die Maschine nur noch 200 Meter über dem Boden ist, damit die Rettung erfolgreich ausgeht.

          Derartige Gesamt-Rettungsysteme haben in einmotorigen Flugzeugen einen beispiellosen Siegeszug erlebt. Weltweit wurden dadurch bisher mehrere hundert Menschen vor schweren oder tödlichen Verletzungen bewahrt. Für in Deutschland zugelassene Ultraleichtflugzeuge sind Rettungssysteme an Bord sogar Pflicht. Auch die hierzulande weit verbreiteten Cessna vom Typ 172 oder 182 können mit diesen Rettungsgeräten zumindest nachgerüstet werden.

          Allerdings geht durch den Einbau des Systems in diesen viersitzigen Flugzeugen sowohl Zuladung als auch Gepäckraum verloren. Sowohl der Fallschirm als auch die Rakete müssen zudem in genau festgelegten Intervallen überprüft oder getauscht werden, um das Funktionieren zu gewährleisten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump am 12. Juli in Milwaukee

          Provokation auf Twitter : Trumps Spiel mit dem Feuer

          Auf Twitter beleidigt Amerikas Präsident vier Parlamentarierinnen rassistisch. Mit der Provokation will er Konflikte unter den Demokraten schüren – und scheitert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.