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Smart Brabus : Für Freunde des entfesselten Kleinstwagens

Die vermutlich flinkste Kleinfamilie Bild: Hersteller

Smart lässt den Brabus los. Ein Dreizylinder mit 109 PS soll Frühlingsgefühle im automobilen Winzling wecken.

          2 Min.

          „Der Zwerg pumpt. In seinem Inneren glüht er schon. Unglücklicherweise sitzt dort der Fahrer. Und er bedauert noch vor dem ersten Gasstoß, überhaupt auf diese Idee gekommen zu sein. Er hatte einst als Bub im Frühjahr etliche Maikäfer gefangen. Dazu Wilhelm Busch gelesen und sich an Wesen und Körper des melolontha melolontha erfreut. Besonders satt war der Klang ihres Fluges. Ein Brummen und Surren, das der zum Manne gereifte Bub über viele Jahre nicht aus dem Gehör entfernen konnte. Wo sind nur die Maikäfer geblieben? Eines Tages war das Brummen wieder da. Aber seine Quelle war nicht mehr der Maikäfer, sondern es schien ein Automobil zu sein. Natürlich kein alltägliches.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Und nun saß der Mann in diesem Auto. Das war eine Erweckung von Vergangenheit und Gegenwart, und das Auto war ein mobiler Zwerg mit der Geräuschentwicklung eines Maikäfers, der 2,70 Meter lang und 1,53 Meter hoch war und der eine Tonne wog und in dem zwei Menschen recht kommod sitzen konnten. Im Heck war der Antrieb untergebracht, und als dieser richtig schnurrte und brummte und brabusterte, da keimte in dem Manne eine Ahnung.

          Der Mann schüttelte die Ahnung ab, legte den Ganghebel ein und trat auf das Gaspedal. Das Auto bäumte sich auf, verlagerte dynamisch sein Gewicht nach hinten und bewegte sich mit einem Satz nach vorn. Nach elf Sekunden und zwei Schaltvorgängen brummten die Maikäfer mit 100 km/h über die Strecke, und bei knapp 160 km/h ging ihr Brummen in eine Botschaft über: Die Erinnerung ist immer schneller als die Gegenwart.“

          Weltpremiere feiert der Smart Brabus auf der Automesse in Peking Bilderstrecke

          Das war 2008, zitiert aus der Sonntagszeitung, und jetzt eilt die Gegenwart heran und holt unseren lyrischsten Tester ein. Nein, sie überholt ihn, denn der wildeste Smart fährt in seiner jüngsten Version in stabilerem Format, er wirft sein Gewicht beim Spurt nicht mehr so nach hinten, als wolle er sich vorn aufbäumen, man nennt das wohl Fortschritt. Freunde des entfesselten Kleinstwagens werden vermutlich dennoch auf ihre Kosten kommen. Smart zeigt auf der Automesse in Peking den neuen Brabus. Drei Zylinder, 0,9 Literchen Hubraum, 109 PS stark und aus dem Stand auf 100 km/h beschleunigend in 9,5 Sekunden. Bei 165 km/h im Zweisitzer und 180 km/h im Vierer sollen die Widerstände obsiegen, das klingt nach tierischem Vergnügen für Mutige, und ob die Maikäfer noch so ungehemmt brummen, werden wir herausfinden, sobald die ersten Exemplare fliegen.

          Zur Härte des Geschäfts gehören höherer Kraftstoffdruck und sportlichere Atmung im Maschinenraum, ein Performance-Fahrwerk von straffster Straffheit und beschränkter Rollneigung sowie eine Direktlenkung, die direkter meldet und kräftiger zurückstellt. Ehrensache, dass die sechs Stufen der doppelt gekuppelten Getriebeeinheit rascher reagieren als im Aldi-Rewe-Alltagssmart, und eine Race-Start-Funktion lässt uns ungehemmt den lästigen Nebenbuhler abschütteln. Ob das irgendjemand braucht? Natürlich nicht, deshalb ist es so verführerisch, und für die gediegenere Gesellschaft: Sitzheizung ist im Angebot.

          Im Juli will Smart die ersten Brabus losschicken, gleich als ganze Familie. Die Preise sind weniger knuffig. Den Zweisitzer gibt es von 19 710 Euro an, den Viersitzer ab 20.520 Euro und das, was Smart ein Cabrio nennt, von 22.970 Euro an.

          Für den Fall übrigens, dass jemand lieber eilige kleine Franzosen bewegt: Vom technisch verwandten Geschwisterchen Twingo bringt Renault im November eine GT-Variante. Mit 110 PS.

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