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Skurrilitäten von Seat : Zeitreise in der Zona Franca

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Nummer 1: Dieser Seat war der erste, der im Mai 1950 von den Bändern der neu gegründeten Autofabrik rollte Bild: Tom Debus

Für ein Werksmuseum hat es Seat noch nicht gereicht. Doch in mittlerweile gut 60 Jahren haben die Spanier einige Skurrilitäten zusammengetragen. Ein Rundgang durch die Schatzkammer in der Zona Franca.

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          Mittlerweile ist es gespenstig ruhig geworden in der Zona Franca. Dort, wo in dem Industriegebiet am Hafen von Barcelona bis vor wenigen Jahren noch das Herz von Seat geschlagen hat, werden jetzt nur noch ein paar Bleche gestanzt und Komponenten montiert. Ihre Autos baut die spanische VW-Tochter mittlerweile eine halbe Stunde landeinwärts am neuen Stammsitz Martorell.

          Für Besucher bietet die alte Fabrik deshalb heute ein vergleichsweise trauriges Bild. Wo Martorell hinter schmucken Glasfassaden pulsiert und pumpt wie ein Sportler beim Sprint, fließt die Zeit in der Zona Franca zäh wie alter, dick gewordener Sherry durch die patinierten Backsteinhallen. Doch Isidre López hat gut lachen. Er ist so etwas wie der Kurator der Spanier und hat endlich Platz für seine eindrucksvolle Sammlung: Rund 180 Prototypen, Serienmodelle und Rennwagen hat er zusammengetragen und fein säuberlich unter Plastikplanen im Gebäude Nr. 122 aufgereiht.

          Ganz vorne steht natürlich das erste Auto, das die am 9. Mai 1950 gegründete Sociedad Española de Automóviles de Turismo S.A. (Seat) gebaut hat: ein Seat 1400 A, wie er ab 1953 gebaut wurde. Schon damals ging es in der Zona Franca übrigens vergleichsweise beschaulich zu. Denn fast 1000 Arbeiter kamen damals auf eine Tagesproduktion von fünf Autos - und auch das waren Bausätze, die Lizenzgeber Fiat aus Italien lieferte.

          Ein schlichteres Papstmobil gab es wohl nie
          Ein schlichteres Papstmobil gab es wohl nie : Bild: Tom Debus

          „Vor allem der Tango hat es mir angetan“

          Danach folgen in vielen Reihen zahlreiche andere Fiats, die einem verdächtig spanisch vorkommen: der Seat 850 - auch als wundervoller Spider -, der Seat 1400, der Seat 124 oder der Seat 132 - sie alle stehen startklar in López' Halle. Doch auch der Bruch mit den Italienern ist dokumentiert: Mit einem Ritmo, eine Ronda und einem Auto, das eigens für einen Gerichtsprozess aufgebaut wurde. Denn um den Plagiatsvorwurf zu entkräften, wurden dort alle Teile farblich markiert, an denen sich die ungleichen Zwillinge nach der Modellpflege unterscheiden.

          Welches Auto ihm am liebsten ist, kann López gar nicht sagen. Natürlich mag er den 1400er, weil mit ihm alles begonnen hat. Er sitzt gerne einfach nur so in manchen der Rennwagen, und der Boca Negra ist ihm besonders ans Herz gewachsen. Doch am langsamsten geht er durch die kurze Reihe mit den Designstudien, die Seat unter der Regie des VW-Konzerns bauen durfte. „Vor allem der Tango hat es mir angetan“, sagt er mit Blick auf den feurigen Roadster, den die Spanier so gut hätten gebrauchen können.

          Das erste Van-Cabrio

          Zu den skurrilsten Autos in der Seat-Sammlung zählt aber ein Prototyp auf Basis eines Seat 1400, den die Entwickler für prominente Besucher zum offenen Luxusbus umgebaut haben. Zwei Sitzbänke quer und zwei längs zur Fahrtrichtung machen den Prunkwagen zu einem frühen „Cross-Over“-Konzept der Automobilgeschichte und zum Exoten in López' Sammlung. „Damit ist früher General Franco durchs Werk gefahren, hat den Fortschritt inspiziert und sich von den Arbeitern bejubeln lassen“, erzählt López, warum die Spanier so ein eigenwilliges Gefährt gebaut haben. Irgendwann war es dem Staatschef dann allerdings im offenen Auto zu gefährlich - zumal das Dach der Fabrikhallen löchrig war und so nah am Meer immer viele Möwen über dem Werk kreisten. Damit ihm Biobomben nicht die Uniform versauten, bauten ihm die Spanier einen Fiat 600 zum verglasten Prunkwagen um - und erfanden damit gleich das erste Van-Cabrio. Denn mit ein paar Handgriffen lässt sich das Dach dieses luxuriösen Mannschaftswagens abnehmen. Und als wäre das noch nicht schräg genug, trägt das Auto noch gegenläufige Türen, die beide an der B-Säule angeschlagen sind. Darin war später auch der König schon zu Gast bei Seat.

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