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Notfallübung am Flughafen : Viele Retter in der Not

  • -Aktualisiert am

Brandheiße Übung: Um möglichst realistisch auf den Notfall vorbereitet zu sein, lodern echte Flammen aus der Flugzeugkulisse, die aus Containern besteht. Bild: von Lachner, Maximilian

In einer Übung am Flughafen Stuttgart wird die Notlandung einer Boeing simuliert. Damit das im Ernstfall glimpflich ausgeht, trainieren Notfall- und Rettungskräfte ihr Zusammenspiel.

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          Es ist das Szenario, das Flugpassagiere und Cockpitcrew wohl am meisten fürchten. Ein Triebwerk der zweistrahligen Boeing 757, eben in Stuttgart mit Ziel Detroit gestartet, fängt kurz nach dem Abheben Feuer. Ein Vogelschwarm war in die Turbine geraten. Die Boeing-Crew erklärt sofort Luftnotlage, also Mayday. Jetzt schrillen am Stuttgarter Airport an mehreren Stellen die Alarmglocken. Flughafenfeuerwehr, Rettungskräfte und natürlich die Tower-Lotsen sind hochkonzentriert. Ausgerufen wird ein Großalarm Stufe 1. Eine derartige Notfallübung ist alle zwei Jahre für jeden zivilen Airport durch die internationale Organisation für Zivilluftfahrt (ICAO) vorgeschrieben.

          So wird der Brand des Flugzeugs simuliert. Bilderstrecke

          Die imaginäre 757-Crew hat das Feuer im Triebwerk mit Hilfe der eingebauten Löschanlage anscheinend zwar bekämpfen können, muss aber noch Treibstoff verbrauchen. Sonst hat die vollgetankte Maschine zu viel Gewicht bei der Landung. Dadurch könnte das Fahrwerk beschädigt werden. Außerdem verschafft das den Rettungskräften am Boden einen Zeitpuffer von einigen Minuten.

          Angst vor Crash bei der Notlandung

          Die Boeing 757 kann selbst mit nur einem funktionierenden Triebwerk notfalls noch Stunden fliegen. Am Boden wird es unterdessen ziemlich laut. Mehrere riesige Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr fahren neben die Runway und beziehen dort Stellung. Innerhalb von drei Minuten nach Auslösen eines Alarms muss die Flughafenfeuerwehr jede Stelle des Stuttgarter Airports erreichen können. Kein Wunder also, dass ihre Wagen wahre Sprinter sind. Bis zu 1000 PS Leistung und Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 140 km/h sorgen dafür, dass diese Kolosse am Airport zu den schnellsten Feuerwehrfahrzeugen überhaupt gehören.

          In der simulierten Boeing 757, einem kombinierten Passagier- und Frachtflugzeug mit 40 Passagieren sowie fünf Crewmitgliedern an Bord, bahnt sich unterdessen weiteres Unheil an. Das stillgelegte Triebwerk hat abermals Feuer gefangen, zudem sind nun auch Teile des Hydrauliksystems für die Steuerung beschädigt. Es muss also damit gerechnet werden, dass der Airliner bei der Notlandung crasht. Deshalb wird die Alarmstufe nun von 1 auf 2 erhöht. Das hat wiederum Auswirkungen auf die Feuerwehren und Rettungskräfte in der Landeshauptstadt und ihrem Umland. Nach der Flughafenfeuerwehr werden jetzt auch die Wehren der Landeshauptstadt Stuttgart und die freiwillige Feuerwehren der umliegenden Gemeinden alarmiert.

          „Boeing 757“ kommt brennend zum Stehen

          Denn nun muss schlimmstenfalls mit vielen Verletzten oder gar Toten gerechnet werden. Im Minutentakt treffen sowohl Feuerwehrfahrzeuge als auch Krankenwagen des Roten Kreuzes oder des Malteser Hilfsdienstes am Stuttgarter Flughafen ein. Sie werden von Mitarbeitern auf spezielle Bereich dirigiert.

          Und jetzt ist es so weit. Die „Boeing 757“, die in der Übung durch etliche Metall-Container, die mit Fenstern versehen sind, und einer angeflanschten Triebwerksattrappe simuliert wird, hat aufgesetzt und kommt brennend zum Stehen. Dazu spuckt die Turbinenattrappe tatsächlich mächtige Flammen aus. Zudem entsteht durch auslaufendes Kerosin ein Flächenbrand neben der Maschine. Auch dieses Szenario wird mit echtem Feuer nachgestellt.

          Auch Amerikanische Unterstützung

          Jetzt treten die neben der Runway bereits wartenden Flugplatzfeuerwehren in Aktion. Sie rasen zum Brandherd und beginnen mit der Brandbekämpfung. Ein Fahrzeug beschießt das brennende Triebwerk mit Schaum, ein anderes bekämpft das entzündete Kerosin rings um die Attrappe mit Hilfe seiner Löschkanone. Kurz danach versuchen Feuerwehrleute mit Atemschutz ins Cockpit und an die Passagiertüren zu gelangen, um Crew und Passagiere aus dem Flugzeug zu holen. Diese Eingänge sind an den Containern einige Meter über dem Boden angebracht, alles muss möglichst realitätsnah sein.

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