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Sicherheit : Warum kein Bremslicht am Fahrrad?

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Das Litecco Twinfire hat einen Bewegungssensor. Bild: Pardey

Die Zahl der Fahrräder, die mit Tagfahrlicht bestückt sind, steigt. Ein weiterer Gewinn an Sicherheit sind Bremslichter, die einfach nachzurüsten sind.

          Jedes Jahr dasselbe: Im Herbst wird die Fahrradbeleuchtung Thema. Die gute Nachricht, die eher wenig interessiert, ist: Trotz zahlreicher Dunkelmänner auf den Straßen ist die Zahl der korrekt und nach dem Stand der Technik beleuchteten Fahrräder spürbar im Steigen begriffen. Mehr grelle - und häufig sogar für Autofahrer störende, weil nicht gut justierte - LED-Scheinwerfer sind zu sehen. Die Zahl der Fahrräder, die mit Tagfahrlicht ausgerüstet sind, steigt ebenfalls. Allerdings sind immer noch viele (nicht zulässige) rote Blinkleuchten als Rücklicht unterwegs. Und da wir gerade beim roten Rücklicht sind: Warum eigentlich haben Fahrräder kein Bremslicht, nicht einmal schnelle Elektroräder?

          Die banalste Antwort auf diese Frage lautet: Das sieht der Paragraph 67 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung nicht vor. Nun kann man lange darüber philosophieren, ob es überhaupt nötig ist, dass man erkennen kann, wenn ein Fahrradfahrer bremst. In Zeiten aber, wo der Fahrradverkehr immer dichter wird, möchte man die Frage bejahen - egal, ob man hinter dem Lenkrad eines Autos oder als Fahrradfahrer unterwegs ist. Technisch ist ein Bremslicht am Fahrrad schon seit Jahren überhaupt kein Kunststück mehr.

          Der führende Hersteller von Fahrradbeleuchtung, Busch und Müller in Meinerzhagen, präsentierte 2011, ein Jahr nach dem Tagfahrlicht für Fahrräder, „BrakeTec“, das in ein Rücklicht der Toplight-Linie integrierte Bremslicht. Realisiert wurde dies mit einem Prozessor, der anhand der vom Nabendynamo kommenden elektrischen Signale plötzliche Verzögerungen erkannte und dafür sorgte, dass ein signifikant helleres Rot nach hinten leuchtete. Voraussetzung war, dass das Fahrrad einen vom Nabendynamo gespeisten Scheinwerfer hatte, der an seinen Anschlüssen für das Rücklicht Wechselstrom lieferte. Man kann sich leicht denken, dass dies bei allen Scheinwerfern aus Meinerzhagen so war.

          Das Brakelight hängt am Bowdenzug.

          Inzwischen geht es aber auch einfacher und unabhängig von der übrigen Beleuchtung nachrüstbar. Denn das Jahr 2013 brachte für alle Fahrradfahrenden einen Durchbruch: Nun waren „Batteriebeleuchtungen“, also vom Akku oder einer Batterie gespeiste und mit Prüfzeichen versehene Scheinwerfer und Rückleuchten, nicht mehr nur am Rennrad, sondern an allen Fahrrädern erlaubt. Es wird hier völlig beiseitegelassen, dass ein Nabendynamo mit verkabelten Leuchten nach wie vor die technisch sicherste Form der Beleuchtung für ein Fahrrad darstellt, ja sogar für ein Pedelec, bei dem sich Scheinwerfer und Rücklicht aus dem Akku des Motors bedienen könnten. Die Freigabe von 2013 ermöglichte jedoch ein Rücklicht mit Bremslichtfunktion wie etwa das Litecco Twinfire.

          Das knapp 40 Gramm wiegende, schlicht eckig gestaltete Kästchen kostet rund 60 Euro und lässt sich mit einer Universalhalterung abnehmbar am Rad montieren. Vor dem ersten Einsatz muss der Lithium-Polymer-Akku über eine beim Fahren abgedeckte Mikro-USB-Buchse aufgeladen werden. Eine Ladung soll für zwölf Stunden Leuchten reichen - die absolvierten Nachtfahrten waren niemals so lang. Um zu erkennen, was das Twinfire tut, wenn man bremst, muss man bloß einmal gegen das in der Hand gehaltene Gehäuse mit dem Finger schnippen. Ein Sensor erkennt die Verzögerung beim Bremsen während der Fahrt und lässt für einige Momente das wesentlich hellere Bremslicht aufleuchten. Das funktioniert zuverlässig, allerdings leuchtet das Bremslicht bei längerem Bremsen nicht so lange, wie gebremst wird. Das Bremslicht leuchtet auch nur bei eingeschaltetem Rücklicht auf, also normalerweise nicht am hellen Tag.

          Eine helle LED leuchtet auf

          Während das Litecco Twinfire mit seiner K-Prüfnummer eine vollwertige Rückleuchte ist, bietet Sigma Sport mit dem Brakelight seit vergangenem Jahr eine Zusatzausrüstung für alle Bremsen mit einem Bowdenzug an. Mit bloß sieben Gramm Gewicht und nur 3 × 3 Zentimeter groß ist das Brakelight (knapp acht Euro) sehr unauffällig und schnell vorzugsweise am Rennrad montiert: Man schraubt es einfach mit einem beiliegenden Inbusschräubchen so auf den Draht des Bowdenzugs, dass die beiden unter Federspannung stehenden Teile des windschnittig geformten und in verschiedenen Farben zu habenden Lämpchens beim Betätigen der Bremse gegeneinander verdreht werden. Dadurch wird ein Kontakt geschlossen, und eine helle LED leuchtet auf - und zwar so lange, wie die Bremse betätigt wird.

          Die Energie kommt von einer auswechselbaren Knopfzelle, die für mehrere hunderttausend Bremsungen oder mehrere Jahre reichen soll, wie Sigma sagt. Tatsächlich war es keine Schwierigkeit, eine Saison lang mit dem Bremslicht am Rennrad zu fahren, das auch bei Tageslicht aufleuchtet. Es ist jedoch kein Rücklicht wie das Litecco Twinfire. Beide Bremsleuchten haben sich an verschiedenen Rädern und bei wechselnder Witterung bewährt. Vor allem beim Radeln in der Gruppe erschien es jetzt im Herbst mit Einbruch der Dämmerung als Sicherheitsgewinn, deutlich sehen zu können, wenn vor einem fahrende Radler bremsen.

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