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Shimano-Elektronikschaltung Ultegra Di2 : Jetzt ist das schreckliche Rrrrrtttklack Vergangenheit

  • -Aktualisiert am

Kraftlinien: Beim Carbonrahmen gibt es kaum ein rundes Rahmenrohr Bild: Holger Appel

500 Kilometer Probefahrt mit Shimanos elektronischer Schaltung Ultegra Di2 am Haibike Affair RC zeigen: Die Sache funktioniert. Die Kette wechselt blitzschnell und sauber rastend. Und das Rad? Herrlich leicht und bequem.

          Er kommt strahlend zurück. Wie waren die Rennrad-Tage im mallorquinischen Bergland? Probleme mit der elektronischen Schaltung gehabt? „Probleme?“, fragt er zur Antwort und sagt dann im Tonfall des Moderators einer Dauerwerbesendung: „Ich bin begeistert!“ 500 Kilometer ist der Proband durch Berg und Tal gefahren - ohne jede Störung der Shimano Di2 am Haibike Affair RC.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Etwa 1000 Euro Mehrpreis und 150 Gramm Mehrgewicht trennen die elektronische Schaltung, mit den Stellmotoren in der Komponenten-Serie Ultegra von der herkömmlichen Version. Bei einem Gesamtgewicht des Rennrads von 7,4 Kilogramm bei Rahmenhöhe 56 hat man das Mehrgewicht mit einem Eisbecher weniger schon wettgemacht. Vom Modelljahr 2013 an verschwinden nicht nur Züge und Kabel im Rahmen, sondern auch der Akku der Schaltung und zwar im Rohr unter der Sattelstütze. Das ist übrigens so ziemlich das einzige runde Rohr dieses Rahmens, der mit Rippen und Kanten, Ovalisierungen und konischen Verläufen in Carbon den Verlauf der Kräfte nachmodelliert, die in einem Rennrad wirken.

          „Ein herrlich leichtes Rad“

          Der Derailleur wie auch der Umwerfer vorn der Di2 wirken schlicht gesagt ein wenig plump, weil sie wegen der Motoren größer sein müssen. Aber das stört nicht weiter. Die Sache funktioniert. Das schreckliche „Rrrrrtttklack“, gehört der Vergangenheit an. Die Kette wechselt blitzschnell und sauber rastend von Ritzel zu Ritzel. Das klappt auch unter Last und dann, wenn man vorn und hinten gleichzeitig schaltet. Es machen die E-Motoren vorn und hinten „Ssst“, und klack, der Gang ist drin. Wenn wie meistens nur hinten geschaltet wird, hört man fast nichts. Der Clou der Bedienhebel in den Bremsschaltgriffen: Sie sind frei programmierbar. Man kann also entscheiden, welcher Hebel rauf- oder runterschaltet. Das kann auch interessant für Behinderte sein.

          Ein Kabel, kein Bowdenzug

          Aufgeladen wird der Akku über ein USB-Ladegerät und eine winzige Buchse des Kästchens mit dem Einschaltknopf, das unter dem Vorbau montiert war. Die vor Nässe schützende Abdeckklappe der Buchse ist sehr filigran und wird wohl bald abreißen, wie man leider annehmen muss. Der Ladevorgang dauert etwa anderthalb Stunden und genügt ganz sicher für 1000 Kilometer Fahrt wie zugesichert. Abhängig vom Schaltverhalten und von den Temperaturen werden auch deutlich höhere Kilometerleistungen berichtet. Bis man sich dran gewöhnt hat, dass der Saft schon bis nach Hause reichen wird, bleibt ein Rest von Unruhe. Denn der Ladezustand wird neben der Buchse am Lenker zwar angezeigt, allerdings nur grob mit einer grünen und einer roten LED. Im Falle, dass die Energie versiegen sollte, setzt zuerst der Umwerfer aus, man kann also noch eine Weile immerhin hinten schalten. Und noch eine angenehme Erfahrung: Musste man das Hinterrad ausbauen, ist es beim Wiedereinbau gleichgültig, auf welches Ritzel man die Kette legt. Die Di2 merkt sich offenbar den zuletzt eingelegten Gang und kehrt ins gewohnte Schaltprofil zurück. Bei einem Punkt werden die Kritiker wieder sagen: Typisch Shimano! Die elektronische Schaltung lässt sich nicht reparieren. Geht der Antrieb des Umwerfers oder des Schaltwerks kaputt, müssen die Teile komplett getauscht werden.

          Ja, und das Rad? Ein schön steifer Rahmen, sehr fahrstabil. Auf einer Abfahrt ist dem Piloten bei 63 km/h aber doch etwas mulmig geworden, weil das Rad an diesem Tag so nervös reagierte. Das kann an den Felgen mit den hohen Flanken gelegen haben. Das Affair RC rollte mit Systemlaufrädern Reynolds Assault Carbon auf Drahtreifen (Michelin Pro 4 Service Course). Lateral einigen Widerstand bietend, reagierten die Laufräder auf Seitenwind empfindlich. Ob die Carbon-Sattelstütze „gut flext“, wie Haibike sagt? Gute Frage, unbequem ist dies Rennrad jedenfalls nicht. Vorherrschender Eindruck? „Ein herrlich leichtes Rad.“ Die mit dem Haibike Affair RC (Listenpreis rund 3500 Euro) bewältigten Dienstfahrten sind jedenfalls viel zu schnell vorbei gewesen.

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