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Shanghai Autoshow : Die unbekannten Bestseller aus dem Reich der Mitte

  • -Aktualisiert am

Die chinesischen Automobilhersteller bedienen einen riesigen Markt, und stolz zeigen sie auf der Shanghai Autoshow ihre neuen Exponate Bild: AFP

Ein riesiger Markt, den drei mächtige einheimische Unternehmen mit ganz neuen Marken beherrschen: Ein Blick auf die große Shanghai Autoshow und die Modelle der chinesischen Hersteller.

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          Mit rund fünfzehn Millionen verkauften Fahrzeugen im vergangenen Jahr rangiert der chinesische Automarkt in aller Welt mittlerweile klar auf dem ersten Platz, vor den Vereinigten Staaten und Westeuropa. Mit weiter steigender Tendenz. Die Fachleute prognostizieren für die kommenden Jahre (bis 2015) nochmals einen Anstieg auf rund 18 Millionen Einheiten, optimistischere Schätzungen sehen zum Ende des Jahrzehnts womöglich einen Absatz von gut zwanzig Millionen Neuwagen in dem Land, in dem aktuell gut 1,5 Milliarden Menschen leben. Und im Reich der Mitte gibt es derzeit 53 Städte mit mehr als einer Million Einwohner - Tendenz steigend.

          Diesen fulminanten Markt beherrschen, was die Absatzzahlen betrifft, die großen drei einheimischen Unternehmen Dongfeng, FAW und SAIC mit ihren zahlreichen Marken und Modellen, die wir bei uns nicht kennen. Wir sind auf der diesjährigen Shanghai Autoshow durch die 14 Hallen geschlendert und haben das nahezu unüberschaubare Angebot der Offerten aus einheimischer Produktion näher betrachtet.

          Ursprünglich als Batterie- und Elektrohersteller gestartet, begann das staatlich kontrollierte Unternehmen BYD (Build Your Dreams) erst im Jahr 2003 als Autohersteller. Die Zeit scheint nun reif für das erste SUV aus diesem Haus. In dem schlicht S6 genannten Neuling (Länge 4,81 Meter) arbeitet ein von Mitsubishi angelieferter Vierzylindermotor mit 2,4 Liter Hubraum und einer Leistung von 118 kW (160 PS), gepaart mit einem manuellen Getriebe. Das Design dieser kompletten Neuentwicklung entspricht dem aktuellen Anspruch ohne stilistische Eigenständigkeit.

          Ein ganzer Kerl: Der GX 6 von Geely, dem neuen Volvo-Besitzer
          Ein ganzer Kerl: Der GX 6 von Geely, dem neuen Volvo-Besitzer : Bild: AFP

          Der Kühlergrill könnte von Chevrolet stammen

          Aber immerhin denkt man beim Anblick des BYD S6 nicht spontan an ein bekanntes Modell europäischer Provenienz, wenn auch der Kühlergrill aus dem Ersatzteillager des Chevrolet Captiva stammen könnte. ABS, Airbags oder Keyless-Systeme zählen mittlerweile bei den chinesischen Produkten zum Serienumfang, auch die Gestaltung des Innenraums wirkt vertraut und ansprechend, wenn auch die Verarbeitung und Oberflächengüte der verwendeten Materialien nicht immer unserem gewohnten Standard eines Mittelklassemodells entsprechen.

          Brilliance Auto, mit seinem ersten Versuch in Deutschland im Markt zu reüssieren, kläglich gescheitert aufgrund katastrophaler Crashtests, bringt gleich neun neue Modelle zur Messe auf dem Gelände der letzten Weltausstellung. Dazu zählen neben der neuen Sportlimousine A4 und dem SUV A3 auch zwei vollelektrisch betriebene Concept-Fahrzeuge. Der A4 erinnert in seinen Dimensionen an den Fünfer-BMW (Länge 4,70 Meter, Radstand 2,70 Meter), unter der Haube arbeiten hingegen ausschließlich Vierzylinder-Aggregate.

          Benzin-Triebwerke dominieren den Markt

          Das neue SUV A3 ähnelt in seinem optischen Auftritt frappant der ersten BMW X1-Generation und baut auf der Plattform des BS4 auf. Zum Serienstart ist das Modell ausschließlich als Fronttriebler zu haben, eine Allrad-Version soll später folgen. Und Brilliance, in dessen Werken auch der BMW Dreier und Fünfer montiert werden, bietet als einer der wenigen Hersteller auch zwei Dieselmotoren an. Benzin-Triebwerke dominieren den chinesischen Markt, Selbstzünder-Aggregate übernehmen in Personenwagen gekonnt den Part des Außenseiters. Wie in den Vereinigten Staaten leiden die sparsamen Dieselmotoren in diesem großen Land unter mangelnder Akzeptanz in der Öffentlichkeit.

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