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Segelfliegen : Thermik aus der Steckdose

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Mach dich vom Acker: Wenn die Höhe nicht reicht, um den Zielflugplatz zu erreichen, landen manche Segelflieger auf dem Feld. Bild: Ullstein

Die Außenlandung eines Segelflugzeugs auf dem Acker muss nicht sein. Mit einem elektrisch angetriebenen Propeller kann der Pilot entspannt sein Ziel erreichen.

          Spaziergängern bietet sich zuweilen ein seltsamer Anblick: Auf einem freien Feld steht ein verlassenes Segelflugzeug, das dort augenscheinlich nicht hingehört. Offenbar hat der Pilot sein Ziel verfehlt, er musste an einer Stelle landen, wo er eigentlich nicht wollte. Die Außenlandung auf geeigneten Feldern oder Wiesen blüht ihm bei nachlassenden Aufwinden, der Flugplatz kann dann außer Reichweite geraten. Das klingt stressig für den Segelflugpiloten und ist es auch, die Außenlandung gehört aber zur Ausbildung und wird jährlich Hunderte Male erfolgreich durchgeführt. Viel ärgerlicher als die entgangenen Streckenkilometer wiegt die anschließende Rückholprozedur, für die das Segelflugzeug von der anrückenden Hilfsmannschaft zerlegt und in einem Anhänger verstaut werden muss.

          Zur Vermeidung solcher Mühsal haben die Konstrukteure längst Antriebe entwickelt, deren Propeller rechtzeitig aus dem Rumpfrücken des Flugzeugs klappt und nach dem Einsatz aerodynamisch günstig wieder darin verschwindet. Der lautlose Flug kann damit weitergehen.

          Sanfter Schub: Der Propeller der ASG 32 El klappt aus dem Rumpf. Nach einigen Sekunden ist der Hilfsantrieb einsatzbereit.

          Um ihn allein schließlich geht es Segelfliegern, die grundsätzlich nur aufsteigende Luftmassen nutzen wollen, um Höhe zu gewinnen. Oft findet sich diese Thermik unter bilderbuchreif aufquellenden Cumuluswolken, die Segelflugzeuge folglich anziehen wie das Licht die Motten. Optimal im engen Aufwindschlauch kreisend, wird Höhe getankt, um sie im anschließenden Geradeausflug in wertvolle Streckenkilometer umzuwandeln.

          Von Wolke zu Wolke huschend, sind Distanzen über viele hundert Kilometer kein Hexenwerk, wobei die Flugeigenschaften moderner Segler immer wieder begeistern. Eine Gleitleistung von 50 Kilometern aus eintausend Höhenmetern etwa gehört in der populären Klasse von 18 Meter Spannweite zum guten Ton und euphorisiert im schnellen Geradeausflug mit dem Gefühl, die Maschine würde kaum sinken.

          Manchmal genügend Leistung für den Eigenstart

          Fliegerisch wie auch mental anspruchsvoller wird die Angelegenheit bei weniger prächtigem Wetter und niedriger Wolkenbasis mit entsprechend geringerem Spielraum zwischen maximal zu erzielender Höhe und jenem Moment mit nurmehr wenigen hundert Metern über Grund, der die Entscheidung zur Außenlandung erzwingt. Das Bewusstsein um die Möglichkeit, sich in dieser Situation mit dem eingebauten Hilfsmotor mit eigener Kraft aus dem Schlamassel ziehen zu können, beruhigt die Nerven und hat zweifellos Auswirkungen auf den Flugstil. Denn wo ein erfahrener Segelflieger bereits umkehrt, können motorisierte Piloten noch den Anflug auf die womöglich rettende Wolke in weiter Ferne wagen und zusätzliche Kilometer mit ihrem Datenlogger auf GPS-Basis hamstern. Dass die Wertung bei einer Motorbenutzung automatisch unterbrochen wird, erscheint da nur fair. Vom kurzen Hüpfer bis zum Weltrekord lassen sich die Flüge hinterher auf www.onlinecontest.org ansehen, der weltweiten dezentralen Wettbewerbsplattform für Luftsportler.

          Einige der Klapptriebwerke entwickeln sogar genügend Leistung für den Eigenstart und verleihen dem Segler einen zusätzlichen Freiheitsgrad durch die Unabhängigkeit von Schleppflugzeugen oder Seilwinden, um in die Luft zu kommen. Zum Problem geraten die kleinen Zweitakter freilich, wenn sie im eingangs geschilderten Fall mit nur noch wenig Höhe über Grund den spontanen Dienstantritt verweigern. Dann drückt der ausgefahrene Propellerturm mächtig auf die Gleiteigenschaften, es geht abwärts wie im Fahrstuhl, und als Plan B sollte der Pilot tunlichst ein passendes Landefeld im Blick haben. Hektische Bedienungsfehler gelten als Hauptursache, meistens springen die gut gewarteten Triebwerke ja auch an, doch ein Fünkchen Unsicherheit fliegt mit. Wie schön wäre zuverlässige Leistung auf Knopfdruck wie beim Zimmerventilator.

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