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Seekajaks : Eleganz aus dem Eismeer

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Mit solch einer Flosse hätte das Paddelboot sicher eine irre Beschleunigung. Bild: mauritius images

Sie sind schnell, sie sind robust, sie sind seegängig. Vor allem aber machen sie jede Menge Spaß: Seekajaks. Die schmalen Boote taugen für nahezu jedes Gewässer.

          Der erste Eindruck: So ein Seekajak kommt elegant daher. Der Rumpf ist, im Verhältnis zur Bootsbreite, sehr lang, der Decksprung positiv, das Deck also gewölbt. Zwischen Stand-up-Paddlern und Motorbooten bietet ein Seekajak ein Bild überlegener Ruhe auf dem Wasser. Durch die Bootslänge, so eine der ersten Lektionen, wird ein widerstandsarmes Wellenbild erzeugt. Dadurch spart der Paddler Energie, was sich auf langen Strecken auszahlt. Für die sind diese Boote konstruiert. „Länge läuft“ gilt nicht nur auf dem Meer, sondern genauso gut auf einem Stadtsee.

          Ein bisschen gewöhnungsbedürftig ist es schon, wenn sich die Sitzposition im Boot ungefähr eine Handbreit unterhalb der Wasserlinie befindet. Direkter lässt sich die Nähe zum nassen Element wohl nur beim Schwimmen erleben. Der erste Einstieg wird zur Herausforderung. Der schmale, flache Rumpf scheint am Anfang extrem kippelig. Wirklich stabil wird das Boot erst, wenn es Fahrt aufgenommen hat. Dann wiederum wird ein Seekajak plötzlich erstaunlich laufruhig. Die Fachwelt spricht von geringer Anfangs- und hoher Endstabilität. Haben die Konstrukteure dem Boot ausreichend Kielsprung verpasst, läuft der Kajak fast von allein auf der Welle. Bei ruhiger See durchtrennt der Bug das Wasser scheinbar ohne jeden Widerstand. Ist der Einstieg erst einmal geschafft - auf Binnenrevieren zumeist vom Steg aus, am Meer über das Heck oder die Bootsseite in der Brandung - dann erreicht der Seekajak fast spielerisch höhere Geschwindigkeiten und gewinnt mit jedem Knoten mehr Stabilität.

          Mehr Komfort geht nicht. Die Sitzschale soll dem Fahrer möglichst viel Halt bieten. Bilderstrecke

          Seekajaks sind im Vergleich zu anderen Paddelbooten recht teuer. Schon für Einsteigermodelle sind schnell 1500 bis 2000 Euro fällig. Und das, obwohl beim ersten Blick nicht allzu viel dran zu sein scheint. Es herrscht Purismus. Beim Blick in die Hauptluke, vorbei an der Sitzschale, die dem Paddler Halt geben und auf langen Fahrten ein Mindestmaß an Bequemlichkeit bieten soll, liegt im vorderen Rumpfteil der Bereich für die Beine. Beidseitig angebracht befinden sich dort verstellbare Fußstützen. Diese werden an Schienen mit ihrem Abstand zur Sitzschale so positioniert, dass die Beine leicht angewinkelt sind und die Oberschenkel über den Knien sich an zwei Schenkelstützen am Rand der Sitzluke pressen lassen.

          Ungewöhnliche Sitzposition

          Der Grund für die anfangs gewöhnungsbedürftige Sitzposition liegt in der Anatomie des Menschen. Weil sich jede Oberkörperbewegung über die Hüfte bis in die Zehenspitzen überträgt, paddeln die Beine gleichsam mit. Deshalb wird unter den Füßen ein Widerstand benötigt. Und mit den Schenkeln verkantet der Paddler seinen Unterkörper so im Boot, dass er es aus der Hüfte heraus seitlich stabilisieren kann.

          Seekajaks haben gewöhnlich zwei oder mehr Schottwände. Eine begrenzt den Fußraum, eine zweite Schottwand ist im hinteren Rumpfbereich, direkt hinter der Sitzschale eingebaut. Wieviel Prozent des gesamten Bootsvolumens jeweils das Cockpit und die beiden abgeschotteten Sektionen haben sollten, darüber können die Spezialisten trefflich streiten. Wenn ein Seekajak keine Abschottungen besitzt, wie es beispielsweise bei einem Faltboot der Fall ist, kommt meist eine sogenannte Seesocke zum Einsatz: Das ist ein wasserdichter Sack, der über den Süllrand gezogen wird und in dem der Paddler sitzt. Die Seesocke hat genauso wie die Abschottungen die Funktion, die Menge des Wassers zu begrenzen, die etwa im Falle einer Kenterung ins Cockpit eindringen könnte. Zu einem richtigen Seekajak gehört aber auch eine Lenzpumpe, die es mit Hand- oder Fußbetrieb und auch elektrisch gibt.

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