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Seat Leon 2.0 TDI PD Stylance : Gewidmet allen Löwen diesseits von Afrika

  • -Aktualisiert am

Sportlicher Charakter und emotionaler Auftritt: Seat Leon Bild:

Die helle Schönheit auf Rädern hat auch dunkle Seiten. Der Seat Leon 2.0 TDI PD Stylance ist ein Diesel voller Kraft mit rauhem Charakter. Ein Fahrtbericht.

          4 Min.

          Aus den kargen Hochebenen Spaniens meldet sich der König der tierischen Automobile zu Wort: Der Seat Leon soll die Konkurrenz das Fürchten lehren. Dafür kommt er mit löwenhaftem Muskeldesign und einem überaus kräftigen Dieselherzen. Von Walter de Silva, dem Dompteur der heißen Autoformen, kommt die Linie, für die Technik steht VW gerade, und bei Seat hat das Löwchen die richtigen Umgangsformen erhalten, dem Ruf der Wildnis kann es dennoch nicht widerstehen. Mit 103 kW (140 PS) gibt es sich pflegeleicht und huscht für 21590 Euro ins Körbchen.

          Im Leon erlebt die "auto emocion" von Seat ihren Höhepunkt. Der Seat Altea ist dem raumverliebten Menschen seine feste Burg, der Toledo kann mit seinem eigenwilligen Heck nicht jeden erfreuen. Dagegen tritt die sportliche und dritte Variante aus dieser Familie mit brüllendem Selbstbewußtsein auf: Beim Leon ist der Name Programm und Charakter. Der Kühlergrill sitzt einer Katzennase gleich zwischen den schmalen Scheinwerferaugen, große Lufteinlässe im vorderen Stoßfänger künden vom großen Drang in die freie Wildbahn. Der Kniff, die Griffe der Fondtüren in den kleinen Kunststoff-Intarsien der Seitenscheiben zu verbergen, ist gewiß ein Streich des Design-Fuchses de Silva, einen ähnlichen Spaß gab es bereits beim Alfa Romeo 156, dessen Form ebenfalls aus seiner Feder stammt. Die weit nach vorn reichenden A-Säulen geben der Leon-Form die Dynamik einer Wildkatze, aber leiden muß unter dieser Schönheit der Fahrer. Sein Blick auf die Straße wird von den beiden Säulen eingeschränkt, wie es die Scheuklappen beim Vollblut tun. Der Löwe lebt vom scharfen Blick auf seine Beute, beim Seat Leon dagegen wäre eine bessere Aussicht wünschenswert, um die Sicherheit zu erhöhen.

          Wohlgefühl kommt dennoch auf im Innenraum. Die Sportsitze vorn geben feinen Seitenhalt, wie die ersten scharfen Kurven beweisen, die Instrumente sind passend montiert, der Drehzahlmesser hat wie alle Kollegen eine wunderbar klare Skalierung und seinen Platz im Zentrum des Ensembles, die Materialwahl an Türverkleidungen und Armaturenbrett stimmt. Aber manches will nicht recht zusammenpassen, hier und da sind winklige Abschlüsse so unglücklich gewählt, daß es einfach schlecht verarbeitet aussieht. Was der Leon nicht wirklich ist. Mit vertrauenerweckendem Klang fallen Türen und Heckklappe ins Schloß, unter der Motorhaube sieht es aufgeräumt und sauber aus. Das kleine Lenkrad schmeichelt mit Lederbezug den Händen und mit drei Speichen den Augen, satt liegt es in der Hand.

          Ungeduldig wacht der Motor auf und beginnt sein Leerlaufnörgeln. Das Löwenherz hängt am Tropf der Pumpe-Düse-Einspritzung, deren Ära sich bereits dem Ende neigt, die aber abgesehen von einer gewissen rauhen Wildheit bei Vibrationen und Geräuschen dem Seat angenehm und munter auf die Beine hilft. Daran muß man sich beim Anfahren aber gewöhnen: Erst wenn die Drehzahl über 1500 Umdrehungen in der Minute erreicht, wütet der Löwe. Dann wuchert die Kraft, es schallt der Ruf des Königs der Tiere, und es krallt der Leon sein Reifenprofil in den Asphalt, und er macht mit noch befriedigender Traktion einen gewaltigen Satz nach vorn. Das Durchzugsvermögen ist im sanfter beschleunigenden Alltag auch bei geringeren Touren ausreichend, selbst aus der Leerlaufdrehzahl von knapp 1000/min und im sechsten Gang des manuellen Getriebes gelingt es, den gut 1400 Kilogramm schweren Wagen zu beschleunigen. Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht der kernige Seat ohne lange Anlaufstrecke, bei 208 km/h gaukelt der Tacho gut 220 km/h vor.

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