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Schnelle Cabriolets : Windstärke 300 auf der Autobahn

  • -Aktualisiert am

Bild: Hersteller

Mit offenen Ablegern von Aventador und Continental bringen Lamborghini und Bentley buchstäblich frischen Wind ins Luxussegment. Und dann gibt es ja auch noch den Bugatti Veyron Vitesse.

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          Die Situation entbehrte nicht einer gewissen Ironie: Als Lamborghini kürzlich in Miami den neuen Aventador Roadster präsentierte, haben die Italiener eigens eine Rennstrecke angemietet. Doch für die erste Testfahrt stand der stürmische Tiefflieger dann mit geschlossenem Dach in der Boxengasse. „Zu gefährlich, um offen zu fahren“, kommentierten die Gastgeber mit Blick auf Reifenreste oder andere Gegenstände auf der Fahrbahn, die bei Vollgas mit schier tödlicher Gewalt im Innenraum hätten einschlagen können. Und als die 700 PS starken Supersportwagen wenig später zurück nach Miami Beach oder hinunter auf die Keys rollten, musste kaum mehr als Standgas genügen. Denn 350 km/h, das reicht in Florida wahrscheinlich für lebenslänglich.

          Der Konzernschwester Bentley geht es kaum besser. Sie präsentiert ihr neues Continental GT Speed Cabrio gerade zwischen San Francisco, Las Vegas und Phoenix, wo die 625 PS des Zwölfzylinders die meiste Zeit völlig unterbeschäftigt hinter dem gewaltigen Kühlergrill kauern. Denn viel mehr als 1000 Touren und vielleicht zehn Prozent seiner Leistung braucht der Sechs-Liter-Motor nicht, um den Luxusliner an den Rand des Erlaubten zu bringen. Dabei schafft der Bentley 325 km/h und darf sich deshalb als das schnellste viersitzige Cabrio der Welt feiern lassen.

          Bentley hält im Continental GT Speed Cabrio 625 PS vor

          Diese beiden Neuheiten aus dem VW-Konzern stehen für ein Dilemma, das immer augenfälliger wird: Auf der einen Seite rüsten die Hersteller mit gewaltigem Aufwand für eine Art Luftkrieg auf der Überholspur, bei dem sie mit immer schnelleren Cabrios und Roadstern die Gunst der Kunden gewinnen wollen. Und auf der anderen Seite gibt es immer weniger Möglichkeiten, solche Autos tatsächlich einmal auszufahren. Die Kunden allerdings scheint das nicht zu stören: Obwohl der Aventador Roadster stolze 357 000 Euro kostet, ist er bis zum Sommer 2014 bereits ausverkauft. Und bei Bentley klagen sie auch nicht gerade über mangelnde Nachfrage für das 227 290 Euro teure Flaggschiff der Continental-Reihe.

          Die beiden Konzerngeschwister zählen zu den stürmischsten Open-Air-Neuheiten der Saison und sind sich ähnlicher, als man glauben mag. Zwar ist der Lamborghini wie gewohnt ein Extremist für notorische Selbstdarsteller, messerscharf gezeichnet, mit brachialem Klang, brutalem Fahrgefühl und dem Wohlfühlfaktor eines luxuriösen Domina-Studios. Und der Bentley ist eine Art Luftschloss auf Rädern, wahrt selbst bei Vollgas seine Contenance und umgarnt die Passagiere mit einem Komfort, wie man ihn allenfalls bei einer Luxusyacht erwarten würde. Doch hier wie dort arbeiten zwei potente Zwölfzylinder, die für ähnlich extreme Fahrleistungen sorgen und beide Modelle zu Trumpfkarten im Autoquartett machen.

          Das Dach des Aventador Roadster von Lamborghini besteht aus zwei Hälften aus Karbonfaser

          Damit Autos wie der Continental GT oder Aventador Roadster diese Geschwindigkeiten überhaupt erreichen können, treiben die Entwickler einen riesigen Aufwand: Sie brauchen nicht nur eine immense Motorleistung, sondern vor allem müssen sie die Karosserie gründlich versteifen. Lamborghini hat dafür eigens die Karbonstruktur am Mitteltunnel, in den Seitschwellern und im Wagenboden verstärkt, und der Bentley ist mit seinen 2,5 Tonnen Stahl ohnehin so schwer und stabil, dass ihn nichts aus der Ruhe bringen kann.

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