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S-Klasse : Die ungenierte Klassengesellschaft

  • -Aktualisiert am

„S” stand immer für Sicherheit und manchmal auch für den Stolz der Besitzer Bild: Hersteller

In Deutschland gibt es keine Klassengesellschaft? Aber natürlich doch. Zumindest bei Mercedes-Benz. Deren S-Klasse hielt sich schon immer für etwas besseres und war es meist auch.

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          A-, B-, C-, E-, G-, M-, R- und schließlich S-Klasse: hierarchisch geschichtete Programme haben viele Autohersteller. Doch nur Mercedes-Benz macht aus jeder Baureihe eine Klasse für sich. Dabei waren die Stuttgarter nicht einmal die ersten, die ihr Angebot auch semantisch nach Klassenunterschieden ordneten. Schon vor mehr als siebzig Jahren gab es bei DKW - einer Schwestermarke des heutigen Mercedes-Konkurrenten Audi in der damaligen Auto Union - Modelle namens Meisterklasse, Schwebeklasse und Sonderklasse: brave Autos mit Zweitaktmotor, dessen Auspuff ein müffelndes Fähnchen von Ölrauch entließ. Erst vier Jahrzehnte später reanimierte Daimler-Benz den Begriff und verlieh erstmals den prestigeträchtigen Titel S-Klasse.

          Das S stand im Programm des Unternehmens schon früher zunächst für Sport, aber auch für Exklusivität und - nach den Maßstäben der jeweiligen Zeit - für Spitzentechnik. Nach 1945 war es allerdings mit dem Luxus nicht weit her. Erster Träger des Buchstabens wurde so eine Limousine im Dreißiger-Jahre-Design mit separatem Rahmen und einem Fossil von Motor. Trotzdem avancierte der 170 S zum Chefwagen jener Tage. Erst mit dem 220 S, der 1956 auftrat, wurde das S satisfaktionsfähig: Die selbsttragende Pontonkarosserie, ein zeitgemäßer Sechszylindermotor, und von 1958 an die Benzineinspritzung wiesen das 4,75-Meter-Auto als modernes Flaggschiff der Mercedes-Flotte aus.

          Heckflossen en vogue

          Viel mehr als Mittelklasse war das nach heutiger Anschauung freilich noch nicht, und so wird denn auch eher ein anderer, Größerer als legitimer Vorgänger gegenwärtiger S-Klassen gesehen, obwohl er kein S im Namen trug: der 300, vulgo „der Adenauer“, weil er als Staatskarosse der fünfziger Jahre auch dem Bundeskanzler zu Diensten war. Der schätzte das Modell, der Legende nach, vor allem wegen des bequemen Einsteigens mit Hut.

          Von 1998 bis 2005 war der W220 das Maß aller Dinge

          Der nächste S war dagegen geradezu ein Modepüppchen. In Amerika waren inzwischen die Heckflossen en vogue, und davon ließen sich auch die nüchternen Schwaben beeindrucken. Da sie es mit dem Nachahmen nicht übertrieben, kann man die Modellreihen W 111 und W 112 auch jetzt noch fast ohne Stirnrunzeln betrachten. Zumal sie technisch auf der Höhe waren: Der 300 SE von 1961 hatte Luftfederung, eine Zweikreis-Bremsanlage und ein Viergang-Automatikgetriebe. Und mit seinem 170-PS-Sechszylinder brachte er es trotz aerodynamischer Schwächen auf 200 km/h.

          S wie Sicherheit

          Vier Jahre später war es schon wieder vorbei mit dem Flossenspiel. Inzwischen war ein wirklich großer Mercedes auf den Plan getreten, der 600, aber in diesem noblen Solitär sehen die Historiker eher ein Pendant zum heutigen Maybach als einen Ahnherrn der aktuellen S-Klasse. Den stellt vielmehr die Baureihe W 109 dar, vor allem in ihrer exklusivsten Ausprägung, dem 300 SEL 6.3 von 1966. In seiner verlängerten Karosserie (dafür steht das L) verbarg sich der Achtzylinder aus dem 600, der dem Fünfmeter-Auto zu damals sportwagengleichen Fahrleistungen verhalf: 8 Sekunden von 0 auf 100 km/h, Spitze 220 km/h. Und Verbrauch um 20 Liter je 100 Kilometer - dabei fand noch niemand etwas. Der 6.3 kostete um die 40 000 Mark, dafür bekam man zwei 280 S oder acht VW Käfer.

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