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Der Opel GT wird 50 : Nur Fliegen war schöner

  • -Aktualisiert am

in Reih´ und Glied: Zum Klassikertreffen zeigte Opel diverse GT aus der Unternehmenssammlung. Bild: Peter Thomas

Ein Design und ein Werbeslogan für die Ewigkeit: Vor 50 Jahren kam der Opel GT auf den Markt. In Rüsselsheim kamen einige von ihnen nun zum Klassikertreffen zusammen. Ein Rundgang.

          Design ist Freiheit. Daran glaubte auch Erhard Schnell vor mehr als 50 Jahren. Und so interpretierte der Opel-Stilist den Auftrag, ein zweisitziges sportliches Modell auf Kadett-Basis zu entwerfen, ziemlich revolutionär: Als Front-Mittelmotor-Sportwagen mit atemraubendem Hüftschwung (Coke-Bottle-Shape), sportlichem Interieur und Klappscheinwerfern – der Opel GT.

          Auf der IAA 1965 hatte die Studie „GT Experimental“ Premiere. „Die Leute haben gedacht, da ist ein Ufo gelandet“, sagt der Designer heute schmunzelnd: „Die Reaktionen von allen Seiten waren so positiv, dass sich die Geschäftsleitung einfach entschließen musste, den GT auf die Straße zu bringen.“

          Vor 50 Jahren kam er auf den Markt. Diesen Geburtstag feierte die Marke mit dem Blitz jetzt während des Rüsselsheimer Klassikertreffens. Der Termin rund um die Opel-Villen, den Stadtpark und den Main gilt mittlerweile als größtes eintägiges Oldtimertreffen in Deutschland. Mehr als 3000 Fahrzeuge und 30.000 Besucher zählten die Veranstalter.

          Rund 70 Opel GT gaben sich die Ehre. „Das war damals eine ganze Tagesproduktion“, erinnerte sich ein Ex-Opelaner unter den Besuchern. Nach den Worten von Jens Cooper, Mitarbeiter von Opel Classic und GT-Spezialist, entstanden in fünf Jahren Bauzeit exakt 103.463 Exemplare. Fast 100.000 Kunden entschieden sich dabei für den 90 PS starken GT 1900 mit dem 1,9-Liter-Motor aus dem Opel Rekord. Die 60-PS-Version mit 1,1-Liter-Kadett-Maschine fand nur gut 3500 Käufer. Weil sich die „Kleinserie“ nicht so ohne weiteres in die Arbeitsabläufe bei Opel einfügen ließ, wurde die Karosserie von Chausson in Gennevilliers gefertigt, Brissonneau & Lotz in Creil (ebenfalls Frankreich) sorgten für die Lackierung und die Innenausstattung. Im Opel-Werk Bochum wurden die GT schließlich komplettiert.

          Über 25.000 GT existieren noch heute

          Erhard Schnell spielte für seinen Opel mit Design-Elementen vom italienischen Gran Turismo bis zum amerikanischen Sportwagen. Die amerikanische Note lag nahe. Immerhin arbeitete der Designer Anfang der sechziger Jahre in Detroit. Und den Auftrag für den GT bekam er von Clare MacKichan, dem damaligen Chevrolet-Chefdesigner und Vater der Corvette. Es waren laut Schnell die Jahre, als aus Opels „Modellraum“ mit seinen 30 Mitarbeitern die Abteilung Styling entstand. Der Designer arbeitete von 1952 bis 1992 für das Unternehmen.

          Einer so schön wie der andere: Rund 70 Opel GT versammelten sich vor den Opel-Villen in Rüsselsheim. Bilderstrecke

          Rund 70 Prozent der Produktion wurden Cooper zufolge in die Vereinigten Staaten verkauft. Viele der Fahrzeuge holten Opel-Liebhaber später als Klassiker zurück nach Deutschland. Mehr als 25.000 GT existieren noch heute, vermuten Kenner der Szene.

          Zum Klassikertreffen zeigte Opel diverse GT aus der Unternehmenssammlung. Außer der IAA-Studie von 1965 waren ein früher Serien GT aus dem Jahr 1968 sowie einer von nur zwei bei Carrozzeria Fissore in Turin gebauten Aero GT aus dem Jahr 1969 zu sehen. Diese Version hatte ein abnehmbares Dach und eine elektrisch versenkbare Heckscheibe.

          Die ganze Vielfalt der Geschichte machten auch der Elektro GT aus dem Jahr 1970 und der Diesel-Weltrekordwagen auf GT-Basis aus dem Jahr 1972 deutlich. Der 2016 in Genf präsentiert Opel GT Concept rundete die Zeitreise vom Jahr 1968 bis in die Gegenwart ab. Leitthema: „Nur Fliegen ist schöner“ - der legendäre Werbeslogan für den GT.

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