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Roller Suzuki Burgman 650 „Executive“ : Die Würde der bewegten Masse

Ein Schiff wird kommen: Der Suzuki Burgman 650 „Executive” hat von allem reichlich Bild:

Der Suzuki AN 650 Burgman war der mächtigste Maxiroller auf dem Markt. Jetzt stand die Ablösung an: Die neue Nummer eins aus Nippon ist der Burgman 650 mit dem Namenszug „Executive“.

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          Im Reich des großen Sumo herrschte bisher König Burgman. Der Suzuki AN 650 Burgman war der mächtigste Maxiroller auf dem Markt. Zur diesjährigen Kirschblüte stand dann die Ablösung an. Amt und Würden blieben, im Zuge einer kontinuierlichen Thronfolge, freilich im Hause Suzuki: Die neue Nummer eins aus Nippon ist der Burgman 650 mit dem Namenszusatz "Executive". Gegenüber seinem Vorgänger ohne "Executive" hat er noch einmal zugelegt: an Ausstattung, an Gewicht, beim Preis.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Als stärkster Serienroller wird er angetrieben von einem wassergekühlten Zweizylinder-Viertaktmotor mit 638 Kubikzentimeter Hubraum. Das Triebwerk mit elektronischer Einspritzung, vier Ventilen je Zylinder und geregeltem Dreiwegekatalysator leistet 41 kW (56 PS) bei 7000/min und stellt ein maximales Drehmoment von 62 Nm bei 5000/min zur Verfügung. Es sorgt für eine sanfte, gleichwohl nachdrückliche Kraftentfaltung und treibt die wohl etwas vorauseilende Tachoanzeige über die vollkommen rolleruntypische Marke von 180 km/h hinaus. Die offizielle Höchstgeschwindigkeit wird mit 160 km/h angegeben. Was diesen Roller ferner aus der Menge heraushebt, ist die Möglichkeit, mit Knopfdruck zwischen manueller Fünfgangschaltung sowie zwei Automatikprogrammen (Normal und Power) zu wählen.

          Soweit so gut, all das und dazu das phänomenale Angebot an Stauraum unter der Sitzbank (56 Liter) und vorn in der Verkleidung kennzeichnete auch schon den alten Burgman 650 (F.A.Z. vom 18. November 2003). An Neuigkeiten führt die Version Executive einige Kleinigkeiten heran wie Beifahrer-Rückenstütze sowie Lenkergewichte, Auspuffabdeckung und -endkappe in verchromter Ausführung. Bedeutenderen Fortschritt gibt es in Form eines ABS-Systems. Die Bremsanlage (vorn 260-Millimeter-Doppelscheibe, hinten 250er-Scheibe) mit Antiblockiersystem hat uns gute Dienste geleistet, speziell in zwei heiklen Situationen, für die unaufmerksame Autofahrer gesorgt hatten. Das ABS ist empfehlenswert, da hatte der Suzuki Nachholbedarf gegenüber dem Honda 600 Silver Wing, dem ewigen Kronprinzen.

          Zur Vielzahl der Knöpfchen am linken Lenkerende ist noch ein blaues hinzugekommen, mit dem sich die großen (und als Ersatzteil vermutlich sündhaft teuren) Spiegel mit integrierten Blinkern elektrisch einklappen lassen. Wir würden es natürlich nie tun, können uns aber gut vorstellen, daß das beim Durchschlängeln im Ampelstau enorme Vorteile bietet. Was uns bei der zweiten Begegnung mit einem 650er-Burgman mehr interessierte als der Stadteinsatz, war dessen Langstreckentauglichkeit. Deswegen entschieden wir uns für einen Selbstversuch: 1200 Autobahnkilometer in zwei Tagen, jeweils 600 am Stück. Wir fanden das anfangs heldenhaft, schließlich aber nicht annähernd so beschwerlich wie befürchtet. Auf dem bequemen Sitz bringt man auch solche Distanzen fast lässig hinter sich. Der Suzuki ist ein toller Tourer, der sich anfühlt wie ein Reisemotorrad mit Automatik. Er folgt stur jeder Spur; in der Nähe der Höchstgeschwindigkeit jedoch neigt er zum Pendeln und beruhigt sich dann nur schwer wieder. Auf schnellen Etappen mit Dauergeschwindigkeiten um 160 km/h verlangte er nach 6,5 Liter Normalbenzin für 100 Kilometer, als geringsten Wert ermittelten wir 5,1 Liter. Für einen Einsatz im Dauerlauf wünschte man sich einen größeren als den 15-Liter-Tank sowie einen etwas höheren Windschutz.

          Das digitale Display spiegelt heftig, der Sitzbezug hat den Glanz einer Speckschwarte, dafür ist das Licht schlicht klasse. Was dem Jumbo von Suzuki oft vorgeworfen wird, ist sein pfundiges Wesen, der Fahrzeugschein weist ein Leergewicht von jetzt 276 Kilo (plus 6) aus. Es ist in der Tat mühsam bis schweißtreibend, ihn schiebend in die Garage zu bugsieren, wenn auch nur eine kleine Unebenheit im Weg ist. Auf der Straße jedoch exekutiert der Burgman Kurven mit immer wieder überraschender Beweglichkeit. Und außerdem schafft das Gefühl der Masse zusammen mit souveränen Fahrleistungen, dem erwachsenen Zweizylinderklang, der Abwesenheit störender Vibrationen und der gelungenen Sitzposition einen Gesamteindruck erhabener Fortbewegung. Wer das genießen will, muß 8950 Euro zur Hand haben. Die ABS-lose Burgman-Version wird weiter für 300 Euro weniger angeboten.

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