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Roller mit drei Rädern : Das Unikum erobert die Großstädte

Hauptstadt des MP3 LT: In Paris feiert Piaggios Dreirad Triumphe Bild: Hersteller

Es werden immer mehr: Piaggios Dreirad-Roller MP3 wird zum gewohnten Anblick im Stadtverkehr. Der Trick mit dem Autoführerschein verhalf dem innovativen Fahrzeug zum Durchbruch.

          3 Min.

          So, da haben wir also gewissermaßen ein Auto vor uns. Zweifel? Es hat mehr als zwei Räder, Fußbremspedal, Feststellbremse, Kofferraumklappe, automatische Kraftübertragung. Und wenn keine Behörde etwas dagegen tun kann, dass der Pkw-Führerschein genügt, um sich damit in den Straßenverkehr zu begeben, dann muss es doch eine Art Auto sein, oder?

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Das Versuchskaninchen ist noch nicht überzeugt. Was die Gattin da sieht, hat ihrer Meinung nach wenig mit einem Automobil zu tun, wie sie es kennt. Es fehlt eine Menge Blech, es fehlt ein Rad, es wirkt wacklig. Sie ist im Moment nicht besonders scharf darauf, das Ding mit dem 300-Kubik-Motor jetzt und hier, auf diesem sonntäglich verödeten Supermarktparkplatz, auszuprobieren. Ohne jegliche Erfahrung, ohne Motorradführerschein, aber dennoch ganz legal. Der Blick sagt: Der Sache traue ich nicht. Schließlich fasst sie sich ein Herz, stülpt den Helm über, nimmt Platz, gibt zaghaft Gas. Der MP3 300 LT knurrt und setzt sich in Bewegung.

          Der Neigemechanismus lässt sich blockieren

          2006 brachte Piaggio Bewegung in die Zweiradbranche durch das Hinzufügen eines dritten Rads. Als das Rollerimperium damals den MP3 enthüllte und für Probefahrten bereitstellte, wurde sofort klar, dass etwas Hochinteressantes entstanden war - ein innovatives, durch und durch auf Nützlichkeit und Sicherheit konzipiertes Fahrzeug, das auch noch Spaß macht.

          Kann sonst keiner: Stehen mit Rädern auf unterschiedlichem Niveau
          Kann sonst keiner: Stehen mit Rädern auf unterschiedlichem Niveau : Bild: Hersteller

          Zu den klassischen Rollerstärken - Wetterschutz, Komfort, Stauraum, einfache Handhabung - kamen weitere Tugenden: deutlich verringerte Gefahr des Wegrutschens (auf Kopfsteinpflaster, schmutziger oder nasser Fahrbahn, bei Schreckbremsungen) dank eines zweiten Vorderrads, ein insgesamt vertrauenerweckendes Verhalten auch auf holprigem Asphalt, höhere Bremswirkung. Der Neigemechanismus der Vorderräder lässt sich im Stand und selbst bei Geschwindigkeiten unter 10 km/h auf Knopfdruck blockieren, was mehrere Vorzüge hat. Man kann das Fahrzeug parken, ohne es auf den Ständer hieven zu müssen, sowie mühelos hin und her schieben, man kann vor der roten Ampel stoppen, ohne einen Fuß auf den Boden zu setzen, sich ein Vergnügen daraus machen, Autofahrer und Passanten damit zu verblüffen.

          Der Trick mit der Spurverbreiterung

          Nachteile? Ein MP3 ist schwerer als ein vergleichbarer Scooter konventioneller Bauart, beim Beschleunigen und Schräglagenwechsel etwas behäbiger und nicht zuletzt teuer. Das muss man akzeptieren. Manchen erinnert sein Anblick an ein „Behindertenfahrzeug“ oder einen „Krankenfahrstuhl“. Das muss man ignorieren.

          In Großstädten, dem Revier, für das er geschaffen wurde, hat es der MP3 mittlerweile vom beglotzten Kuriosum zum vertrauten Anblick geschafft. Einen Schub bekamen die Verkaufszahlen Anfang 2009, als Piaggio die trickreiche, anfangs gar nicht vorgesehene LT-Variante herausbrachte, die dank Spurverbreiterung von 420 auf 465 Millimeter und weiteren Modifikationen als Zwei- statt als Einspur-Fahrzeug homologiert werden konnte. Mit der Folge, dass für sämtliche MP3-Hubraumklassen von 125 bis 500 Kubik der Besitz des Autoführerscheins ausreicht. Bis einschließlich 2008 gab es ausschließlich Schmalspur-MP3, die weiterhin im Programm sind, in manchen Ländern aber kaum noch verkauft werden. Was für sie spricht, ist allein ein um einige hundert Euro niedrigerer Preis. Im Fahrverhalten ist praktisch kein Unterschied festzustellen.

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