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Roller : Mehr Charme hat keiner

Klarer Fall: Das ist eine Vespa. Und die GT 200 ist die größte von ihnen. Bild:

Der Unterschied erklärt sich manchmal von ganz allein. Taucht der Rollerfahrer irgendwo mit einem Helm in der Hand auf, wird er oft mit den Worten begrüßt: "Du bist ja mit dem Roller gekommen."

          Der Unterschied erklärt sich manchmal von ganz allein. Taucht der Rollerfahrer irgendwo mit einem Helm in der Hand auf, wird er oft mit den Worten begrüßt: "Du bist ja mit dem Roller gekommen." Bei bestimmten Zweirädern aber klingt es zum Empfang meist so: "Ah, du bist mit der Vespa da!"

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Rollermarken, so scheint es, sind vielen Leuten einerlei, allein bei dem Namen Vespa wird eine Ausnahme gemacht. Für Piaggio, den italienischen Hersteller, bedeutet das einen immensen Vorteil gegenüber der Konkurrenz - und zugleich eine Bürde. Weil das Produkt nicht allein an seiner Funktion, seinem Preis-LeistungsVerhältnis gemessen wird, sondern ganz wesentlich auch an seiner eigenen Vergangenheit, ist es der Tradition verpflichtet. So sollte ein neues Modell zwar moderne Designströmungen berücksichtigen und technischen Fortschritt mitbringen, vor allem aber als Vespa zu erkennen sein.

          Im Fall der Granturismo 200 L, seit Frühjahr 2003 auf dem Markt, ist das gelungen. Sie hat im vergangenen Jahr mit rund 1200 Zulassungen in Deutschland den Spitzenplatz bei den "Kraftrollern" eingenommen und lag auch in den ersten Monaten 2004 vorn. Man darf vermuten, daß sich viele Käufer für diesen Frauentyp entscheiden, weil er aussieht wie ein Schauspieler in einem Gute-Laune-Klassiker aus Hollywood. Das ist der Roller, auf den sich Audrey Hepburn zu uns setzen würde, selbst wenn nebenan Gregory Peck mit einem dreimal so starken Japaner warten würde. Andere mögen ihre Qualitäten haben, aber keiner fährt mit dem jugendlichen Charme dieser Vespa, die einen unbeschwerten Sommer verspricht.

          Doch verlangt der mitunter gar nicht so jugendliche Kunde heute mehr Leistung und Komfort als ehedem. So kam mit der GT 200 die "stärkste, schnellste und modernste Vespa", die Piaggio seit 1946 gebaut hat, wie es aus dem Wespennest in Italien heißt, die erste mit einem wassergekühlten Vierventil-Viertakt-Motor. Der leistet bei einem Hubraum von 198 Kubikzentimeter 14,7 kW (20 PS) bei 8500/min und wartet mit einem höchsten Drehmoment von 17,5 Nm bei 6500/min auf. Unser Exemplar kam mit rund 4 Liter Super auf 100 Kilometer aus. Größere Räder (12 statt 10 Zoll) sowie Scheibenbremsen vorn und hinten (jeweils 220 Millimeter) sind ebenfalls neu. Damit bewegt sich das Gefährt flott, kursstabil und sicher über Land. Die Höchstgeschwindigkeit wird mit 115 km/h angegeben, diese Marke erreichte die Tachonadel aber nur mit Mühe. Gegen die wirklich großen Roller aus dem Klub der Maxis macht das Insekt in dieser Hinsicht keinen Stich. Mit einem Leergewicht von nur 146 Kilo und dem Wendekreis eines Schülerzirkels ist es vielmehr der Brummer der Wahl für den Stadtverkehr. Dort zeigt er ein Zweikampfverhalten wie Totti mit tadellos sitzendem Haarband.

          Ärgerlicherweise faßt das Staufach unter der Sitzbank noch nicht einmal einen normalen Jethelm, weshalb man entweder den Kopfschutz immer mit sich herumtragen oder beim Bestellen in der Zubehörliste das Topcase ankreuzen muß. Während einer Fahrt im Kühlen reift der Wunsch nach einem weiteren Extra: einer Windschutzscheibe. Eine Wegfahrsperre gehört erfreulicherweise zur 3979 Euro kostenden Standardversion, eine Regenabdeckung für den Sitz ebenso. Das Cockpit ohne Tageskilometerzähler ist recht sparsam ausgestattet, aber blau beleuchtet wie eine fröhliche Eisdiele. Der tiefe, bequeme Durchstieg, das breite Trittbrett mit Gummileisten, die aufrechte Sitzposition schaffen original Vespa-Gefühl. Die Klapprasten mit dem aufwendigen Mechanismus passen für Audreys Füße, doch sie sind so ungünstig plaziert, daß die Schuhspitzen der Sozia dem Fahrer an der Ampel in die Wade drücken und Kinder sich vergeblich nach ihnen strecken. Nachts blendet der Scheinwerfer mit seinem oberen Rand den Fahrer leicht. Dafür sieht der Roller insgesamt blendend aus, und wenn man ihn mühelos auf seinem Haupt- oder Seitenständer abgestellt hat, kann man ihm über die große Lampe streicheln wie einem Freund, um den einen viele beneiden.

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