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Rinspeed iChange : Auf der Suche nach der Macht der neuen Ideen

  • -Aktualisiert am

Der Rinspeed iChange bietet Raum für den Fahrer und bis zu zwei Personen Bild: Rinspeed

Der Zeit voraus fährt Rinspeed seit Jahren mit seinen Konzeptautos. Aber noch nie war Frank M. Rinderknecht näher am Geist der Zeit. Der iChange wird mit Batterien und E-Motor betrieben und von einem Apple iPhone gesteuert.

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          Der Genfer Autosalon ist für Frank M. Rinderknecht mehr als eine jährlich wiederkehrende Autoausstellung: Sein automobiles Conceptunternehmen Rinspeed nutzt die wichtigste Bühne der Autowirtschaft in jedem Frühling seit etlichen Jahren für spektakuläre Auftritte. 2009 gibt der „iChange“ in den Ausstellungshallen am Genfer See (der Salon läuft vom 5. bis zum 15. März) sein Debüt: ein flaches Gefährt mit bis zu drei Sitzen, das es in sich hat. Seinen technischen Reiz holt es aus variabler Karosserie, Leichtbau, Elektroantrieb und hervorragender Windschnittigkeit.

          Rinderknecht hat bei seinem Heimspiel jeweils versucht, Prototypen oder Varianten, bei allem Spektakel, das sie ausgelöst hatten, im Zentrum des Zeitgeistes anzusiedeln. Allen gemeinsam ist die Unzufriedenheit ihres Schöpfers (der sein Geld mit Prototypen und Kleinserien sowie Veredelungen verdient) mit den konventionellen Konzepten, mit der Beschränkung der Alltagsautos auf ihre jeweils definierten Möglichkeiten. Deshalb stellte Rinderknecht zum Beispiel in der Vergangenheit den „eXasis“ auf die Räder: Das Fahrzeug mit der Gestalt eines Einbaums vom Amazonas und durchsichtiger Karosserie über einer Rohrstruktur bot ohne Dach höchstmögliche Offenheit und die direkte Verbindung zum Vergnügen des Fahrens. Oder Rinderknecht realisierte den Splash, die moderne Version eines Autos für Straße und Wasser, das sich bei höherem Gleittempo auf finnenähnlichen Tragflächen aus dem Wasser erhob.

          „Der iChange ist Symbol für den fundamentalen Umbruch“

          Mit seinem jüngsten Coup sprengt Rinderknecht abermals die Kategorien und denkt dabei an jene Veränderungen, die womöglich von den gegenwärtigen Wirtschaftsverwerfungen ausgehen könnten: „Der iChange ist Symbol für den fundamentalen Umbruch, in dem sich die Autoindustrie weltweit befindet.“ Die Industrie stehe vor „großen Veränderungen in Sachen Mobilität, denen wir mit neuen Ideen Rechnung tragen müssen“.

          Fahren unterm Himmel: Der iChange hebt zum Einsteigen sein Dach, das eine Kuppel ist,...
          Fahren unterm Himmel: Der iChange hebt zum Einsteigen sein Dach, das eine Kuppel ist,... : Bild: Rinspeed

          Diese neuen Ideen sind im iChange unter einer nach vorn öffnenden Kuppel verborgen. Quasi in der Grundposition ist das vierrädrige Fahrzeug ein Einsitzer. Nur der Fahrer nimmt vorn am Volant und vor einem bogenförmig verlaufenden Instrumententräger Platz, dessen zentrale Einheit ein Apple iPhone ist. Damit werden die wichtigsten Fahrzeugfunktionen über jene hinaus, die dem Piloten obliegen, gesteuert. Für den Antrieb sorgt ein Elektromotor, der eine Leistung von 150 kW (204 PS) aufbietet. Damit kommt der iChange nach Rinspeed-Angaben aus dem Stand in etwa vier Sekunden auf 100 km/h und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von rund 220 km/h. Rinspeed bezeichnet den iChange als „emissionsfrei“ und setzt dabei als Energiespeicher auf Lithium-Ionen-Akkus, die in zwei unterschiedlichen Ausführungen parat sind. Ein Batteriepaket ist für die Kurz-, das andere für die Langstrecke zuständig. Das Getriebe mit sechs Stufen entnimmt Rinspeed dem im Rallyesport erfolgreichen Subaru WRX.

          Ein- und Aussteigen muss ohne Türen ablaufen

          Überhaupt hat die Rinspeed-Konzeptmannschaft etliche Spezialisten für den Aufbau des iChange versammelt: Siemens ist mit seiner Forschungsabteilung für die Welt des elektrischen Antriebs zuständig, die leichten Schmiederäder kommen vom Spezialisten AEZ, und die Reifen liefert Pirelli. Im Innenraum dominiert Hightech-Wolle von Schoeller und das Infotainment-System führte Harman Kardon heran, das Navigationssystem schlägt als Routenführung die energiefreundlichste Strecke vor. Damit man im iChange bei winterlichen Temperaturen nicht ins Frösteln gerät, hat Eberspächer eine elektrische und eine mit Brennstoff betriebene Heizung beigesteuert. Für die Energie zur Belüftung im Sommer treten am Dach montierte Solarzellen an, die einen Ventilator mit Strom versorgen.

          Verwirklicht wurde der iChange schließlich mit dem schweizerischen Engineering-Unternehmen Esoro, das bereits die früheren Rinspeed-Projekte umsetzte. Von der Konzeption bis zum Prototyp wurden sechs Monate benötigt. Herausgekommen ist dabei ein futuristisch wirkender Sportwagen, der bei Bedarf Platz für drei Insassen bietet. Ein- und Aussteigen muss ohne Türen ablaufen, dafür klappt man mit elektrischer Unterstützung die Dachkuppel nach vorn und betritt über die in Richtung Vorderachse abfallende Bordwand den Innenraum. Der Einzelsitz für den Fahrer ist mittig angeordnet. Seitlich hinter ihm können die beiden Passagiere untergebracht werden, die am Fahrer nach vorn vorbeiblicken und ihre unteren Extremitäten seitlich vom Sitz des Piloten verstauen.

          Der gesamte Karosseriekörper vermeidet unnötig hemmenden Windkontakt

          Das komplette Gefährt mit Batterien und E-Motor kommt auf ein Gewicht von 1050 Kilogramm. Dafür sorgen neuartige Kunststoffe und die von Esoro ausgetüftelte Verarbeitung der gewichtsparenden Materialien. Der iChange wirkt in der direkten Aufsicht von vorn wie ein potenter, konventioneller Sportwagen: der Prototyp misst in der Höhe nur 1,03 Meter, und der gesamte Karosseriekörper vermeidet unnötig hemmenden Windkontakt: „Wenn wir auch in Zukunft unsere individuelle Mobilität erhalten wollen, müssen wir das Auto ohne Rücksicht auf Tabus neu denken“, sagt Rinderknecht und meint, dass jeder Autokäufer sich der Frage stellen müsse, ob er denn bereit sei für jenen Wechsel, den der iChange auf die Räder stellt.

          Davor allerdings muss die einschlägige Industrie bereit sein, den Ideen des Frank M. Rinderknecht mehr zu schenken als eine amüsierte Aufmerksamkeit. Immerhin liefert der umtriebige Schweizer auch 2009 für den Genfer Autosalon jenen Gesprächsstoff, aus dem die Ideen kommen könnten.

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