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Rettungskarte : Schnitt-Muster für die Feuerwehr

  • -Aktualisiert am

Schwerer Eingriff: Rettungskräfte öffnen einen Unfallwagen Bild: Thomas

Um Feuerwehren und Rettungsdiensten solche Unfalleinsätze mit Fahrzeugen verschiedener Fabrikate zu erleichtern, forciert der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) die Einführung sogenannter Rettungskarten.

          Der Opel ist zäh: Nur langsam gibt die Fahrertür des weißen Insignia dem gewaltigen Druck des hydraulischen Spreizers nach, widerwillig wölbt sich das Blech, schließlich reißt die Scharniermechanik doch wie gewünscht ab. Zufrieden schauen sich die Einsatzkräfte der Feuerwehr Heppenheim das Werk der Zerstörung an, bevor sie mit der Rettungsschere auch noch die B-Säule kappen. Hans-Dieter Zentgraf, ehrenamtlicher Seminarleiter für die Unfallrettung aus Fahrzeugen, hat vorher mit schwarzem Filzstift die Punkte markiert, an denen die Brandschützer das Dach mit schrägen Schnitten trennen sollen. Dann knirscht und knackt es wieder, bis sich die stählernen Schneiden mit der Kraft des Öldrucks durch das Blech gebissen haben. Bei einem echten Unfall könnten nun die verletzten Passagiere schonend geborgen werden.

          Um Feuerwehren und Rettungsdiensten solche Unfalleinsätze mit Fahrzeugen verschiedener Fabrikate zu erleichtern, forciert der Allgemeine Deutsche Automobilclub (ADAC) die Einführung sogenannter Rettungskarten. Dieses einheitliche Dokument im Format A4 hat die ADAC-Unfallforschung in Landsberg entwickelt. Es steckt in der Sonnenblende des Fahrers und zeigt eine Skizze des Fahrzeugs, auf der ideale Ansatzstellen für Spreizer und Rettungsschere ebenso eingezeichnet sind wie Karosserieverstärkungen und Airbags, Gasgeneratoren und Gasdruckdämpfer, Batterien und Steuergeräte, Gurtstraffer und Kraftstofftank. Ähnliche Informationen gibt es zwar schon länger von verschiedenen Herstellern; Mercedes-Benz beispielsweise stellt seinen „Sicherheitsleitfaden“ für die Feuerwehr seit dem Jahr 1994 zur Verfügung. Eine markenübergreifend einheitliche und direkt im Unfallfahrzeug verfügbare Version der Rettungskarte fehlte aber bisher.

          Schnelle und eindeutige Orientierung auch unter schwierigen Einsatzbedingungen

          Die Karte ist eindeutig aufgebaut: Eine klare Markierung durch Farben und Symbole auf einer Prinzipskizze der Karosserie erlaubt die schnelle und eindeutige Orientierung auch unter schwierigen Einsatzbedingungen. Die ADAC-Unfallforschung hat schon länger an dem Projekt der Rettungskarten gearbeitet, im Frühsommer 2009 ist der Club damit an die Öffentlichkeit gegangen. Die Reaktion der Hersteller sei bisher sehr positiv ausgefallen, sagt Thomas Unger, der beim ADAC für die Rettungskarte verantwortlich ist. Mittlerweile gibt es die Karten schon für Audi, BMW, Isuzu, Kia, Mini, Opel, Porsche, Saab, Seat, Subaru, Suzuki, Toyota und VW. In den kommenden Wochen werden Alfa, Daihatsu, Fiat, Ford, Honda, Hyundai, Jaguar, Lancia, Land Rover, Mercedes-Benz, Mitsubishi, Skoda und Volvo nachziehen, resümierte der Automobilclub kürzlich zufrieden.

          Brachiale Übung an Neuwagen machen den Hintergrund der ADAC-Forderung deutlich: Autos waren zwar noch nie so sicher wie heute. Aber bei der Bergung der Unfallopfer nach einer schweren Kollision stellen ausgerechnet jene Karosserien die Feuerwehr vor Probleme, in denen Versteifungen aus hochfesten Stählen und anderen innovativen Materialien verbaut wurden. Solche Verstärkungen erschweren zum Beispiel an der B-Säule das Öffnen des Unfallwagens mit hydraulischem Rettungswerkzeug. Außerdem müssen Batterien und die heute zahlreichen Airbags zum Schutz von Unfallopfern und Helfern vor der Bergung deaktiviert werden.

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