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Renault Espace : Raum und Fahrt auf französische Art

Bild: F.A.Z., Hersteller

Minivans werden von Geländewagen verdrängt. Renault aber will das Segment nicht verlassen und versucht sich mit dem Espace an einer Mischung. Eine erste Probefahrt.

          Was hat Renault in der jüngeren Vergangenheit nicht alles versucht: Der französische Créateur d’Automobiles wurde umkreiert zum internationalen „Drive the Change“, was das Marketing wiederum wörtlich nahm und nun „Passion for Life“ ausruft. Mal stand Renault auf den Autos drauf, mal nur der Rhombus, dann beides gemeinsam, und nun gibt es ein Raumschiff aus „Zurück in die Zukunft“, auf dem der Rhombus neben dem Schriftzug „Initiale“ prangt. Bei so viel klarer Unklarheit ist es recht wohltuend zu wissen, dass es ein Raum-Zeit-Kontinuum gibt: Renault bringt wieder einen Espace.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Dessen Neuauflage erfordert im SUV-Jahrzehnt gewissen Mut, doch eine seit 1984 erfolgreiche Historie wirft niemand leichtfertig über Bord. Generation 5 der Großraumlimousine kleidet sich freilich mit der Mode, steht flach (1,67 Meter) und kräftig (1,89 Meter breit) da und lässt im Segment der VW Sharan oder Ford S-Max (demnächst ebenfalls frisch) aufhorchen.

          Der neue Espace ist nun so lang wie der alte mit dem Zusatz Grand, es gibt mithin nur noch eine Länge. Auf 4,86 Meter lassen sich bis zu sieben Sitze unterbringen, und in der zweiten Reihe sind drei echte und einzeln verschiebbare Plätze montiert. Auf denen hat man noch nie vollkommen entspannt gesessen, weil der Boden die Beine zu hoch hält. Das ist auch im neuen Espace so, aber schon bequemer als bisher.

          Am Gefühl an Schulter und Kopf gibt es nichts zu mäkeln. Fahrer und Beifahrer mögen von früheren Tagen unendlicher Freiheit träumen oder auch nicht, je nach Blickwinkel. Jetzt sind die beiden vordersten Plätze von einer mächtigen Mittelkonsole flankiert. Das nimmt das Raumgefühl, schafft aber einen Eindruck von Solidität, den Renault bislang nicht geboten hat. Auch die Materialauswahl ist ein Schritt nach vorn, die Hingabe zu Hartplastik findet endlich ihr Ende. Lichtleiter, neue Lenkstockhebel und edlere Drehsteller beweisen neue Aufmerksamkeit für Details. Warum aber keiner der drei Drehregler die Lautstärke des Radios regelt, weiß der Himmel über dem imposanten Glasschiebedach.

          Gegen Aufpreis massieren die Sitze, eine aus dem Armaturenträger ausklappende Plastikscheibe versucht sich als Head-up-Display, der Touchscreen ist groß. Wie im kleineren Modell Captur ist das Handschuhfach eine Schublade. Und, o Wunder, Renault ist ein Licht aufgegangen: Die Halogen-Kerzen erlöschen im Archiv, jetzt leuchten Voll-LED-Scheinwerfer serienmäßig.

          Das Fahren ist weit weg vom Busbetrieb früherer Tage, der neue Espace gehorcht zackig auf Lenkbefehle und lädt mit seiner kommoden Auslegung dennoch auf die Reise ein. 247 (Siebensitzer), 680 (Fünfsitzer) oder 2101 Liter Gepäck dürfen mit, das sollte genügen. Wem die Ausmaße unheimlich werden, der kann erstmals eine Allradlenkung bestellen. Die führt zu schwungvollerem Elan und dort, wo es eng wird, zu Kleinlichkeit: Der Wendekreis sinkt von 11,9 auf 11,1 Meter, das ist in der Praxis der gemeinen Parklücke mehr wert, als es klingt.

          202 km/h in der Spitze

          Bliebe noch das Kapitel Motoren, mit dem sich die Franzosen angesichts ihrer CO2-Ausrichtung etwas schwertun. Downsizing führt zu generellen 1,6 Liter Hubraum, die im Benziner 200 PS und in den beiden Dieseln 130 oder 160 PS hervorbringen. Nach einer ersten Ausfahrt empfehlen wir: Weniger als der 160er mit dem sanft schaltenden Doppelkupplungsgetriebe sollte es nicht sein. Damit kommt der rund 1700 Kilogramm schwere Raumtransporter geschmeidig, aber nun auch nicht überbordend flink voran. Der Euro-6-Diesel beschleunigt nach Papierform in 9,9 Sekunden auf 100 km/h und erreicht 202 km/h in der Spitze. Der Verbrauch ist auf 4,7 Liter normiert.

          Zu haben ist der neue Espace von Mai an. Das Basismodell kostet 33.550 Euro, für die attraktive mittlere Ausstattungsvariante Intens mit 160-PS-Diesel werden 40 150 Euro aufgerufen.

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