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Renault-Design : Genießen statt im Muskelshirt schwitzen

  • -Aktualisiert am

Studie Trezor von Renault Bild: Renault

Renault war noch nie dynamischer. Mit Chefdesigner Laurens van den Acker bringt der Konzern Optik auf Platz eins der Kaufentscheidung. Ein etwas aus der straffen Form gelaufenes Showcar gibt erste Hinweise auf die künftige Entwicklung.

          Der Rhombus ist größer denn je und prägt das Gesicht der französischen Marke: Renault hat seine Modellmannschaft im Expresstempo erneuert, das Design ausgelüftet und gleichzeitig an die Kandare genommen und das gesamte Vehikel-Portfolio um neue Trendsetter erweitert. Klare Botschaft zum Jahresende 2016: Die französische Kernmarke des Renault-Dacia-Konzerns setzt künftig noch stärker auf formale Qualitäten und wird dabei nicht nur im Hauptstrom der Nachfrage, sondern in den lukrativen Nischen des Marktes die Konkurrenten attackieren.

          Seit 2009/2010 schneidert der Niederländer Laurens van den Acker an den Rhombus-Kleidern. Der Turnschuhträger (häufig in Gelb mit schwarzen Streifen) hat als Chefdesigner von Renault der Marke eine Stilstrategie des Aufstiegs im Team verordnet. Etwa zwölf Modelle liegen mit einem ähnlichen, aber auf Charakter und Typ abgestimmten Frontgesicht im Fahrtwind. Ein Renault gibt sich deutlicher als früher zu erkennen und verschwimmt dennoch nicht in einem formalen Einheitsbrei der Marke. Van den Acker verordnete einen Auftritt der Zusammengehörigkeit und stärkte damit Renault als Marke, festigte gleichzeitig aber auch den Charakter der einzelnen Modelle. Clio und Captur, sagt van den Acker, seien die tragenden Säulen des Verkaufserfolgs.

          Und nicht ohne Stolz verweist er auf Umfrageergebnisse zur Bedeutung seiner Arbeit und seines Teams der Designer. Schon 2013 hatte sich laut einschlägiger Studien der „Kaufgrund Design“ auf Rang zwei geschoben, seit 2014/2015 ist der formale Auftritt der Renault-Typen auf Platz eins bei den Kaufentscheidungen. Dabei hat Renault keine neuen Stilrichtungen erfunden. Denn einer der Kernsätze des Chefdesigners erinnert an die früheren Stärken: „Wir müssen das umsetzen, was wir können.“

          Eine schier endlos ausufernde Studie eines Oberklasse-Sportwagens Bilderstrecke

          Zum Ende 2016 fahren die Renault-Modelle kompletter und vielfältiger als je zuvor, nicht im Einheitsdress, aber doch wie aus einem Guss in den verschiedenen Marktsegmenten auf. Den mitunter schwer verständlichen Habitus der futuristischen Kreationen seines Vorgängers Patrick le Quément haben die neuen Modelle abgelegt. Jetzt eint sie das profiliertere Kühlergesicht mit dem Markenrhombus, die starke Betonung der hinteren Radhäuser und die fließenden Linien aus der Kühlerhaube in den gesamten Autokörper sowie die formal definierte Bereitschaft zur dynamischen Vorwärtsbewegung. Das trifft sowohl auf die SUV Captur und Kadjar, als auch auf den aktuellen Top-Renault Espace zu. Renault war noch nie dynamischer.

          Doch jüngst in Paris präsentiert, gibt ein etwas aus der straffen Form gelaufenes Showcar erste Hinweise auf die künftige Entwicklung. Trezor heißt die schier endlos ausufernde Studie eines Oberklasse-Sportwagens, der eher einer genießerischen Lebensart als einer sportiven Fortbewegung mit durchgeschwitztem Muskelshirt verpflichtet scheint. Während die Außenhaut des Trezor die bekannten Wesenszüge futuristischer Sportwagen zeigt, offenbart erst sein Innenraum die Designziele von morgen oder übermorgen. Denn van den Acker formuliert die Devise, „revolutionär für innen und für außen evolutionär“ vorzugehen. Deshalb setzt die Trezor-Studie auch auf eine neue Sinnlichkeit des Fahrens in künftigen Renault-Modellen, deren Materialien sowohl in der Qualität als auch in ihren Botschaften beim Betrachten und Befühlen neue Erlebnisse bereithalten sollen. Noch ist nicht entschieden, in welchem neuen Modell die neue Sinnlichkeit ihre Premiere feiern darf und soll.

          Aber van den Acker hat sich schon häufiger als hartnäckig erwiesen und war erfolgreich damit. Ein Gegengewicht zu der Trezor-Sinnlichkeit hält der Designer mit einer noch weiter entfernteren Studie bereit. Diese ist auf straffe Sportlichkeit gepolt, und sie rückt als zentrales Thema den noch immer entscheidenden Faktor im Auto in den Vordergrund: „Der Fahrer muss der Held sein“, sagt van den Acker. Damit entsteht ein gewisser Gegensatz zu den auch bei Renault keineswegs unbeachteten Möglichkeiten des autonomen Fahrens. Aber nicht jeder Renault muss wohl alles können.

          Auch eine Sprintzeit gibt es schon

          Deshalb hat der Renault-Nissan-Konzern mit großem Erfolg die rumänische Marke Dacia als Preisalternative aufgebaut. Und zur Betonung der Mehrmarkenstrategie prescht wieder ein passender Sportwagen heran. 1978 hatte Renault die 1955 gegründete Marke Alpine komplett übernommen und 1995 die Produktion eingestellt. Erfolgreich nach dem David-Prinzip war vor allem die legendäre und leichtgewichtige Alpine A110 (Leergewicht unter 800 Kilo) in den 60er und 70er Jahren. Aus dieser Vergangenheit kehrt ein historisch-modern gezeichneter, straffer, kompromisslos konzipierter Mittel-Heckantrieb-Zweisitzer zurück, der von Ende 2017 an ausgeliefert wird. Zurzeit läuft eine Reservierungsaktion für eine auf 1955 Exemplare limitierte Version „Première Edition“. Dafür lässt sich mit der App unter www.alpinecars.com die Bestellung herunterladen.

          Der Preis, verspricht Renault, wird zwischen 55.000 und 60.000 Euro liegen, auch eine Sprintzeit gibt es schon: Aus dem Stand soll der kleine Sportwagen in weniger als 4,5 Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Dafür könnten schon die 200 PS sorgen, die der 1,6-Liter-Vierzylinder im Renault Clio R.S. liefert. Gebaut wird die Alpine an ihrer ursprünglichen Geburtsstätte. In Dieppe hatte Alpine-Vater Jean Rédélé schon vor sechzig Jahren seinen Sportwagen die noch immer gültige Devise mitgegeben: Es ging ihm einfach um Fahrvergnügen auf Bergstraßen für Menschen, die es lieben, Auto zu fahren.

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