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Renault Clio : Kleiner Nachbar, leicht verändert

  • -Aktualisiert am

In der Vier-Meter-Klasse gehört der Clio zu den geräumigsten Autos Bild: Hersteller

Der Clio ist Renaults Polo. Aber gegen den total renovierten VW hat der Franzose hierzulande trotz eines unlängst vollzogenen Facelifts keinen leichten Stand. Die jüngste Kosmetik hat den Clio nicht tiefgreifend verwandelt.

          Weder die Abwrackprämie noch der Modellwechsel beim Polo haben etwas daran ändern können, dass immer noch drei der Wolfsburger auf je einen hier verkauften Clio kommen. In Frankreich ist das natürlich anders, dort ist der kompakte Renault eine feste Größe und verkörpert ungeachtet seiner bescheidenen Abmessungen beste Alltagstauglichkeit, ja sogar Familienfreundlichkeit. In der Vier-Meter-Klasse gehört er zu den geräumigsten Autos, und wer mit dem Nutzraum des Schrägheckmodells - wie bisher mit zwei und mit vier Türen lieferbar - nicht zufrieden ist, kann den gut 20 Zentimeter längeren Kombi Grandtour wählen.

          Die jüngste Kosmetik hat den Clio nicht tiefgreifend verwandelt: ein bisschen geänderte Heckleuchten, größere Scheinwerfer vorn, modifizierte Kühllufteinlässe. Die Gestalt der Karosserie ist nach wie vor recht vernünftig, die extreme Keilform vieler Konkurrenten mit immer kleineren hinteren Seitenfenstern findet man hier nicht, und auch die vorderen Dachsäulen stehen nicht so störend schräg im Weg wie anderswo. 800 Euro Aufpreis kosten die zwei zusätzlichen Türen, und die sollte man sich unbedingt gönnen. ESP ist kein Thema mehr: Alle Clio haben den Schleuderschutz jetzt serienmäßig. Und ein Partikelfilter ab Werk fehlt nur noch beim kleinsten Dieselmotor.

          Wir haben den Schrägheck-Viertürer in der Version TCe 100 gefahren: Das Kürzel bezeichnet den Motor, der dem modernen Zug zum „Downsizing“ folgt, also dem Rezept, den Hubraum zu verringern, aber zugleich mit Turboaufladung auf viel Leistung und wenig Verbrauch zu kommen. Volkswagen zum Beispiel hat von dieser Möglichkeit schon in großem Stil Gebrauch gemacht. Der Motor im Clio zaubert aus 1,2 Liter (oder eher 1,1 Liter, nämlich 1149 Kubikzentimeter) stolze 74 kW (100 PS) und 145 Newtonmeter Drehmoment, und das sorgt für erfreulich flinkes Vorankommen: Nur knapp elf Sekunden vergehen von 0 auf 100 km/h, und in rund 13 Sekunden kann der Renault im 4. Gang von 50 auf 100 km/h spurten; selbst im 5. Gang gelingt das noch in weniger als 18 Sekunden.

          Die Gestalt der Karosserie ist nach wie vor recht vernünftig, die extreme Keilform vieler Konkurrenten mit immer kleineren hinteren Seitenfenstern findet man hier nicht

          Das Fünfganggetriebe lässt sich optimal schalten

          Dabei helfen die kurz übersetzten Getriebegänge, die gut zu dem munteren, erst bei 6300 Umdrehungen je Minute vom Begrenzer eingebremsten Motörchen passen; das Fünfganggetriebe lässt sich optimal schalten. Die Höchstgeschwindigkeit von 179 km/h könnte ein wenig enttäuschen, doch im typischen Clio-Einsatzprofil dürfte sie keine große Rolle spielen. Eher schon der Verbrauch, und da erfüllt die TCe-Version die Erwartungen nicht, die sich an das hausinterne Gütesiegel eco2 und den Normwert von 5,8 Liter Super je 100 Kilometer knüpfen. Wir kamen auf einen Durchschnitt von 7,4 Liter, und das ist bei aller Würdigung des fröhlichen Temperaments eindeutig zu viel. Immerhin bleibt der Motor auch bei hohen Drehzahlen recht leise. Er erfüllt aber, wie derzeit alle im Clio angebotenen Triebwerke, nur die Abgasnorm Euro 4.

          Zu den klassischen Tugenden französischer Autos gehörte einst der Federungskomfort, und ihm fühlt sich der Clio immer noch erfreulich verpflichtet. Selbst mit groben Unebenheiten wird er ohne große Belästigung der Insassen fertig, leichte Aufbaubewegungen beim Anfedern müssen sie allerdings ertragen können. Keine Mühe hat der Fahrer in Kurven, der kleine Renault folgt brav dem Lenkeinschlag und reagiert kaum merklich auf Lastwechsel. Das ESP - nur bis 50 km/h abschaltbar - mischt sich erst spät, aber dann harsch ein. Die Bremsen agieren mit viel Biss und sind standfest auch bei hoher Beanspruchung.

          Vorn sitzt man bequem

          Im Inneren ist der Clio konservativ geblieben, die Instrumente sind - nicht wie bei manchen anderen Renault-Modellen - am gewohnten Platz, gut ablesbar und angenehm beleuchtet. Mit den zahlreichen Hebeln und Schaltern an der Lenksäule zielsicher zurechtzukommen, erfordert einige Übung, und das mit 490 Euro preisgünstige Navigationsgerät von TomTom mit beachtlich großem Farbdisplay ist nur über eine eigene Fernbedienung zugänglich - wohl dem, der einen Beifahrer hat. Vorn sitzt man bequem, die Sessel haben sogar, ungewöhnlich für Renault, ausreichende Tiefe. Hinten muss man beim Beinraum schon eher Kompromisse eingehen, Kopfhöhe ist aber genug vorhanden. Eine dritte Person hat hier nicht wirklich Platz. Das Einsteigen gelingt hinten, des optimalen Türausschnitts wegen, fast besser als vorn. Klassenübliche 288 Liter Inhalt bietet der Kofferraum (der neue Polo bringt es auf 280), mit Umlegen der geteilten Rückbank wächst er auf bis zu 1038 Liter, allerdings mit einer hohen Stufe im Boden.

          Den TCe-Motor kann man mit den Ausstattungen Dynamique und Luxe kombinieren. In puncto Sicherheit sind beide Ausführungen auf dem gleichen Stand, etwa mit sechs Airbags und mit zwei Isofix-Kindersitzhaltern im Fond. Die 1700 Euro, die der Luxe mit 17 100 Euro mehr kostet, lohnen sich, gemessen am Preis jener Dinge, die dort serienmäßig und im Dynamique als Einzelextras zukaufbar sind. Im Luxe wiederum sind fast alle Wünsche erfüllt, so dass unser Exemplar auch nicht mehr als 18 100 Euro gekostet hätte. Einzig die Parkhilfe hinten (350 Euro) und die Heizung für die Vordersitze (200 Euro) hätten wir uns darüber hinaus noch spendiert und dann an Ausstattung nichts gegenüber vielen größeren und teureren Autos zu vermissen gehabt.

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