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Reisemobile : Wenn zwei das gleiche tun, ist es nicht dasselbe

  • -Aktualisiert am

Adria 3 Way Space Bild:

Der Adria 3Way Space und Weinsberg X-Cursion sind zwei Freizeitmobile auf Basis des Renault Trafic. Auf den ersten Blick fast gleich, unterscheiden sie sich doch im Detail.

          4 Min.

          Bei den Transportern, die sich für die Freizeit ausbauen lassen, macht sich derzeit der Renault Trafic mächtig breit. Der ungewöhnlich gestylte Kasten, der mit günstigem Basispreis winkt, hat bereits eine ganze Reihe von Ausbauern animiert, und die rangieren ein gutes Stück unterhalb der Preissphären, in die ein VW California oder ein Mercedes-Benz Marco Polo mittlerweile entschwebt ist.

          Als Beispiele für ausgebaute Trafics haben wir uns den Adria 3Way Space und den Weinsberg X-Cursion genauer angesehen: praktische, tiefgaragentaugliche Alltagsgefährten mit Kurzurlaubsqualitäten. Ihre Preise sind fast identisch: 34290 (Adria) und 34390 Euro (Weinsberg), berechnet mit 2,5-Liter-Turbodiesel und Klappdach. Im Endpreis wurde der Unterschied deutlicher. Unser 3Way wurde zum Beispiel vom 1,9-Liter-TD angetrieben, was zu einer Ersparnis von 1300 Euro führt, und er bringt als Space das Dachbett serienmäßig mit, das im Weinsberg 690 Euro zusätzlich kostet. Für diesen werden auch verschiedene Zusatzpakete zu besonders günstigen Preisen geschnürt. Da hilft nur sorgfältiges Vergleichen.

          Küche, Bank und Schlafgelegenheit

          Beide Probanden haben auf der linken Seite eine schmale Küchenzeile, im Anschluß daran Schrankraum sowie eine verschiebbare Bank, aus der ein Bett werden kann. Sie nutzen das renaulteigene Patent, daß beim Umbau die Rückseiten von Sitz und Lehne mit einer weichen Auflage nach oben kommen, so daß man nicht auf den konturierten, harten Sitzpolstern schläft. An der Bank kann bereits die Vorentscheidung fallen: Der Adria bietet dort nämlich als einziger Anbieter weit und breit drei Plätze, komplett mit Dreipunktgurt und Kopfstütze, der Weinsberg zwei.

          Weinsberg X-Cursion

          Die 1,15 Meter breite Pantry im Adria hat wie die Schränke eine matthellblaue Oberfläche. Zwischen Zweiflammenherd rechts und Spüle (beides aus Edelstahl) ist noch ein Fach zum Hochklappen, in das ein flaches Körbchen paßt. Darunter steckt unter einer Abdeckung eine 5-Kilo-Gasflasche, um die herum man Sachen verstauen kann, die man nicht allzu häufig braucht. Rechts sitzt unter einer Schublade ein Kompressorkühlschrank (40 Liter), an den man nicht mehr herankommt, wenn das Bett gebaut ist. Da unter der Spüle der Frischwassertank seinen Platz hat und die Küche zugunsten der Bank an Tiefe einbüßte, ist ihr Stauvolumen knapp. Im Heck nehmen zwei Rollschränke Kleidung oder Vorräte auf. Der dritte Platz kostet außerdem die sonst übliche Schublade unter der Bank, weil für die Gurtbefestigung allerlei zusätzliches Stahlgerüst dort installiert werden mußte. Dazwischen kann man freilich loses Zeug verstauen. Etwas unpraktisch ist, daß der Tisch unterwegs in der Bettauflage im Heck seinen Platz hat, von wo man ihn mühsam nach vorn schaffen muß.

          Dieses Problem ist im Weinsberg sehr originell und elegant gelöst: Die Tür des Unterschranks wird zum Tisch, indem man sie hochschwenkt und mit drei Handgriffen zum Herausklappen des Fußes auf dem Boden abstützt. Auf diese Idee ist bisher noch keiner gekommen. In seiner Schiene oben am Küchenblock läßt sich der Tisch leicht verschieben, zu leicht, es fehlt eine Arretierung, weil er sich schon auf kleinsten Druck bewegt. In der 1,42 Meter breiten Küche (Zweiflammenkocher und Spüle) ist mehr Platz als im Adria, links wird Raum für eine (760 Euro teure) Kühlbox vorgehalten, die nach oben öffnet und immer zugänglich ist. Dafür ist der 70 Zentimeter breite "Kleiderschrank" höchstens ein Fach, er muß in seinem Untergeschoß noch den Frischwassertank aufnehmen. Aber in einem Dachfach quer im Heck sowie in der Schublade der Bank ist noch Stauraum. Die Möbel mit ihrem hellen Holz mit Alu-Applikationen wirken eleganter als im Adria, die Polster sind die gleichen.

          Wohlig warm mit der Diesel-Umluftheizung

          Die Gasversorgung (2,8-Kilo-Flasche) erfolgt von einem Staufach im Heck aus. Das reicht zum Kochen, denn geheizt wird, wenn für 1265 Euro geordert, mit einer Diesel-Umluftheizung, die im Adria (von einem anderen Anbieter) 719 Euro kostet. Beide Fahrzeuge sind reichlich mit Lampen bestückt, es fehlt aber an Ablagen für die Hinterbänkler, und ein Plätzchen für einen Mülleimer wäre seitlich rechts am Küchenblock. Nachrüsten muß Weinsberg auch noch Feststeller für die Vorhänge. Der vor der Heckscheibe macht sich in Kurven gern selbständig und verdunkelt zur Unzeit. Zur Isolierung der Frontscheibe wird ein wattierter Stoff mittels Saugknöpfen am Glas befestigt. Beim Adria stört im Fahrerhaus, daß man nach dem Gurt immer im dort plazierten Vorhang tasten muß, der Stoff selbst ist zwar dünn, aber dicht und nach außen beschichtet.

          Bett im Dachgeschoß

          Um das Dach aufzustellen, löst man im 3Way links und rechts zwei Gurte und stemmt sich ordentlich gegen den Deckel, bis die Hebehilfe greift und das Obergeschoß entfaltet. Klettert man über die Fahrerhaussitze nach oben, kann man es sich auf einem Bett von immerhin 1,36 mal 1,90 Meter auf einer sehr dünnen, aber weichen Spezialschaummatratze gemütlich machen. Für Luft und Licht ist in Form von Fenstern im Dachstoff gesorgt, teils mit, teils ohne Mückenschutz. Durch die Zwangsbelüftung zieht es ordentlich herein, man stelle sich bei kühlem Wetter also besser nicht in den Wind. Beim Schließen des Dachs muß man darauf achten, daß der Stoff vorn nicht eingequetscht wird, dann fädelt man die beiden Gurte wieder ein und zurrt sie fest, fertig.

          Die beiden seitlichen Schlösser am X-Cursion-Dach entriegelt man über einen zentralen Hebel und stemmt sich dagegen wie gehabt. Oben wartet eine dünne Matratze auf einem Lattenrost, zwei Fenster lassen Luft, eins nur Licht herein. Der Rost ist nach unten mit einer dünnen Plastikschale verkleidet, in der vorn eine Platte wie bei einem Schiebedach nach hinten geschoben wird, wenn man ins Dach klettern will. Das ist im Prinzip eine feine Idee, weil man nicht in das geraffte Stoffdach schaut. Aber diese beiden Plastikteile sind eine Quelle permanenter, katastrophaler Klapper- und Scheppergeräusche, so daß man potentiellen Kunden nur raten kann zu warten, bis Weinsberg eine bessere Lösung eingefallen ist. Uns hat es das Fahren im X-Cursion verleidet.

          Zweites Minus für das Dach: Beim Herunterziehen faltet sich der Stoff mit Hilfe eingenähter Bügel zwar ordentlich nach innen zusammen (vorn muß man ihn händisch einziehen), aber dann schnappen die Schlösser nicht ein, selbst wenn man das Ganze ein wenig herunterfallen läßt. Wie bei einer Motorhaube faßte zwar der erste "Fanghaken", aber endgültig verriegeln konnten wir das Dach nur, indem wir mit voller Kraft von außen draufgedrückt haben, bis es hörbar einrastete.

          Der Fahrkomfort im Trafic ist eher bescheiden, eben transportertypisch. Unbefriedigend ist das Lüftungsgebläse, das in der ersten Stufe fast wirkungslos und in der zweiten bereits zu laut ist. Der größere Diesel zieht ordentlich, mit dem 1.9 ist man ständig am Schalten im serienmäßigen Sechsganggetriebe, um ihn auf Drehzahl zu halten.

          Wer fünf Plätze braucht, kommt am Adria 3Way Space mit seinem guten Preis-Leistungs-Verhältnis nicht vorbei, er bietet robuste Technik, aber wenig Staufächer. Für den Weinsberg sprechen der elegantere Möbelbau und der größere Schrankraum. Aber erst dann, wenn er ein klapperfreies, einwandfrei schließendes Dach hat.

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