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Wohnmobil : Gut und günstig: Die neue Reisemobil-Marke Forster von Eura Mobil

  • -Aktualisiert am

Der neue Forster T 738 EB hat eine sparsame grüne Außengrafik, sein Name soll an einen Forschungsreisenden aus dem Rheingau erinnern. Bild: Hersteller

Die neue Reisemobil-Marke Forster von Eura Mobil ist ein Beweis dafür, dass man ein großes Fahrzeug mit ordentlicher Ausstattung für recht wenig Geld bekommen kann. Es wird zwar gespart, aber nicht an Wichtigem.

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          Ein 7,38 Meter langes Wohnmobil für vier Personen mit GFK-Außenhaut, mit 130 PS, Einzelbetten, getrennter Bad- und Duschkabine, Fahrradgarage, elektrisch betriebenem Hubbett, LED-Licht ringsum für 43 480 Euro? Und mit einer ordentlichen Zuladung bis zur 3,5-Tonnen-Grenze? Eura Mobil hat mit seiner Einsteigermarke Forster vorgemacht, wie sich ein Fahrzeug so abspecken lässt, dass man kaum etwas richtig vermisst. Denn alles wirklich Wichtige ist vorhanden und sogar etliches darüber hinaus. Das Ganze in einer so guten Verarbeitung, dass der erste Eindruck nach dem Losfahren war: Toll, hier klappert ja kaum etwas.

          Dieser Forster ist eine Steilvorlage, er wird das Programm von Eura Mobil (gehört zur Trigano-Gruppe) um das wichtige Niedrigpreissegment ergänzen. Denn der Markt spreizt sich, es werden einerseits preisgünstige und andererseits richtig teure Mobile gefordert, in der Mitte wird die Konkurrenz daher immer schärfer.

          Ausgelegt für zwei Personen

          Wir waren mit dem größten teilintegrierten Forster unterwegs, dem Typ T 738 EB. Er bietet vier Menschen ausreichend Platz, ist aber eigentlich für ein Paar ausgelegt, das gelegentlich ein drittes Bett braucht und gern ein bisschen Raum um sich herum hat. Das ist auf 7,38 Meter Länge einfach: Im Heck zwei Einzelbetten mit sehr weichen Matratzen, zwischen denen man zwei Staustufen hochsteigt. Wenn man mit einer Einlage ein Riesenbett baut, muss man die Leiter anstellen. Die Liegestatt ist umgeben von vier Dachkästen und seitlichen Ablagen mit ausreichend hohen Rüttelkanten. Unter dem rechten Bett gibt es einen nicht besonders hohen Kleiderschrank, unter dem anderen sitzt die Heizung, was wir nicht so schätzen, weil wir die lieber näher an der Sitzgruppe haben. Aber bei den fast zwei Meter Überhang hinter der Achse wäre der Wassertank im Heck statt unter der Sitzbank wohl ein Gewichtsproblem.

          Dafür bietet das Bett über der Heizung ein riesiges, schnell zugängliches flaches Staufach am Fußende, das jede Menge Kram aufnimmt. Man muss nur das untere Teilstück des Lattenrosts samt der Matratze anheben. Das geht mit einem Handgriff und schon ist aufgeräumt. An die Betten schließen sich links die Duschkabine und rechts der Toilettenraum an. Hier gibt es ein kleines Eckwaschbecken, umgeben von Spiegeln, die ständig verspritzen und in denen sich nur Zwerge sehen können. Größere kleben eine Spiegelkachel auf einen der beiden Dachkastendeckel. Mit einer halbrunden vertikalen Rolltür lässt sich das mit reichlich Stauraum bestückte Gelass schließen.

          Kleinste Schwingung spürbar

          Eine Schiebetür trennt das Heck, das eine Stufe höher liegt, vom Wohnbereich mit Halbdinette nebst gegenüberliegendem Einzelsitz und der Winkelküche. Die hat deswegen so viel Platz in ihrem Untergeschoss, weil der große 160-Liter-Kühlschrank (mit modisch verspiegelter Front) auf die gegenüberliegende Seite ausgelagert ist. Es gibt drei Kochstellen und ein sehr großes, rundes Edelstahl-Becken mit Haushaltsarmatur, mit der sich das Wasser präzise dosieren lässt. In der Ecke ist ein prima Abstellplatz für Kaffeemaschine oder ähnliches, viel Arbeitsfläche bleibt allerdings nicht. Leider fällt die Druckpumpe akustisch mit lautem Geratter auf, auch mal des Nachts.

          Über dem Kühlschrank gibt es ein geschlossenes und ein offenes Fach, in diesem steckt die Steuerung für das elektrische Hubbett über der Sitzgruppe. Zum Herunterfahren braucht man einen kurzen Steckschlüssel, den man tunlichst nicht verlieren sollte. Damit lässt man das Bett bis auf die Höhe der Bankkopfstützen herab, hinauf braucht man die Leiter, die Liegestatt ist mit 1,20 Meter Breite ein bisschen knapp für zwei. Und sie reagiert auf die kleinste Schwingung des Fahrzeugs. Wenn sich hinten jemand umdreht, wird man vorn wach. Empfindliche sollten daher fürs Stehen Heckstützen ordern, um die Hebelgesetze auszuhebeln.

          An der Sitzgruppe verhindern die senkrechten Rückenpolster bequemes Anlehnen, ein paar Kissen sollten für die abendliche Lesestunde in Griffweite sein. Unpraktisch finden wir die hellbeige bezogenen Sitze. Da kann schon der erste Urlaub deutliche Spuren hinterlassen.

          An Kleinigkeiten gespart

          Aber wo wurde denn jetzt gespart? Das merken nur Camper mit ein bisschen Erfahrung. Die Entwickler waren wirklich geschickt. Was uns von dem, was jetzt folgt, als Einziges wirklich gestört hat, sind die billigen Dachlüfter. Muss man sie schließen, wird es dunkel, es ist im Forster immer etwas duster. Die Fenster sind vorgehängt und haben billige Verdunkelungskassetten, in den Dachkästen gibt es keine Einlegeböden, in der Küche keine Auszüge an den Schränken, den Sichtschutz nach vorn übernehmen Vorhänge, die schnell auf- und zugezogen sind, das spart die Faltrollos, die oft ergiebige Klapperquellen sind. Der Schaumstoff in den Polstern ist zu weich, die Mechanik des Hubbetts ist nicht verkleidet, das Badfenster kann man nicht verdunkeln. Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten, die man nicht unbedingt vermisst.

          Aber die Liste mit der Serienausstattung ist deutlich länger als die für Sonderwünsche, was die Produktion vereinfacht. Die findet in Italien statt, was ebenfalls Auswirkung auf den Preis hat.

          Beim Fahren bleibt es vergleichsweise ruhig, ein paar klapperverdächtige Stellen sind schnell beseitigt. Die Windgeräusche halten sich in engen Grenzen, ebenso die Empfindlichkeit gegen Seitenwind. Wir haben den Forster ohne Probleme durch einen heftigen Sommersturm gesteuert, das Fahrverhalten war tadellos. Wer mit Tacho 120 über die Autobahn düst, zahlt dafür mit bis zu 12 Liter Diesel auf 100 Kilometer, bei Landstraßenbummelei genügen neun Liter.

          Die Kunden haben das günstige Angebot offenbar schnell erkannt, denn seit seiner Premiere im vergangenen Jahr sind schon 220 Forster an kostenbewusste Caravaner verkauft worden, mehr als geplant. Und für das eine oder andere Extra reicht das Budget möglicherweise doch noch.

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