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Reiseenduros im Vergleich : Abenteuerlich

  • -Aktualisiert am

Harley-Davidsons Prototyp für die kommende Pan America Bild: Hersteller

Im Reiseenduro-Markt geht es rund, die Modellvielfalt wächst weiter rasant. Selbst Harley-Davidson will jetzt dabei sein. Eines bleibt, wie es ist: Alles kreist um den Bestseller von BMW.

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          Sie wird die Sensation des Motorradjahrs 2020 werden: Die Harley-Davidson Pan America rollt zwar erst Ende des nächsten Jahres zu den Händlern der amerikanischen Traditionsmarke, aber ihre Schöpfer versprechen schon heute hoch und heilig, dass die in den Augen vieler Betrachter etwas ungeschlacht wirkende Reiseenduro „in allen relevanten Punkten absolut konkurrenzfähig und auf der Höhe des Marktführers sein wird“.

          Das sind starke Worte. In den 118 Jahren ihrer Existenz hat die Motor Company aus Milwaukee nicht eine einzige Reiseenduro konzipiert oder gar gebaut. Nun haut sie mit der Faust auf den Tisch. Motorleistung und -charakteristik, Fahrverhalten auf Asphalt, Piste und Geröll, Fahrwerkstechnik, Elektronik und Komfort – unter sämtlichen Aspekten werde die Pan America vorne dabei sein, geben sich Brad Richards, für Styling zuständiges Vorstandsmitglied, und Marketing-Manager Paul James überzeugt.

          Insbesondere der deutsche Motorradmarkt ist einer, der die Reiseenduros ins Herz geschlossen hat. Hierzulande haben es dieses Jahr neun Modelle des „On/Off-Segments“ unter die Top 50 der Zulassungsliste geschafft. Zusammen mit den „Sports-Adventure-Bikes“ – sie ähneln Reiseenduros, haben jedoch keine für gröbere Exkursionen geeignete Fahrwerke – sind es sogar 14 Modelle, die zusammen auf mehr als ein Drittel des Marktvolumens der Top 50 kommen. Hier will Harley-Davidson hin. Nicht nur in amerikanischen Garagen soll die Pan America parken. Auch die „GS-Germans“ will man packen, zumindest ein paar von ihnen.

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          Dem steht freilich die dominante GS erst einmal im Wege. 2020 wird es 40 Jahre her sein, dass die Gattung der Reiseenduros begründet wurde, und zwar von der 50 PS leistenden BMW R 80 G/S. Die Modellbezeichnung stand für „Gelände/Straße“, und die 192 Kilogramm leichte Maschine beherrschte in der Tat beides, nämlich souverän über Pisten zu fliegen und sich spielerisch über Land-, Berg- und Alpensträßchen treiben zu lassen. Das kann gleichermaßen die hochelektronisierte Nach-Nach-Nachfolgerin der G/S, die derzeitige R 1250 GS. Selbst wenn die knapp 250 Kilo wiegt, so vermag ihr Fahrer doch – Selbstvertrauen und Fahrkönnen vorausgesetzt – eine Menge mit der Reiseenduro-Königin anzustellen. Dieses Jahr steuert die BMW R 1250 GS einen neuen Jahres-Zulassungsrekord an, denn schon bis Ende Oktober haben 9100 Exemplare erstmals ein deutsches Kennzeichen erhalten. Das gab es noch nie; die höchste Zahl am Jahresende betrug 8333. Längst hat sich der Begriff „GS-Klasse“ als Bezeichnung dieser Fahrzeugkategorie durchgesetzt.

          Auch wenn diese BMW die Statistik wie auch die Straßen dominiert: Es gibt Wettbewerber. Honda gelang mit seiner CRF 1000 L Africa Twin, 2015 erschienen, eine Punktlandung. Sie fuhr auf Anhieb respektable Zahlen ein. Für 2020 wurde die Generation II mit Hubraum- und Elektronik-Plus vorgestellt. Die neue CRF 1100 L, motorisch kaum stärker, aber in vielen Details pfiffiger und gekonnter, wird trotz höherer Preise sicherlich nicht schlechter abschneiden. Bestenfalls halbstark am Markt sind die Mittelklasse-GS-Modelle 750 und 850 aus München, aber zumindest bisher immer noch erfolgreicher als die KTM 790 Adventure, die ihrerseits ihre großvolumige und mit 160 PS bärenstarke Schwester 1290 Super Adventure zahlenmäßig überholt hat.

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