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Radschnellwege : Dem Fahrrad seine Trasse

  • -Aktualisiert am

Vorfahrt für den Drahtesel: Das ist schon Wirklichkeit in Amsterdam. Bild: Franz Linder

Radschnellwege? Haben wir nicht ganz andere Probleme? Was spricht eigentlich dafür, dem Radverkehr in Städten und über Land ein noch besseres Fortkommen zu ermöglichen?

          Was ist eine Autobahn? Da stellen wir uns wie Physiklehrer Bömmel in der Feuerzangenbowle mal ganz dumm, und dann sagen wir: Eine Autobahn - egal, ob sie in einer Stadt, um sie herum, an ihr vorbei oder zwischen zwei Orten verläuft, und gleichgültig, ob sie tatsächlich rechtlich eine Bundesautobahn oder aber eine Autobahn-artig ausgebaute Bundesstraße darstellt - ist eine in beiden strikt getrennten Richtungen mehrspurige Schnellstraße. Als solche bündelt sie den Kraftfahrzeugverkehr und beschleunigt ihn, weil sie dank ihrer speziellen Zu- und Ausfahrten kreuzungsfrei bevorrechtigtes Fahren ohne Gegenverkehr erlaubt. Andere Verkehrsteilnehmer, deren Fahrzeuge bauartbedingt nicht die Mindestgeschwindigkeit erreichen, sind von der Benutzung ausgeschlossen.

          Auf Autobahnen haben Fußgänger, Rad- oder Mofafahrer nichts zu suchen. (Es wird vernachlässigt, dass dieser Idealzustand vielfach und aus vielerlei Gründen in der Realität unseres Landes - immerhin eins mit einem der dichtesten und längsten Autobahnnetze der Welt - nicht immer anzutreffen ist.) „Und wenn die Schnellstrass’ nu nur für die Fietsen is, dann is dat’n Radschnellweg“, würde Bömmel niederrheinisch sagen.

          Radschnellwege sind in Mode. Mehr als man meinen möchte, unterliegt wechselnden Vorlieben auch die Verkehrsplanung. Das hat uns zum Beispiel die vielen und nicht immer nötigen Kreisverkehre beschert. Die Moden der Verkehrsplanung werden meistens von der nicht mehr abzuweisenden Einsicht ausgelöst, dass sich etwas ändern müsse. Hinsichtlich des Radverkehrs sind es vor allem zwei Gesichtspunkte. Erstens dass es, vor allem in den Städten, aber keineswegs nur da, höchst wünschenswert wäre, wenn man den Anteil des Radverkehrs signifikant steigern würde: weniger Platzbedarf, weniger Abgase, weniger Lärm, Umwelt, Lebensqualität und Gesundheit profitieren. Entsprechende Fördermaßnahmen, wo sie denn ergriffen werden, zeitigen auch schöne Erfolge.

          Aber die erfolgreiche Förderung des Fahrradverkehrs, erst recht die einzige bislang erfolgreiche Elektromobilität, sprich die Pedelecs mit und ohne Versicherungskennzeichen, offenbart gnadenlos: Die vorhandene Infrastruktur, sprich unsere Radwege reichen nicht mehr aus. Wenn in einer von munteren Senioren bevölkerten Gesellschaft immer mehr Menschen statt mit 10 oder 12 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit mit 20 oder 23 km/h unterwegs sind, wachsen auf Verkehrsflächen, die dafür einfach nicht ausgelegt sind, die Risiken. Man muss gar nicht an Münster denken, wo sich der Anteil des Fahrradverkehrs auf 50 Prozent zubewegt. Und es geht auch nicht darum, dass die Radfahrer etwa alle rücksichtslose Rüpel wären. Die schiere Menge des unverkennbar schneller gewordenen Radverkehrs schreit nach neuen Lösungen.

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