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Radio-Navigationssystem : Geballte Technik im Radioschacht

Los geht's: Das Navigationssystem von Becker überzeugt ebenso wie die HiFi-Anlage Bild:

Radio-Navigationssysteme für den genormten DIN-Schacht im Auto sind derzeit ein Renner. 80 Prozent aller verkauften Kopiloten für die Nachrüstung gehören zu dieser Geräteklasse.

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          Radio-Navigationssysteme für den genormten DIN-Schacht im Auto sind derzeit ein Renner. 80 Prozent aller verkauften Kopiloten für die Nachrüstung gehören zu dieser Geräteklasse. Das wundert kaum: Schon für rund 1000 Euro erhält man attraktive Angebote, die zwar ohne großen Bildschirm und eine Landkartendarstellung auskommen müssen, davon abgesehen aber jede Menge Komfort bieten. Drei Produkte bilden ein attraktives Trio: der besonders günstige Travelpilot E1 von Blaupunkt, das MS 4150/4200 von VDO Dayton mit der pfiffigen Kartensoftware C-IQ und nun schließlich ein neues Nobelgerät von Becker, das Indianapolis. Wir haben es einige Wochen ausprobiert.

          Michael Spehr
          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Wer das ältere und teurere Modell Traffic Pro von Becker kennt, kommt mit dem Neuling sofort klar. Ein sehr flaches Display wird von zwei Drehstellern und sechs Tasten umrahmt, ferner gibt es unterhalb der Anzeige zehn Softkeys, die ihre Bedeutung je nach Menü ändern. Mit den Tasten über dem Display ruft man das Hauptmenü auf, anschließend kommen die Drehsteller und die Softkeys zum Einsatz. Die Bedienung ist wunderbar eingängig, wenn man von einigen Symbolen absieht, die auf den ersten Blick nicht ganz selbsterklärend sind. Das monochrome Display ist hervorragend und für den Cabrioeinsatz in heller Umgebung bestens geeignet. Daß der Kunststoff des Traffic Pro ein bißchen hochwertiger wirkt, fällt kaum auf. Das Indianapolis ist gut verarbeitet.

          Wenn es um Musik geht, spielt die Anlage ihre besondere Vielfalt aus: Der Doppeltuner sucht stets den besten Sender und führt Frequenzwechsel nahezu unhörbar aus. Er empfängt neben UKW auch Mittel-, Lang- und Kurzwelle. Wie bei Becker üblich, sieht man auf UKW die sendestärksten Stationen mit ihrem Namen im Display. Ein Druck auf den HR-Softkey bringt dann die einzelnen Sender von HR1 bis HR4 zum Vorschein. Besser geht es nicht. Daß das eingebaute CD-Laufwerk nicht nur zum Vorhalten der Navigationsdaten dient, ist eine schöne Tradition des Hauses: Kaum hat der Routenführer seine Strecke berechnet, kann man eigene Audio-CDs hören. Neu ist beim Indianapolis die Wiedergabe von selbstgebrannten MP3-Scheiben. Die ID-Tags werden problemlos angezeigt, auch lassen sich MP3-Playlisten nutzen. Was will man mehr? Den guten Ton von Radio, CD oder MP3 bringt das Indianapolis mit Bravour ins Fahrzeug. Schließlich schickt der Verstärker vollkommen ausreichende 4 x 30 Watt an die Lautsprecher, und eine geschwindigkeitsabhängige Lautstärkeregelung sorgt für gute Akustik bei jedem Tempo.

          Die Navigationsabteilung spielt ebenfalls auf Oberklasse-Niveau. Ort und Straße sind schnell eingegeben. Neu ist die Zieleingabe über geographische Koordinaten oder die Postleitzahl. Bei der Berechnung der schnellsten, kürzesten oder dynamischen Route läßt sich Indianapolis leider viel Zeit: zwischen 15 und 60 Sekunden. Das können andere mittlerweile schneller. Auch ist die Liste der Sonderziele ziemlich spärlich ausgefallen, vermutlich, weil Becker auf zwei CDs das gesamte europäische Straßennetz unterbringen mußte. Bei der eigentlichen Führung ist der Junior ebenso gut wie seine großen Brüder: Mit klaren Jetzt-Hinweisen und aussagekräftigen Symbolen wird man vorbildhaft und eindeutig zum Ziel geleitet. Nur gelegentlich irrte sich der Kopilot mit der Anzeige "Off road". Dank TMC-Empfang läßt sich eine dynamische Route ohne Stau berechnen.

          Die wichtigste Neuheit im Navigationsbetrieb sind die sogenannten Speedlimits: Dabei zeigt der Kopilot optisch die Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen an. Allerdings nur feste Tempolimits mit Verkehrsschildern und keine Einschränkungen durch temporäre Baustellen. Es wird außerdem nur angezeigt und nicht gewarnt. Die Funktion ist hilfreich, wenn man bei dem für deutsche Autobahnen typischen Wechsel von Tempolimit und freier Fahrt den Überblick verloren hat. Allerdings kann man sich auf die Information nicht unbedingt verlassen, denn neue Geschwindigkeitsbeschränkungen müssen zunächst den Navigationsdaten auf CD hinzugefügt werden. Indes fanden wir die Speedlimits ziemlich praktisch. Ferner ist verblüffend, daß die Anzeige meist auf den Meter genau dort erscheint, wo das entsprechende Verkehrsschild steht. Bei dynamischen Geschwindigkeitsregelanlagen, die je nach Wetter und Verkehrslage unterschiedliche Einschränkungen verordnen, sieht man ebenfalls ein Symbol. Noch fehlt eine Warnung vor Radarfallen, wie sie neuerdings VDO Dayton anbietet. Alles in allem verdient der Newcomer mit seiner guten Verarbeitung, einfachen Bedienung und der leistungsfähigen Software eine klare Empfehlung. In der Preisklasse von rund 1000 Euro ist Indianapolis der Konkurrenz weit voraus.

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