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Radarsensoren fürs Motorrad : Krad noch gesehen

Radarsensoren ziehen nun auch in Motorräder ein. Bild: Hersteller

Bosch bringt Radar in die Welt der Motorräder. Bald bremsen die ersten Maschinen für ihre Fahrer. Eine Proberunde mit dem Prototypen.

          4 Min.

          Für ein Technologie-Unternehmen mit 400.000 Beschäftigen, von denen 64.000 für Forschung und Entwicklung zuständig sind, sollten kleine Zeitsprünge kein Problem sein. Und tatsächlich – jetzt hat Bosch eine Handvoll Journalisten aus Amerika, Japan, Italien und Deutschland ins Jahr 2020 vorgebeamt. Und auch sicher wieder zurückgebracht.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Prototypen der ersten mit Radar ausgestatteten Motorräder standen für Testfahrten zur Verfügung. Auf dem Testgelände am Forschungs-Campus Renningen, wo der Konzern für seine Denker und Tüftler einen futuristischen Silicon-Valley-Komplex hingebaut hat, konnte eine Proberunde gedreht werden, aber auch auf einem Stück Landstraße plus etwa zehn Kilometer Autobahn im Raum Stuttgart, wo der Alltagsverkehr rauschte.

          Erklärtermaßen setzt Bosch, rund um die Welt tätiger Zulieferer der Fahrzeugindustrie, für die motorisierten Zweiräder von morgen auf Automatisierung, Elektrifizierung, Vernetzung und macht sich dabei Technik aus der Autowelt zunutze. In diesem Fall werden Radarsensoren für Personenwagen, die vierte Generation davon, für den Motorrad-Sektor adaptiert. Einige Hardware-Änderungen sind notwendig (Montage, Vibrationen), vor allem jedoch Justierungen der Software, wegen der besonderen Fahrdynamik. Das Motorrad-Radar muss, anders als beim Auto, auch in Schräglage zuverlässig seine Umgebung abtasten.

          Radargestütztes Elektronikpaket von Bosch

          Als erster Hersteller überhaupt hat kürzlich Ducati für 2020 die Markteinführung eines Serienmotorrads mit Front- und Heckradar angekündigt. Es dürfte sich um die große Reiseenduro Multistrada 1260 handeln. Auch der österreichische Hersteller KTM will 2020 zur Stelle sein, vermutlich mit einer Radar-Variante der 1290 Super Adventure. Motorräder dieser Marken waren an der Pressevorführung in Renningen beteiligt. Ein auffällig verkabelter BMW-Tourer war dort ebenfalls zur Schau gestellt, wurde allerdings nicht bewegt.

          Bosch will den Fahrzeugherstellern künftig ein radargestütztes Elektronikpaket anbieten. Es umfasst eine Kollisionswarnung (gefährliche Annäherung an ein vorausfahrendes Fahrzeug), Totwinkelwarner sowie eine ACC genannte adaptive Abstands- und Geschwindigkeitsregelung. Bestehende, schon heute in Motorrädern verbaute Systeme wie elektronische Motorsteuerung, ABS und Stabilitätskontrolle mit Schräglagenerkennung werden genutzt. Mit dem Radar bekommt das Motorrad jetzt, was ihm noch fehlte: Augen. Spektakulärste und gewöhnungsbedürftigste Neuerung ist sicher das ACC.

          Das Motorradfahren sicherer machen

          Hier handelt es sich um einen Tempomaten, der die Geschwindigkeit des Motorrads dem Verkehrsfluss anpasst und Sicherheitsabstand zum Vordermann hält. Im Grunde eine Sensation: Hier kommt das Motorrad, das von selbst bremst, wenn es das für richtig hält, gegebenenfalls recht rigoros bis zu 0,5 g. Und das wieder beschleunigt, wenn es freie Bahn erkennt, bis zur voreingestellten Geschwindigkeit, die im Fall der Prototypen zwischen 30 und 140 km/h, in Zukunft aber auch deutlich höher liegen kann. So etwas gab es noch nicht. Für manchen Motorradfahrer alter Schule mag das Teufelszeug sein.

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