https://www.faz.net/-gy9-vzuk

Produktdesign : Müssen Fahrradhelme so unmöglich aussehen?

Herkömmliche Fahrradhelme: Keiner wie der andere, aber alle einander sehr ähnlich Bild: Pardey

Die Möglichkeiten der Variationen sind gering, doch auch besonders modische Neuheiten sind nicht wirklich schick, sondern bloß sicher. Elena Witzeck hat sich in Sachen „Helm-Mode“ umgeschaut. Vielleicht ist etwas für Sie dabei.

          2 Min.

          Es geht ihnen wie den Fehlermeldungen des PC, wie den Buskontrolleuren und Haferschleim: Sie sind allseits verhasst. Fahrradhelme sind eine Plage, vom arglosen Käufer oft erst bemerkt, wenn er sich sein Wunschgefährt geleistet hat. Zwar besteht in Deutschland - noch - keine Helmpflicht für Radler, doch Hersteller, Verkäufer und der Verkehrssicherheitsrat fordern eindringlich zum Tragen eines Helms auf. Also macht man sich brav auf die Suche nach etwas Passendem. Sicherheit bieten die meisten neuen Modelle, aber Individualität? Höflich gesagt: Sie sind völlig uninteressant. Bei vielen Fahrern sitzen sie noch dazu so hoch auf dem Kopf, dass ein alberner Anblick unvermeidbar ist. Die unzähligen Farben und Musterungen tragen eher zur Verunstaltung bei, als dass sie den Radler verschönern. Wie kommt es, dass die Auswahl trotz eines großen Angebots so klein erscheint?

          Elena Witzeck
          Redakteurin im Feuilleton.

          Uvex, Giro und Casco sind die bekanntesten Marken im Fachhandel. Ihre unspektakulären Produkte ähneln einander stark, aber natürlich sehen nicht alle Radhelme exakt gleich aus - die meisten sind sich einfach nur zum Verwechseln ähnlich. Aus der schützenden Halbkugel haben die Hersteller in den vergangenen Jahren ein stromlinienförmiges Design entwickelt, das den Behelmten unabhängig vom Leibesumfang wenigstens oben herum zu einer sportlichen Optik verhelfen will. Und Stromlinie unterscheidet sich nun mal allenfalls in den verschiedenen Ausarbeitungen, aber eben nur sehr begrenzt. Ein Laie könnte also schon einmal den Giro „Stylus“ mit dem Uvex „X-Ride gt“ verwechseln, obwohl sie doch laut Hersteller ganz unterschiedlich sind. 24 Belüftungsöffnungen und Mattveredelung der Schale bei Uvex, „Roc-Loc-4“-Passsystem bei Giro. Dem Käufer fällt jedoch lediglich auf: beide schnittig und sportlich, beide zumindest in ähnlicher Ausführung tausendfach auf vorbeirasenden Köpfen gesehen.

          Wenige Variationsmöglichkeiten

          Bleibt die Frage: Warum so eintönig? Da jeder Fahrradhelm EU-Richtlinien entsprechen muss, bieten sich wenig extravagante Variationen an. Praktisch muss er sein - und vor allem schützen: Dass er das tut, bezeugen diverse, innen aufgepappte Zertifikate. Wie steht es mit schicken und extravaganten Modellen? Gewagten Farbgebungen? Interessanten Mustern? Oder wenigstens dezenten Alltagshelmen ohne überflüssigen Schnickschnack? Abus, für Fahrradschlösser bekannt, hat neuerdings auch Helme im Sortiment. Bei einigen aus der aktuellen Kollektion wird auf schlichtes und einfarbiges Design in Farben wie Anthrazit oder Weinrot besonderer Wert gelegt. Die Modelle „Urban“ und „Lane U“ versprechen unaufdringliche Alltagstauglichkeit, unterscheiden sich allerdings nicht besonders vom übrigen Sortiment. Ein bisschen bieder schauen die Helme schon aus.

          Blumen für die Dame: Nutcase
          Blumen für die Dame: Nutcase : Bild: Pardey

          Das kann man von einem „Nutcase“ nicht behaupten. Der amerikanische Hersteller hat auffällig andere Angebote, die aber nicht so leicht zu finden sind. Im Internet (www.nutcasehelmets.eu) kann man die kreativen Designs bestaunen und sich mit der neuartigen, aber eher schlichten Form anfreunden. Bei großer Auswahl an Mustern und Motiven kosten die an Eishockey-Helme erinnernden Schalen mit den wenigen Luftlöchern, die für Radfahrer und Skater konzipiert sind, etwa 60 Euro. „Radfieber“ in Köln vertreibt sie neben dem amerikanischen Traum vom Radfahren: Beachcruiser (www.beachcruiser.de) mit schrillen Farben, überbreiten Lenkern und Tankattrappe. Da wird der Nutcase-Helm zum Accessoire: Mit Streifen, Sternen, Punkten, Karos oder rosa Blümchen. Stellt sich bloß die Frage, ob man als Erwachsener mit Stars and Stripes oder einer Bowlingkugel auf dem Kopf ins Büro radeln möchte.

          Welcher Typ sind Sie?

          Vor der Entscheidung zwischen Auffallen und Nicht-so-toll-Aussehen steht die radelnde Frau in verschärfter Form: Entweder ist sie Mutter und zu gutem Beispiel verpflichtet, oder sie fährt als Sportlerin das, was die anderen auch fahren. Den Helm, der weder ihre Frisur zerstört noch die Silhouette des Kopfes ballonartig erweitert, gibt es nicht. Blümchen und liebliche Muster können nur besonders standhafte Kitsch-Fanatikerinnen trösten. Die Dame mit Stil fährt vorsichtig ohne Helm oder nimmt den Bus, um sich das Tragen der unerfreulichen Schutzmaßnahme zu ersparen. Und wenn sie doch Helm trägt, dann nur den ganz, ganz Unauffälligen, den sie vor Betreten eines Gebäudes geschickt verschwinden lässt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Klischee übererfüllt: Lucas und Dennis aus Dortmund feiern am Strand von Arenal.

          Tourismus : Keiner will die Billigurlauber

          Der Partytourist gerät in Misskredit: Viel saufen und wenig zahlen, das wollen viele Staaten nicht mehr. Hinzu kommt der Klimaschutz. Naht das Aus für den billigen Partytourismus?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.