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Motoryacht von Palm Beach : Gin Tonic bei 20 Knoten

  • -Aktualisiert am

Die von uns gefahrene PB50 Fly trägt die Rumpfnummer 34. Bild: Wanke

Motoryachten der Marke Palm Beach sind hierzulande praktisch unbekannt. Wir ändern das jetzt und legen mit der PB 50 Fly zur Probefahrt ab.

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          Woran liegt es, dass Palm Beach kaum bekannt ist? An der Herkunft aus dem fernen Australien einerseits, an den geringen Stückzahlen der in Handarbeit gefertigten Boote andererseits. Ursprünglich waren es nur fünf Exemplare im Jahr. Kopf hinter der noblen Werft ist der durch seine Erfolge bei der Sydney–Hobart-Regatta bekannte Segler Mark Richards, der 1995 mit dem Yachtbau anfing und die Messlatte hoch legte, was die Qualität der Boote anging. 2014 verkaufte Richards seine Werft an Grand Banks, wurde gleichzeitig neuer Vorstandschef des Unternehmens und krempelte die Firma grundlegend um. Derzeit werden acht Modelle zwischen 42 und 70 Fuß angeboten.

          Neben der kleinen Produktionsstätte rund 100 Kilometer nördlich von Sydney steht nunmehr das Werk von Grand Banks in Malaysia zur Verfügung. Nach einer grundlegenden Überholung der Fabrik und der Modellpalette kann das kleine, aber feine Unternehmen nun jährlich 30 Einheiten zusätzlich herstellen. Exklusivität ist den Eignern der Edelbauten jedoch weiterhin garantiert, eine Palm Beach schwimmt nicht in jedem Hafen. Deswegen hat die Werft auch kein Händlernetz, sondern nur Repräsentanten. Ansprechpartner für deutsche Kunden ist MariTeam Yachting im niederländischen Leeuwarden.

          Das Basismodell ohne Flybridge wird seit 2010 gefertigt, deshalb trägt die von uns gefahrene PB50 Fly die Rumpfnummer 34. Sie ist aber erst die Dritte, die nach den neuen Produktionsmethoden gefertigt wurde. Das geschieht noch immer in Handarbeit, laminiert wird jetzt aber im Vakuumverfahren. Beide Schalen des Kompositerumpfs werden bei dem Prozess durch einen dazwischen plazierten geschlossenzelligen Schaum verbunden. Deck und Aufbauten werden jetzt ausschließlich aus Kohlefasern laminiert, um das Gewicht zu senken und den Schwerpunkt nach unten zu verlagern. Beim Innenausbau wendet die Werft eine ganz besondere Methode an. Da sich Massivhölzer mit der Zeit verziehen können, besteht das gesamte Mobiliar im Kern aus glasfaserverstärktem Kunststoff, auf den beidseitig Holztafeln laminiert werden. Das ist von außen nicht erkennbar.

          Beide Schalen des Kompositerumpfs werden bei dem Prozess durch einen dazwischen plazierten geschlossenzelligen Schaum verbunden. Bilderstrecke

          Eine derart aufwendige Konstruktion spricht überwiegend erfahrene Eigner an – und treibt den Preis nach oben. Rund zwei Millionen Euro sollte ein Interessent für die Anschaffung schon verfügbar haben. Konzipiert ist der Gleiter im Retrostil für ein Eignerpaar, das gerne auch längere Touren fahren möchte, denn das Komfortniveau an Bord ist hoch. Die Einstufung in die CE-Kategorie A bestätigt der Yacht Hochseetauglichkeit. Für viele Gäste ist sie trotz ihrer stattlichen Länge von 50 Fuß aber nicht ausgelegt. Außer der großen Bugkabine für die Eigner gibt es nur noch eine kleine Besucherkabine. Die dort vorhandene Einzelkoje kann zwar zur Doppelliege umgebaut werden, die Liegefläche füllt dann aber den gesamten Raum aus. Auch gibt es nur ein Bad, geräumig zwar und mit separater Duschkabine ausgestattet, aber eben nur eines, das sich alle teilen müssen.

          Im Deckssalon räkelt es sich angenehm auf einer bequemen Polstersitzgruppe sowie einem Sofa. Der Versorgung dient eine komplett ausgerüstete Pantry. Dort kann ein Fenster nach hinten aufgeklappt werden, was den Barbereich zum geräumigen Cockpit hin öffnet und die Lieferung des Gin Tonic nach draußen beschleunigt. Im Heck wartet dann eine Sitzgruppe mit Tisch – in eine Sonnenliege verwandelbar – auf die Anwesenden. Der gesamte Innenausbau überzeugt durch grundsolide, noble Anmutung. Das beinhaltet makellose Lackoberflächen, präzise Fugen und hochwertige, spielfreie Scharniere für Klappen und Türen, die im offenen Zustand mit Arretierungen in Position gehalten werden. Wo nötig, schützen weiche Kunststoffpuffer vor dem Anschlagen an andere Bauteilen.

          Die Serienausstattung lässt kaum Wünsche offen. Dazu gehören neben Kühl- und Gefrierschränken sowie einer Mikrowelle auch Generator, Klimaanlage, Anker samt Kette und fernbedienbarer Winde, kompletter Teakboden und selbst die Persenning für die Sitzmöbel. Die PB 50 Fly wird also einsatzbereit ausgeliefert, abgesehen von einem standesgemäßen Paket Navigationselektronik, für das rund 35 000 Euro einzuplanen sind. Steuern lässt sich die Yacht vom wettergeschützten Steuerstand im Deckssalon aus. Bei Sonnenschein verlagrt sich das vorzugsweise auf die Flybridge. Serienmäßig montiert Palm Beach zwei Pod-Antriebe des Typs Volvo-Penta IPS 600. Deren Sechszylinder-Diesel einwickeln jeweils 320 kW (435 PS). Auf Wunsch sind auch Wellenantriebe lieferbar, die dann mit Volvo Penta D6 oder vergleichbaren Dieselmotoren anderer Hersteller kombiniert werden. Der Halbgleiter-Rumpf weist eine steile V-Form im Bug und eine flache Aufkimmung im Heck von nur acht Grad auf. Damit nimmt die Yacht Wellen weich und schafft einen nahtlosen Übergang zur Gleitfahrt, ohne beim Beschleunigen die Nase in die Höhe zu recken.

          Die Spitzengeschwindigkeit von 30 Knoten (56 km/h) erreichten wir aus dem Stand nach 19 Sekunden. 20 Knoten erwiesen sich als effiziente Reisegeschwindigkeit; dabei arbeiteten die Motoren mit 2750 Umdrehungen und genehmigten sich im Schnitt 73 Liter in der Stunde aus dem 1700-Liter-Reservoir. In gemütlicher Verdrängerfahrt von acht Knoten betrug der Verbrauch 7,9 Liter in der Stunde, womit sich gewaltige Distanzen, beispielsweise fast 1500 Seemeilen von Gibraltar bis Athen, überbrücken lassen. Dank der Joystick-Steuerung der IPS-Antriebe ist das Manövrieren im Hafen auch für Ungeübte kein Horror.

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