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BMW Sporttourer R 1250 RS : Generationenwechsel im Zeichen der Schlagfertigkeit

Bild: BMW

Es muss nicht immer eine GS sein: BMW komplettiert seine Boxer-Baureihe mit dem Sporttourer R 1250 RS. Wir haben sie auf einer ersten Probefahrt ausprobiert.

          Mit einer schäumenden Bugwelle schiebt sich die große GS, Flaggschiff unter den BMW-Motorrädern, über die Weltmärkte. In ihrem Kielwasser ist es lange Zeit einsam, bis schließlich mit Respektabstand die Schwestermodelle aus der Boxerfamilie folgen. Deren Verkaufszahlen sind nicht annähernd so hoch wie die der Maxi-Reiseenduro, die viel Geld in die Kassen der Münchener spült. Aber sie haben ebenfalls ihre Freunde, ihre Kundschaft und somit die Berechtigung zur Modellpflege im gleichen Rhythmus wie der dicke Bestseller, von dem sie viele Gleichteile übernehmen.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Als da wären: das opulent verkofferte Reisemobil R 1250 RT, der ranke Roadster R 1250 R sowie der jüngste Spross, der Sporttourer R 1250 RS. Auch diese drei dürfen sich mit der weiterentwickelten Version des Zweizylinder-Prachtboxers schmücken, mussten aber bei der Markteinführung natürlich der R 1250 GS den Vortritt lassen. Der gebührte schon voriges Jahr die Ehre, „Erstanläufer“ zu sein. Danach waren die Derivate dran, zunächst die RT, später die R und jetzt, zu guter Letzt, die RS zum Basispreis von rund 15 000 Euro. Die R kostet knapp 1000 Euro weniger, während die RT mit Sonderausstattung leicht die 20.000-Euro-Marke überwindet.

          Sporttourer wie die RS sind rar geworden auf dem Markt. Auch auf zwei Rädern geht die Tendenz zum SUV, sprich Reiseenduro. BMW allerdings hält dem Konzept einer sportlichen Reisemaschine ohne Geländeattitüde die Treue. Die Rolle des Schlusslichts bei der Erneuerung der Boxertruppe fiel der RS nicht deshalb zu, weil Sporttourer aus der Mode gekommen sind, sondern aus anderem Grund: Als einziges Mitglied der Boxerbaureihe bekam sie nicht nur den neuen Motor, sondern auch ein neues Gesicht. GS, RT und R sehen aus wie bisher, die RS wurde hübscher.

          Die Umstellung auf LED-Scheinwerfer, die Integrierung dieser von Grund auf neu konstruierten, wesentlich schwereren Bauteile in eine veränderte Verkleidung, die Frage der Kühlung der Leuchten – das hat einen längeren Vorlauf mit mehreren Entwicklungsschleifen benötigt, wie Beteiligte berichten. Der Fortschritt im Design ist markant. Und vermutlich gibt die RS mit der Form ihrer auffälligen, aufpreispflichtigen Tagfahrleuchten einen Hinweis auf das künftige Lichtdesign der gesamten Marke. So hört man es zumindest raunen.

          Der Roadster R und der Sporttourer RS, die jetzt für ausgedehnte Probefahrten zur Verfügung standen, sind weitgehend identisch. Wichtigster Unterschied: Erstere schirmt ihre Besatzung durch so gut wie nichts vor Wind und Wetter ab, Letztere bietet gewissen Schutz durch ihren Vorbau mitsamt einer höhenverstellbaren Scheibe. Der schmalere, niedrigere Lenker der RS erzwingt eine aktive Sitzhaltung, doch kann der Kunde wahlweise die höhere, breitere Stange der R montieren lassen – und umgekehrt. Lenkkopfwinkel und Nachlauf des Langstrecklers RS führen zu einer Betonung der Stabilität gegenüber der mehr auf Agilität ausgelegten R.

          136 PS bei 7750 Umdrehungen

          In der Praxis spielt es für das Fahrverhalten eine erhebliche Rolle, welchen der beiden Erstausrüstungs-Reifentypen der Zufall dem Kunden zuspielt. Hat er Glück, rollt seine neue BMW auf dem Metzeler Roadtec Z8 heran. Hat er Pech, sind es Michelin Pilot Road 4, die unserem Eindruck nach weder mit der R noch mit der RS harmonieren. Beide wirken damit überhandlich, kippelig, in Schräglage diffus. Beim Umstieg vom einen auf den anderen Reifentyp kommen einem beide Motorräder jeweils wie verwandelt vor.

          136 PS bei 7750 Umdrehungen und 143 Newtonmeter bei 6250/min bietet jetzt der auf 1254 Kubikzentimeter Hubraum aufgebohrte Zweizylinder. Erstmals arbeitet das wassergekühlte Triebwerk mit einer Shift Cam genannten Technik zur Variierung der Ventilsteuerzeiten und des Ventilhubs auf der Einlassseite sowie einer asynchronen Öffnung der beiden Einlassventile. Um es kurz zu machen: wirkt Wunder. Es gibt wenig Vergleichbares auf dem Markt zu diesem hochgezüchteten Brummer, der mit satter Souveränität das Schmalz dick über die gesamte Fläche der Stulle streicht. Allen Ernstes hatten die BMW-Strategen in einer frühen Phase der Entwicklung erwogen, den Boxer für R und RS anders abzustimmen als für GS und RT, um noch mehr Höchstleistung herauszukitzeln. Bis sie sich die Frage stellten: wozu eigentlich? Der kann doch alles.

          Ausstattungslisten lassen keine Wünsche offen

          So ist es. Spitzkehre im dritten Gang – geht. Ortsdurchfahrt im Sechsten – kein Ding. Bummeln in niedrigsten Drehzahlen – bitte sehr. Vorm Überholen kann man herunterschalten, muss es aber nicht. Oben heraus brennt es lichterloh. Kein anderer Traktormotor, der im Alltag den Pflug durch den Acker zieht, wird am Wochenende auf der Nordschleife Rundenzeiten hinlegen wie der Shift-Cam-Boxer. Trotz all der Steigerungen gelang es BMW zufolge, den Benzinverbrauch um ein paar Prozent zu mindern. Die Bordcomputer unserer Maschinen meldeten 5.0 Liter auf 100 Kilometer infolge beherzter Fahrt und etwa 4,0 Liter bei gelassener Herangehensweise, und die Mannen aus München schwören beim Leben des Wiesn-Hendls, dass die Werte zutreffend sind.

          Die knusprigen Ausstattungslisten der Neuen lassen keine Wünsche offen. Das reicht von der Berganfahrhilfe und der Blinkerabschaltautomatik über sämtliche Feinheiten elektronischer Fahrwerke bis hin zu Riesen-Vollfarbbildschirmen mit Konnektivitätsbrimborium des letzten Schreis. Längst nicht alles Wünschenswerte ist serienmäßig, vieles muss extra bezahlt werden. Hier lässt sich BMW genauso wenig lumpen wie im Fall der GS, um noch einmal auf die Unvermeidliche zu sprechen zu kommen, mit einer letzten Erkenntnis, die wie früher schon lautet: Was RT, R und RS in ihren jeweiligen Spezialgebieten können, kann die GS schon lange. Alles auf einmal. Und Gelände obendrein. Deshalb ist sie so erfolgreich. Und überall zu sehen. Was wiederum für manch einen Grund genug ist, sich keine GS zuzulegen. Sondern eine RT, eine R oder eine RS.

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