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Probefahrt Land Rover Defender : Mit neuer Sanftmut durch das Wasserloch

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Für den Land Rover Defender aber war die Zeit gekommen, sich nicht nur optisch, sondern auch technisch neu aufzustellen. Bild: Hersteller

Der Land Rover Defender ist potenter denn je und jetzt auch komfortabel. Im Design ist dem Defender der Spagat geglückt. Die Preise beginnen mit saftigen 50.000 Euro.

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          Darf man eine Ikone modernisieren? Die Übung gelingt nicht immer, vor allem wenn ihr Freundeskreis gerade auf zarte Verwitterungen und harte Herzlichkeit abfährt. Für den Land Rover Defender aber war die Zeit gekommen, sich nicht nur optisch, sondern auch technisch neu aufzustellen. Seit 1948 ist das Offroad-Urgestein mehr oder weniger unverändert im Programm der Marke, bis zum vorläufigen Ende der Baureihe 2016 wurden mehr als zwei Millionen Exemplare des hartgesottenen Briten verkauft. Am 20. Juni kommt der grundlegend neue Nachfolger zu den Händlern, zunächst 5,02 Meter lang als Modell 110 mit sieben Sitzplätzen und einem strammen Grundpreis von 55 600 Euro.

          Im Design ist dem Defender der Spagat geglückt. Nicht allzu klobig, aber doch solide und souverän ist er geraten, sanfte Rundungen nehmen ihm nichts vom formal sachlichen Charakter. Der wuchtige Bug spricht eine eindeutige Sprache, Zurückhaltung stand trotz der Erkenntnis, dass öfter als früher der asphaltierte Weg das Ziel sein wird, nicht ganz oben im Lastenheft. Der Luftwiderstandsbeiwert ist drastisch von ehemals 0,68 auf cW 0,38 gesunken. Innen bewegen sich die Formengebung und die Materialwahl zwischen Vitra und Koziol, Metall und Leder finden sich kaum. Wohl aber formschöner Kunststoff, der sich obendrein angenehm anfasst und pflegeleicht erscheint. Die Sitzbezüge werden wie viele andere Einbauten aus rezyklierten PET-Flaschen hergestellt, die Ressource erscheint mit Blick auf die Müllstrudel der Weltmeere als unerschöpflich.

          Der Defender soll Pflichtausstattung für viele Reisende und Abenteurer bleiben. Seine Geländetauglichkeit ist im Vergleich zum ohnehin schon potenten Vorgänger sogar gestiegen. Von den Starrachsen und dem Leiterrahmen hat man sich verabschiedet, die Einzelradaufhängung am Aluminium-Monocoque erlaubt in Verbindung mit der optionalen Luftfederung erstaunliche Bodenfreiheit und Achsverschränkungen. Bis zu 90 Zentimeter tiefe Wasserlöcher kann der Land Rover bezwingen, kaum eine Rampe lässt ihn bei 45 Prozent Steigfähigkeit scheitern. Für größtmögliche Traktion sorgen der permanente Allradantrieb samt zwei Sperrdifferenzialen sowie eine Geländeuntersetzung des obligaten achtstufigen Automatikgetriebes.

          Im Design ist dem Defender der Spagat geglückt. Bilderstrecke
          Probefahrt : Land Rover Defender

          An fernen Gestaden und im feinen Wüstensand will auch der neue Defender glänzen. Auf Expeditionen kann er 900 Kilogramm an Mensch und Material bei 2,3 Tonnen Leergewicht transportieren, maximal darf er 3,2 Tonnen wiegen und sogar 3,5 Tonnen ins Schlepptau nehmen. Das Dach ist mit 300 Kilogramm belastbar, dynamisch dürfen auf dem Träger 160 Kilogramm mitfahren. In den Kofferraum passen 1075 bis 2380 Liter.

          Zwei Vierzylinder-Diesel und zwei Benziner sind im Angebot. Der Basis-Selbstzünder leistet 200 PS. Die kräftigere Version kommt auf 240 PS, beide stemmen 430 Newtonmeter als Drehmomentspitze. Als Verbrauchswert werden gemäß Norm 7,7 Liter Diesel auf 100 Kilometer angegeben. Die genügen den Benzinern nicht. Der 300 PS starke Vierzylinder mit 400 Nm Drehmoment verlangt nach 9,9 Liter Treibstoff, dem Reihensechszylinder mit 400 PS und 550 Nm reichen dank seiner Mild-Hybrid-Technik 9,6 Liter Benzin nach Norm. Eine Plug-in-Hybrid-Variante soll wohl im kommenden Jahr folgen. Schon Ende 2020 erscheint dagegen der kürzere, zweitürige Defender 90 mit gleichem Motorenangebot für mindestens 49.700 Euro.

          Zu den vier Ausstattungsstufen gesellen sich mehr als 160 einzelne Positionen an Zubehör mit recht speziellen Funktionen. Etwa ein Wasserbehälter mit Pumpe zum Reinigen der Jagdhundpfote, eine elektrische Winsch mit vier Tonnen Zugkraft, ein Bordkompressor, ein Kühlschrank oder eine Folierung, die vor Beschädigung durch Dornen und Steinschlag schützt.

          Die Rolle des kompromisslosen Kerls hat der Land Rover abgelegt. Sanft wie in einer Limousine federt sein Fahrwerk, durchzugsstark und leise arbeiten seine Motoren. Das werde die Fangemeinde aus abgelegenen Gefilden nicht weiter stören, meint Land Rover, auch die lege im fortgeschrittenen Alter mehr Wert auf Komfort.

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