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Probefahrt im neuen C3 : Citroën in den Genen

Der neue C3 erblickt das Licht der Stadt Bild: Hersteller

Schon auf den ersten Blick ist der C3 von Citroën ein Highlight in dem hart umkämpften Segment dieser Kleinwagen. Im Januar ist er von 12.000 Euro an zu haben.

          Der französische PSA-Konzern versucht sich in der Aufstellung seiner drei Marken. Dass Peugeot an der Wolfsburg rütteln will, ist schon gut zu erkennen. Die neue Oberklassemarke DS hat Louis Vuitton und Audi im Sinn, schlingert aber noch orientierungslos zwischen Übermut und Mutlosigkeit. Citroën, die große alte Dame mit dem extravaganten Charme, drohte jahrelang jeden Charakter zu verlieren und zuletzt von DS in die Abstellkammer der Belanglosigkeiten gedrängt zu werden. Doch dann fuhr der Cactus heran, weitgehend unpraktisch, aber witzig und frohgemut, serienmäßig mit dem Gedanken der Entschleunigung an Bord. Es soll Menschen geben, die so etwas schätzen.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Und nun erblickt der neue C3 das Licht der Stadt, schon auf den ersten Blick ein Highlight in dem hart umkämpften Segment. Er trägt die Gene seiner Ahnen mit jenem Augenzwinkern in sich und nach außen, das über manche Fehlbarkeit hinwegsehen lässt. Denn perfekt ist der kecke Kleinwagen nun wirklich nicht. Die halbwegs bequemen Sitze sind zu hoch montiert, die dringend empfohlene Höhenverstellung gibt es nur für den Fahrer. Die B-Säule steht weit vorn, große Fahrer können deshalb die Armauflage in den Türen nicht nutzen. Haltegriffe an der Decke gibt es gleich gar nicht. Hinten fahren die Seitenscheiben nur zur Hälfte herunter, sogar vorn bleibt ein Zentimeter stehen.

          Für Vortrieb sorgen zwei Motoren in fünf Leistungsstufen. Bilderstrecke

          Gepäck muss über eine strapaziöse Kante in das Gelass gehievt werden, das freilich mit 300 Litern erfreulich groß ausfällt. Die Klimaanlage zischt alle paar Sekunden wie ein schlafendes, vermutlich freundliches Ungeheuerchen. Echt unpraktisch sind die fehlenden Navigationspfeile im Kombiinstrument, sie werden nur im von Tom Tom bestückten, tief sitzenden Bildschirm in der Mitte angezeigt. Ob harter Kunststoff allerorten in dieser Preisklasse nötig ist, wissen die Controller. Aber wenn schon, dann gelingt Citroën ein Lehrbeispiel, wie man all das adrett serviert. Das Interieur ist schick, schön, modern, einfach ein Ort der guten Laune. Erfreulich ist die Geräumigkeit vorn, weniger die eingeschränkte Kopffreiheit hinten.

          Für Vortrieb sorgen zwei Motoren in fünf Leistungsstufen. Es gibt einen Dreizylinder-Benziner mit 1,2 Liter Hubraum und 68, 82 oder 110 PS und einen Diesel, der aus vier Zylindern und 1,6 Liter Hubraum 75 oder 99 PS holt, wegen des Aufpreises von rund 2500 Euro aber nur von 17 Prozent der Kunden geordert wird. Am meisten nachgefragt werden wird wohl der 82 PS starke Benziner, der dreizylindrig typischer schnattert als anderswo. Fünf handsortierte oder sechs automatische Gänge stehen zur Wahl.

          Fahrerisch fordert der C3 nichts Ungewöhnliches, er ist komfortbetont ausgelegt, für Landstraßen und sensible Mägen einen Tick zu weich. In der Stadt, also in seinem Element, fühlt er sich pudelwohl und setzt leicht dirigierbar Akzente der Fröhlichkeit wie sonst nur Mini oder Fiat. Citroën lockt mit 11 990 Euro Einstandspreis, doch wer gewisse Annehmlichkeiten schätzt, muss eher um 16 000 Euro kalkulieren. Am 21. Januar 2017 ist Markteinführung. Die Konkurrenz ist frisch eröffnet. Citroën hat seine Gene wiederentdeckt.

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