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Premiere : V wie ungeahnt vielseitig

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Einer von vielen: Viano mit kurzem Radstand und kurzem Überhang Bild:

Geblieben ist nur das große V. Alles andere ist völlig neu am Viano, der im Herbst die seit 1995 gebaute V-Klasse bei Mercedes-Benz ablöst.

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          Geblieben ist nur das große V. Alles andere ist völlig neu am Viano, der im Herbst die seit 1995 gebaute V-Klasse bei Mercedes-Benz ablöst. Die war, was den Variantenreichtum angeht, alles andere als V wie variabel. Der Viano ist alles andere als das, denn er kommt in fast unübersehbaren Variationsmöglichkeiten, die sich aus zwei Radständen, drei Außenlängen (kurzer und langer Hecküberhang), vier Motoren (zwei CDI-Diesel sowie zwei V6-Benziner) und drei Ausstattungslinien kombinieren lassen, außerdem noch als Freizeitfahrzeug Marco Polo (die Transporterbaureihe Vito auf der gleichen Basis stellen wir in der nächsten Ausgabe vor). Die Neuen werden wie die Vorgänger im spanischen Vitoria gebaut, wo dafür rund 1,2 Milliarden Euro investiert wurden.

          Von vorn wäre der Viano auch ohne den Stern am Familiengesicht als Mercedes erkennbar, seine Seitenlinie streckt sich mit breiten Strichen Richtung Heck nach oben, die Fenster machen diesen Aufschwung mit und verjüngen sich ebenfalls. Das Heck besteht nur aus Öffnung, die riesige Klappe (wahlweise Klapptüren) über der niedrigen Ladekante wird fahrzeughoch von den Leuchten umrahmt. Die Motorhaube ist deutlich länger als beim Vorgänger, diesmal gibt es keine Probleme beim Einbau großer Motoren.

          Gegenüber der V-Klasse ist die Basisversion des Viano um 88 Millimeter auf 4,75 Meter gewachsen und bei 1,90 Meter Breite fast ebenso hoch (1,88). Der Radstand von 3,20 Meter ist 20 Zentimeter größer, optional streckt er sich auf 3,43 Meter. Wegen unterschiedlich langer Überhänge sind jetzt zwei weitere Fahrzeuglängen von 4,99 und 5,22 Meter möglich. Eine zweite Schiebetür links ist als Aufpreis-Extra zu haben und zu empfehlen. Der Innenraum ist je nach Ausstattungslinie mit fünf bis acht Sitzen ausgerüstet, entweder in drei Reihen zu je zwei Plätzen oder mit einer Dreierbank nebst zwei Einzelsitzen in der Mitte oder zwei Bänken in der längsten Version. Es erfordert ein tiefgründiges Studium der Unterlagen, um herauszufinden, welche Kombinationen möglich sind. In der Fun-Linie, die in der Nachfolge des freizeitorientierten Transporters Vito F steht, kann die Sitzbank zu einer Liegefläche umgebaut werden, im Marco Polo gibt es zur Campingeinrichtung an der linken Seitenwand eine Zweierbank, die optional um einen Einzelsitz ergänzt wird. Ebenfalls zur Sonderausstattung gehört hier ein elektrohydraulisch aufstellbares Dach mit Doppelbett. Alle Sitze und Bänke stehen in einem Schienensystem und lassen sich beliebig verstellen. Sie sind schnell ein- und ausgebaut, wiegen allerdings 29 Kilogramm je Sitz. In drei zusätzlichen Ausstattungspaketen (Bike, Business und Life) sind Spezialitäten für die jeweiligen Bereiche zusammengefaßt. Bei einem zulässigen Gesamtgewicht von 2940 Kilogramm bietet der Viano je nach Ausstattung bis zu 740 Kilo Zuladung, das Kofferraumvolumen bei kompletter Bestuhlung reicht von 430 (Basis) bis 970 Liter in der extralangen Version.

          Die V-Klasse und der dazugehörige Transporter Vito waren die ersten Frontantriebsautos der Marke in diesem Fahrzeugsegment, und sie waren auch die (vorerst?) letzten. Im Viano und im ebenfalls neuen Vito wird die Hinterachse angetrieben. Mercedes verspricht dafür zwei Vorteile: bessere Traktion unter allen Umständen sowie höhere passive Sicherheit, da der Vorderbau im Fall eines Aufpralls mehr Energie absorbieren kann. Außerdem sei die Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse mit 50:50 besser ausgewogen.

          Für den Antrieb sind wahlweise vier Motoren zuständig, zwei 2,2-Liter-CDI (Turbodiesel) und zwei V6-Benziner. Sie sitzen längs unter der Haube statt quer wie im Vorgänger. Die Selbstzünder erreichen als erste in diesem Segment die Abgaswerte für die Euro-4-Norm, für mehr Leistung (90 statt 75 und 110 statt 90 kW) und Drehmoment gegenüber dem Vorgänger sorgen ein Turbolader mit variabler Turbinengeometrie sowie ein höherer Einspritzdruck in der zweiten Common-Rail-Generation. In etwa zwei Jahren will Mercedes-Benz einen starken V6-Diesel nachschieben, der es auf 147 kW (200 PS) und 400 Newtonmeter Drehmoment bringen soll. Während die beiden Ottomotoren grundsätzlich mit einer fünfstufigen Automatikbox kombiniert sind, kommen die Diesel serienmäßig mit manuellem Sechsganggetriebe, hier ist die Automatik aber als Extra erhältlich. Geschaltet wird über einen Joystick in der Mittelkonsole.

          Dem Personenwagen-Standard entspricht die Ausrüstung des Viano mit Sicherheits- und Fahrerassistenzsystemen sowie mit Zutaten für die Bequemlichkeit unterwegs. Die Extra-Liste enthält darüber hinaus fast alles, was man sich wünschen kann. Wegen der unzähligen Möglichkeiten, einen Viano zu individualisieren, wird kaum ein Exemplar dem anderen gleichen. Bei dieser Konkurrenz dürfte der Platzhirsch VW Multivan die längste Zeit eine unangefochtene Stellung gehabt haben.

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