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Premiere: Bentley Continental GT : Das britische Erbe liegt in guten Händen

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Zwischen Zitaten und Zukunft: Der Bentley Continental GT ist ein geräumiges Coupé für das Gleiten mit Baedeker und Bonität. Bild:

Der neue Continental GT ist ein Bentley der Superlative und ein Auto der Extraklasse: Er ist das derzeit schnellste viersitzige Coupe der Welt, der erste Bentley mit Zwölfzylindermotor und Allradantrieb ...

          Der neue Continental GT ist ein Bentley der Superlative und ein Auto der Extraklasse: Er ist das derzeit schnellste viersitzige Coupe der Welt, der erste Bentley mit Zwölfzylindermotor und Allradantrieb und könnte einen Bischof dazu veranlassen, ein Kirchenfenster einzuschlagen, nur um den Orgelton der warmgelaufenen Maschine zu hören. Wer in diesen ganz allmählich weniger mager werdenden Zeiten die Lästigkeit von 159000 Euro gerade zur Hand hat, sollte sie in diesen Wagen investieren. Bentley liefert noch im Herbst aus, und man kann mit dem GT die letzten Blätter aus jeder Eiche blasen.

          Im Sommer 1998 wurden Rolls-Royce und Bentley von VW übernommen, die "RR"-Marke ist seit Beginn 2003 bei BMW. Die Konzentration auf den sportlicheren, agileren und mit weniger (tatsächlichem oder vermeintlichem) Standesdünkel behafteten Teil der britischen Nobilität hat sich gelohnt: Der Bentley Continental GT trägt das Beste aus mehreren Welten, und er fügt sich in die Historie der Produkte aus dem englischen Crewe, als führte Walter Owen (W.O.) Bentley selbst den Zeichenstift für die bullige, wie die Faust eines Athleten geformte Coupe- Karosse. Dem im Jahr 1999 von Skoda herübergewechselten Designer Dirk van Braeckel ist ein großer Wurf gelungen: Tradition und Technik finden zusammen, das Heck mit den angedeuteten Kotflügeln und der Bug mit den scharfen Kanten, die den Rundungen ihre Weichheit nehmen, führen zusammen mit dem sanft abfallenden Dach zu einer spannenden Kapsel aus Kraft und Kultur. Die Frontpartie wirkt modern und ist von Klarheit beherrscht, dennoch bringen die Anordnung der Scheinwerfer und die Gestalt sowie das Material des Kühlergrills genügend Momente eines großen Gestern zusammen. Allein die Proportionen der gesamten Haubenpartie, ihre schiere Länge erscheinen etwas zu knapp geraten, sie tragen nicht jene Raumverschwendung in sich, die ältere Bentley-Wagen charakterisierte. Ein Bentley darf durchaus etwas exzentrisch sein, meinen wir, daß er dabei nicht ins Sensationelle abgleitet, ist selbstverständlich. Für moderne Technik hat der VW-Baukasten gesorgt, für die Ingredienzien eines ziemlich einzigartigen Markenimages dagen ist Bentley selbst zuständig. Die Zutaten hierfür sind der verschwenderische Umgang mit Leder, die penible und etwas altväterlich wirkende (vielleicht deshalb hochmoderne) Verwendung von edlem Holz und das Hochhalten der Tradition einer Handarbeit und Individualität in der Fertigung, wie sie kaum noch zu finden ist. Die Menge der Arbeitsschritte für eine dieser wunderbar gemaserten Holzeinlagen wollen wir besser nicht festhalten, jeder Arbeitszeitplaner käme aus dem Schrecken nicht mehr heraus.

          Große Teile der Technik mit ihrer exorbitanten Leistung haben als Basis den VW Phaeton. Dessen Sechsliter-W12-Motor wird mit zwei Turboladern auf 411 kW (560 PS) gebracht, vier Nockenwellen und 48 Ventile gehen ans Werk, die Maschine und ihre Neben-Aggregate füllen jeden Winkel unter der Haube, da paßt keine Tasse Earl Grey mehr hinein. Das maximale Drehmoment beträgt 659 Newtonmeter, es liegt schon bei 1600 Umdrehungen in der Minute an: Die Sechsgangautomatik von ZF (mit Schaltpaddeln für manuelle Eingriffe am Volant) besteht diese Bewährungsprobe mit Bravour, aus dem Stand kommt der GT in 4,8 Sekunden auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit wird mit 318 km/h angegeben. Beim Verbrauch wird man mit etwa 20 Liter Super auf 100 Kilometer rechnen dürfen, immerhin bringt das 4,80 Meter lange und 1,39 Meter hohe Coupe etwa 2,4 Tonnen auf die Waage.

          Unter dem Blech steckt High-Tech: Allradantrieb mit Torsen-Zentraldifferential, rechnergesteuerte Luftfederung vorn und hinten, absichtlich niedriger Ladedruck der Turbolader von KKK, Kevlarverstärkungen und Bremsen, die kleine Anker sein können. Der Einstieg von VW bei Bentley war eine freundliche Übernahme. Der Continental GT zeigt, daß auch Teutonen mit britischem Erbe umzugehen wissen.

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