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Jaguar E-Pace : Aufstand der Schmusekater

Mit dem E-Pace will Jaguar ins lukrative Geschäft der kleineren SUV. Bild: Hersteller

Jaguar war lange Jahre eine schlummernde Schönheit. Heute verkaufen sie so viele Autos wie nie. Für 2018 ist ein Elektro-SUV versprochen, und jetzt schieben sie den neuen E-Pace ins Rampenlicht.

          SUV verkaufen sich zurzeit wie geschnitten Brot. Für Jaguar zahlt es sich aus, dass die Schwester Land Rover technischen Beistand leisten kann, und so unterfüttert vom Frühjahr 2018 an der kleine E-Pace den noch frischen Erfolg des großen F-Pace, dem ersten SUV der britischen Marke. Hat er doch fast im Alleingang dafür gesorgt, dass Jaguar im vergangenen Jahr rund 150.000 Autos verkauft hat, so viele wie niemals zuvor in der 95 Jahre währenden Firmengeschichte. Und so nebenbei waren es 77 Prozent mehr als 2015. Dank des E-Pace hofft man in England, dass bald 200.000 Katzen im Jahr abgesetzt werden, und das scheint nicht unrealistisch zu sein.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Ganz im Sinne der neuen Bescheidenheit sind für den neuen Jaguar nur 2,0-Liter-Vierzylindermotoren im Angebot, Diesel und Benziner, alles neue Triebwerke. Die Leistungspalette reicht von 150 bis 300 PS. Als Startpreis werden 34 950 Euro genannt, das ist dann der neue Einstieg in die Jaguar-Welt. Noch nicht in Sicht ist ein Hybrid-Modell, doch dafür wollen die Briten Ende 2018 Nägel mit Köpfen machen: Wahrscheinlich vor der deutschen Konkurrenz will man den ersten vollelektrischen Premium-Konkurrenten des Tesla fertigstellen. Und natürlich ist es ein SUV. Der i-Pace soll mit Allradantrieb, 294 kW (400 PS), fünf Sitzen und einer Reichweite von mehr als 500 Kilometer punkten. Er beschleunigt in rund vier Sekunden von 0 auf 100 km/h und kann mit einem 50-kW-Ladegerät in nur anderthalb Stunden bis 80 Prozent geladen werden. Unbestätigten Gerüchten zufolge soll dem i-Pace 2019/20 eine rein elektrische XJ-Limousine folgen.

          Der Innenraum des neuen E-Pace: Statt Drehschalter wieder mit gewöhnlichem Hebel. Bilderstrecke

          Der Star dieser Woche ist aber der E-Pace, der Ende der vorherigen Woche in London mit riesigem Brimborium und einem Weltrekord in der Disziplin „Springen mit 360-Grad-Rolle-Seitwärts“ für Serien-Autos debütierte. Aus Sicherheitsgründen wurde das Kunststück aber nicht wie ursprünglich geplant vor Publikum gezeigt.

          In Sachen Assistenzsysteme und Infotainment wird nahezu alles aufgeboten, was gängig ist, inklusive Head-up-Display und einem Assistenten fürs Rückwärtsfahren mit Anhänger. Sollte trotz aller Künste des Fahrers und der automatischen Notbremse ein Zusammenstoß mit einem Menschen unvermeidlich sein, schützt ein Fußgänger-Airbag, der die Motorhaube anhebt und sich in 50 Millisekunden vor der Windschutzscheibe ausbreitet, Fußgänger und auch Radfahrer – bis zu einer Geschwindigkeit des E-Pace von 50 km/h.

          Von England in die Steiermark

          Aber weil Jaguar und die Schwester Land Rover zurzeit so erfolgreich sind, reichen die Produktionskapazitäten in England nicht mehr aus. Als erster Jaguar wird das 4,40 Meter-E-Pace nicht auf der Insel gefertigt werden. Die Spezialisten von Magna Steyr in Graz, die zur Zeit für BMW (5er) und Mercedes-Benz (G-Modell) arbeiten, haben sich einen weiteren Auftrag gesichert. Auch der elektrische i-Pace wird aus der Steiermark kommen, die beiden Katzen sollen später parallel von einem Band laufen. Es ist gut möglich, dass E-, F- und i-Pace hinsichtlich der Verkaufszahlen alle anderen Jaguar übertrumpfen, ähnlich wie dies der Macan und der Cayenne bei Porsche tun.

          Natürlich ist Jaguar noch lange keine SUV-Marke, aber offenbar fällt es dem Unternehmen mit den Allradlern leichter, in die Phalanx der etablierten (Premium-)Hersteller einzubrechen als bei den Limousinen. Diese sind zwar längst keine Autos mehr für Anglophile und Snobs, die zur Sicherheit noch einen zweiten Jaguar in der Garage haben, doch sie spielen im Marktgeschehen nur Nebenrollen.

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