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Powerboot Frauscher 858 Fantom : Fantomas und der Geist vom Traunsee

Ein Manöver der österreichischen Gebirgsmarine? Nein, Frauscher Fantom, Blickfang auch vor jeder Strandbar dieser Welt Bild: Wille

Österreich kann auch Boote. Eingeweihte wissen das schon lange. Aber solch eine mediterrane Rakete wie die Fantom von Frauscher? Man staunt.

          Ein Phantom kommt über den See. Es ist früh am Morgen, alles liegt noch friedvoll im weichen Licht der aufgehenden Sonne, da kommt das Phantom, grau und grollend. Je mehr es sich nähert, desto stärker das Grollen. Die vage, dunkle Erscheinung wird allmählich größer und nimmt die Umrisse eines sehr schnellen Boots an, dem auf grünem Wasser ein weißer Kometenschweif folgt. Faszinierend fremdartig wirkt das und auch ein bisschen einschüchternd. Schließlich carvt das Phantom in zwei weiten Bögen ein schwungvolles S auf den See, nimmt das Tempo heraus, dreht mit dem Heck zum Steg, legt an, schaltet seinen V-Achtzylinder ab. Voilà, die neue Frauscher Fantom.

          Walter Wille

          Redaktion „Technik und Motor“

          Das Phantom schreibt sich mit F. So wie Frauscher, der von den Brüdern Michael und Stefan geführte Bootsbaubetrieb vom Traunsee im Salzkammergut, der nicht zu den allergrößten, aber zu den auffälligsten Europas zählt, nicht zu den billigen, sondern zu den feinen. Die Frauschers haben die Angewohnheit, Trends setzen zu wollen, statt ihnen hinterherzulaufen. Und sie ziehen in schwierigen Zeiten nicht den Kopf ein, auch jetzt nicht, da manchem Konkurrenten das Wasser bis zum Hals steht.

          Ein spezieller Charme

          Im vergangenen Herbst haben sie in Steyrermühl eine nagelneue Betriebsstätte eröffnet: 3000 Quadratmeter Produktionsfläche auf einem 35.000-Quadratmeter-Areal, ein sieben Millionen Euro kostendes Zeugnis von Zuversicht und unternehmerischem Mut. Der alte Betrieb passte nicht mehr zu den schicken Produkten und glitzernden Boatshow-Auftritten. Im neuen herrschen Transparenz und eine fast sterile Ordnung: Von der Verwaltung im Obergeschoss aus blickt man durch langgezogene Schaufenster hinab in die Fertigung. Auf nacktem Steinboden arbeiten nicht nur die Bootsbauer unten, sondern auch die Damen und Herren der Schreibtisch-Ebene oben, was signalisieren soll: Hier sind alle gleich wichtig. Und Kunden nehmen die versteckte Botschaft mit nach Hause, dass die Werft ihr Geld weder für Teppichboden noch für sonstigen Firlefanz verschleudert, sondern es in die Boote steckt.

          Schokoladenseite: dynamisches Heck mit Badeplattform, nach innen neigende Flossen, abfallende Seitenlinie

          Mit dem Bau der neuen Werft krempelte Frauscher, beraten von Porsche Consulting, auch den Produktionsprozess um. Es herrscht ein anderer Geist am Traunsee: Beschleunigung, Systematisierung der Abläufe, Kontrolle der Kosten, Standardisierung von Komponenten, Präzisierung des Materialflusses, Perfektionierung der Qualitätsüberwachung. Früher haben sie jedes fertiggestellte Exemplar auf dem schönen See zwischen den Bergen an der frischen Luft ausprobiert, mit Zwischenstopp am Wirtshaus, wenn’s passte. Heute absolvieren sie im Wasserbecken unterm Fabrikdach ein Testprogramm unter Laborbedingungen. Ist effizienter, macht aber nicht ganz so viel Spaß.

          Der österreichische Bootsbau à la Frauscher hat einen speziellen Charme, der sich aus der Lage an der Schnittstelle von nördlicher Gründlichkeit und südlicher Lässigkeit mit der Freude an Formen ergibt. Das neue Werk ist ein nördlicher Typ. „Keine andere europäische Werft vergleichbarer Größe ist so durchorganisiert wie unsere, mit Ausnahme von Linssen in den Niederlanden“, sagt Michael Frauscher. 30 Mitarbeiter stellen zur Zeit rund 80 bis 100 Boote im Jahr her und erzielen einen Umsatz von rund neun Millionen Euro. Die Produktionsstätte würde laut Frauscher das Doppelte hergeben, ist auf Wachstum und eine Ausweitung der Modellpalette ausgelegt, die momentan bis zehn Meter Länge reicht. Zwölf bis 14 Meter lange Typen sind geplant.

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