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Porsche Panamera : Der Alltag im Spaß-Plus-Modus

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Der Koloss verwandelt sich in ein Viech aus Temperament, Präzision und Muskeln Bild: Hersteller

Der Porsche Panamera, neuerdings auch mit V6-Motor, lehrt uns: Der Alltag mit diesem Koloss aus Temperament, Präzision und Muskeln muss nicht alltäglich sein. Ein Fahrtbericht von Walter Wille.

          4 Min.

          Vorigen Dienstag, nachts um zwei, hat er gehupt. Warum auch immer. Natürlich sofort im Schlafanzug vors Haus gerannt, um nachzusehen, was los ist. Da war aber nichts. Keine Scheibe eingeschlagen, alles unversehrt. Nachdem mit Hilfe der Fernbedienung sein Hupen und Blinken ausgeschaltet und in der Straße wieder Stille eingekehrt war, hätte die Möglichkeit bestanden, unverzüglich ins Bett zurückzukriechen. Doch wenn er einen schon mal ruft, kann man ja die Gelegenheit nutzen, ihn in aller Ruhe eine Weile zu betrachten, im Laternenschein, im Nieselregen, im Schlafanzug.

          Dieses gewaltige Paket von Auto. Oberklasse-Dimensionen plus Sportwagen-Gestalt ergibt Aura der Macht. Wenn es nicht gerade zwei Uhr in der Nacht ist, wird man oft angesprochen und um Auskunft gebeten zum Wesen dieses Wagens. Erwartet wird, das sieht man dem Gegenüber stets an, eine Antwort aus Drehzahl und Leidenschaft, und wenn man den Leuten dann als Erstes mit der Bequemlichkeit des Ein- und Ausstiegs kommt, dem Kofferraum (445 Liter) und dem Vorteil umklappbarer Rücksitzlehnen (dann 1263 Liter), gucken sie einen an wie einen Klobes, dem der Porscheschlüssel auf der Stelle zu entziehen ist.

          Dabei versucht man nur, seine Pflicht zu tun. Das Konzept des Panamera - vier Türen, vier Plätze - ist zwar nicht das eines Nutzfahrzeugs, aber auf Alltag ausgerichtet. Daher fühlt man sich zur nüchternen Betrachtung geradezu genötigt. Erst recht, wenn es sich um die noch junge Version mit dem kleinstmöglichen Motor handelt und somit Überlegungen der Vernunft beim Erwerb möglicherweise eine Rolle spielen. 75.899 Euro beträgt der Basispreis des Einstiegsmodells, dessen neuer 3,6-Liter-V6 eine Leistung von 220 kW (300 PS) bei 6200/min aufweist und ein Drehmoment, das bei 3750/min auf 400 Newtonmeter Höhe gipfelt. Es kommt mit Hinterradantrieb, Sechsgangschaltgetriebe und dem Versprechen einer Spitze von 261 km/h. Doppelkupplungsgetriebe (Serie im Allrad-Panamera 4 für 84 110 Euro) kostet Aufpreis.

          Statt der Golftasche lassen sich auch Grünschnitt und Getränkekästen beförder
          Statt der Golftasche lassen sich auch Grünschnitt und Getränkekästen beförder : Bild: ddp/Hersteller

          Beim V6 handelt es sich laut Porsche um eine "Ableitung" des 400 PS starken Achtzylindermotors aus dem Panamera S (ab 94.582 Euro) und 4S. Das erkennt man schon daran, dass der Raum unter der Motorhaube nicht komplett gefüllt ist. Ein Zylinderpaar ließe sich nachträglich wieder antackern. Wer den Mut zur Lücke hat, wird es aber kaum bereuen. Der V6 lässt wenig vermissen, geht wunderbar kultiviert zu Werke, drehfreudig, durchzugsstark, überträgt auf den Fahrer jederzeit das Gefühl konzentrierter Kraft und Souveränität. Andererseits kommt nicht der Eindruck auf, das Fahrzeug sei dramatisch übermotorisiert. Es sind ja auch mehr als 1,7 Tonnen zu bewegen.

          Die bringt man ohne großes Üben in 8 Sekunden (laut Datenblatt in 6,8) von 0 auf 100. Im zähen Stadtverkehr errechnet einem der Bordcomputer zuweilen einen Bedarf an schmackhaftem Super Plus von 17 bis 20 Liter auf 100 Kilometer. Im gemischten Betrieb ermittelten wir 12,7 bis 15 Liter, auf moderaten Autobahnetappen gut 11, auf der Landstraße mal 9,5 und mal 14 Liter. Es hängt halt immer - und in diesem Fall stark - von der Fahrweise ab. Im Normal-Modus regt eine Anzeige im Cockpit zum spritsparenden Hochschalten an. Lässt man sich von ihr leiten, ist man schon bei 35 km/h im vierten Gang, bei 45 im fünften, bei 57 im sechsten, bei Drehzahlen wenig über Standgas. Sparsam mag man den V6 dennoch nicht nennen. Unter den Umständen des Stadtverkehrs flüstert er, bei 3000 Umdrehungen bekommt er eine Stimme, oberhalb von 4000/min sieht er rote Tücher.

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