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Automobil-Museum : Wo die Ära Porsche begann

  • -Aktualisiert am

Im Geburtshaus von Ferdinand Porsche würdigt die Stadt Maffersdorf ihren Sohn heute mit einem Museum. Bild: Hersteller

Es gibt vielleicht andere Städte, die man zuerst mit dem Namen Porsche verbindet. Doch die Geschichte des Autopioniers beginnt in einem Städtchen in Böhmen: In Maffersdorf, nahe dem heutigen Liberec. Jetzt wird das mit einem kleinen, aber feinen Museum gewürdigt.

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          Es gibt schönere Dörfer im Norden Böhmens als Vratislavice nad Nisou. Die Tanvaldská ist eine schmucklose Einfallsstraße, in die sich nur selten teure Autos verirren. Doch vor der Hausnummer 38 sieht man seit ein paar Monaten auffällig viele Porsche parken.

          Und zwar aus aller Herren Ländern. Nicht weil die Besitzer ihr Glück beim Spiel suchen oder anderen Gelüsten nachgehen. Sondern weil sie an Geschichte und Kultur interessiert sind.

          Schließlich wurde in der Tanvaldská 38, die damals noch Hauptstraße hieß und durch Maffersdorf führte, vor 142 Jahren am 3. September 1875 Ferdinand Porsche geboren.

          Und nachdem das bescheidene Anwesen fast verfallen wäre, hat es Škoda vor sechs Jahren im Auftrag des VW-Konzerns gekauft, liebevoll restauriert und jetzt als Museum eröffnet.

          Seitdem sieht das weiße Häuschen mit dem spitzen Giebel und dem penibel gerechten Kiesweg im Vorgarten zumindest der Fassade nach wieder fast so aus wie damals, als Porsches Eltern Anton und Anna hier ihre Spenglerei hatten, erklärt Andrea Frydlová, die das Škoda-Museum im nur 50 Kilometer entfernten Mladá Boleslav leitet und auch hier die Schlüsselgewalt innehat.

          Hinter der Fassade allerdings ist alles neu, und es erinnert nichts mehr an ein Wohnhaus mit Werkstatt, in dem eine achtköpfige Familie gelebt und gearbeitet hat.

          Porsche prägte die Automobilindustrie wie niemand sonst

          Stattdessen hat Frydlová drei große Räume geschaffen, in denen rund um einen modern interpretierten Esstisch die Familiengeschichte derer zu Porsche aufgedröselt wird, in denen rund um den Nachbau von Porsches erster großer Erfindung, dem Hybridsportwagen Semper Vivus aus dem Jahr 1900, die Karriere jenes Mannes aufgezeichnet wird, der die Entwicklung der deutschen Automobilindustrie wie kein Zweiter prägte, und in denen sich die Region Nordböhmen als Zentrum der Innovationen feiern darf.

          Nicht umsonst wurden hier die Schiffsschraube erfunden, der Druckknopf industrialisiert und die erste Rakete ins All geschossen – auch wenn sie nur einen halben Meter groß war. Und so luftig, licht und leer die Räume wirken, so voll sind sie mit Informationen und Geschichten. Denn man muss nur die ausliegenden Tablet Computer an die Exponate halten, dann fließt Treibstoff in die Zeitmaschine im Kopf, und die Exponate werden lebendig.

          Die Fassade des Geburtshauses sieht wieder aus wie vor über hundert Jahren.

          Frydlová und ihre Handwerker haben zwar bei der Renovierung auch ein paar Überraschungen erlebt. Heimliche Höhlen, historische Bausünden, viele originale Ziegel und Pflaster. Doch echte Schätze oder verschollene Unterlagen waren nicht dabei, gibt die Kuratorin zu, sie ist darüber aber kein bisschen traurig. „Schließlich ist das ganze Haus ein Schatz für uns.“

          Außerdem war die Schatzsuche ja andernorts erfolgreich: Denn weil sie und ihr Team sich für die Renovierung durch zahlreiche Archive in ganz Europa gegraben haben, konnten sie zumindest ein paar neue Erkenntnisse zutage fördern und ein paar offene Fragen aus dem Leben Porsches beantworten.

          Vor allem aber kann Frydlová jetzt ein buntes, lebendiges Bild des Technik-Genies zeichnen und farbenfroh erzählen, wie der junge Ferdinand allen Widrigkeiten zum Trotz seiner Faszination gefolgt ist. Denn eigentlich hätte Ferdinand Spengler werden sollen wie sein Vater und nach dem frühen Unfalltod seines Bruders Anton die Werkstatt übernehmen.

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