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Automobil-Museum : Wo die Ära Porsche begann

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Doch Kabel haben den Vierzehnjährigen offenbar deutlich mehr interessiert als Rohre. Sooft er kann, schleicht er sich in die ein paar Straßen weiter gelegene Maschinenspinnerei Ginzkey, die weit über Böhmen hinaus bekannt ist und auf ihren mehr als 250 mechanischen Webstühlen später sogar den größten Teppich der Welt für das Waldorf Astoria Hotel in New York webt.

So verfällt Porsche der Faszination für Maschinen und für elektrische Anlagen, und auch die vom Vater erzwungene Spenglerlehre kann daran nichts ändern. Heimlich schleicht er sich immer wieder auf den Dachboden und experimentiert dort selbst mit Elektrizität.

Wobei das mit der Geheimhaltung so eine Sache ist, wenn plötzlich ein Teenager mit batteriebetriebenen Lampen an den Schlittschuhen über den zugefrorenen Dorfteich saust. Aller väterlichen Strenge zum Trotz zieht Porsche junior unbeirrbar weiter Strippen und findet Rückhalt bei seiner Mutter, die ihm zumindest die Abendkurse für Elektrotechnik an der „k.u.k. Staatsgewerbeschule“ im benachbarten Reichenberg, dem heutigen Liberec ermöglicht.

Und als eines Tages im Haus in der Hauptstraße 38 wie sonst im ganzen Ort nur bei Ginzkey elektrisches Licht brennt und die erste elektrische Türklingel rappelt, musste auch Porsche senior klar sein, dass die Spenglerei wohl einen neuen Juniorchef brauchte.

Ferdinand Porsche am Steuer eines Lohner-Porsche Mixte vor seinem Geburtshaus, im Jahr 1902. Auf dem Beifahrersitz sein Vater, auf den Rücksitzen seine Brüder und die nächste Generation.

Also hat er unter dem sanften Druck seiner Frau sowie des Fabrikanten und Ferdinand-Förderers Ginzkey irgendwann dem Drängen seines Sohnes nachgegeben und den jungen Mann ziehen lassen. Während sein jüngerer Bruder Oskar die Spenglerei übernahm, ging Ferdinand nach Wien – und der Rest ist Geschichte.

Immer wieder kehrte Porsche heim

Obwohl ihm Maffersdorf wie ein Käfig vorkommen müsste, in dem er seinem Forscherdrang nur gegen den Widerstand seines Vaters nachgehen durfte, hatte das Haus in der Tanvaldská 38 offenbar eine große Anziehungskraft auf den jungen Konstrukteur, und schon vor rund 115 Jahren standen deshalb öfter mal neue Porsche vor der Tür.

Denn immer wieder hat Ferdinand von Wien aus Testfahrten unternommen und dabei nicht nur stolz seine neuen Entwicklungen gezeigt, sondern irgendwann auch seine Aloisia Johanna Kaes offiziell vorgestellt. Ein Bild des jungen Ferdinand und zugleich eines der wenigen, von dem auch ein breiter Kreis von Porsche-Fans die Tanvaldská 38 kennen, zeigt ihn mit Johanna auf dem Sozius, als er mit dem Lohner-Porsche Mixte an seinem Geburtshaus vorfährt.

Im ehemaligen Wohnhaus der Familie Porsche gibt es neben einem Museum heute auch eine Gastronomie.

Sosehr Porsche an Maffersdorf gehangen hat, war die Liebe umgekehrt allerdings nicht ganz so unkompliziert. Denn die Stadt hat nicht nur das Geburtshaus verfallen lassen, sondern mit Blick auf Porsches Verstrickungen mit der Nazi-Regierung vor ein paar Jahren sogar seinen Namen vom Ortsschild gestrichen und ein paar Erinnerungstafeln medienwirksam abgeflext.

„Alles vorbei und vergessen“, sagt Museumsfrau Frydlová. Seit Škoda das Haus renoviert und die Geschichte aufgearbeitet hat, ist die Stadt mit ihrem berühmten Sohn wieder im Reinen und dankbar für das architektonische Schmuckstück in der eher schmucklosen Tanvaldská. So dankbar, dass in dem über der ehemaligen Werkstatt eingerichteten Konferenzraum an der alten Adresse bisweilen sogar der Stadtrat eine neue Heimat findet.

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