https://www.faz.net/-gy9-7mh8s

Porsche Macan : Leipzig’s next Topmodel

Bild: Hersteller

Der Porsche Macan macht das SUV zum Sportwagen. Er ist derart gut gelungen, dass auch saftige Einstiegspreise den Erfolg kaum bremsen werden. Ein erste Probefahrt.

          Es ist der Moment, die Verhältnisse deutlich zu machen. Im vergangenen Jahr hat Porsche 162.000 Fahrzeuge ausgeliefert. 85.000 davon waren Cayenne, mithin Geländewagen. Die wiederum kommen nicht aus dem Stammwerk in Zuffenhausen, sondern - in Teilen zugeliefert aus VW-Fabriken - aus dem jungen Porsche-Werk in Leipzig. Es ließe sich also mit gewisser Berechtigung sagen: Porsche ist kein Sportwagenhersteller aus Stuttgart mehr, sondern ein Geländewagenhersteller aus Leipzig.

          Holger  Appel

          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Technik und Motor“.

          Und die Gewichte werden sich weiter gen Osten verschieben. In diesen Tagen fährt die Produktion des kompakten Geländewagens Macan hoch, was im Indonesischen „Tiger“ bedeutet. Nach einer ersten Probefahrt nehmen wir allen Mut zusammen und wagen eine Prognose: Das wird Leipzig’s next Topmodel. Der Macan ist derart gut gelungen, dass auch saftige Einstiegspreise von 57.930 Euro für den Diesel und 79.826 Euro für die derzeitige Spitzenvariante Turbo den Erfolg kaum bremsen werden.

          Mindestens 57.930 Euro müssen Interessenten überweisen Bilderstrecke

          Der Macan baut auf dem Q5 des angeheirateten Schwesterunternehmens Audi auf. Davon ist so gut wie nichts zu merken. Zwei Drittel der Komponenten seien neu entwickelt oder angepasst worden, behauptet Porsche. Optik und Fahrgefühl sprechen für diese Aussage. Dem Macan gelingt ein bemerkenswerter Spagat aus vorzüglicher Straßenlage und beachtlichen Fähigkeiten abseits der Piste. Steile Hänge und aufgewühlter Boden bewältigt der Allradantrieb jedenfalls so weit ohne Klage, dass Wege zu verschneiten Berghütten kein Problem sein werden.

          Auf der Straße wiederum liegt der Grenzbereich weit außen, nur Könner und Übermütige werden ihn erfahren. Wer es darauf ankommen lässt, kann eine komplette Kurve quer driftend durcheilen, die Michelin-Reifen quietschen und qualmen dann vor Freude. Porsche zieht Mischbereifung auf, hinten sind die Pneus viel breiter als vorn, was zum Charakter beiträgt. Der Allradantrieb (elektronisch gesteuerte Lamellenkupplung) ist jener, der auch andere Porsche antreibt, und unterscheidet sich von dem des Audi. Bleiben alle elektronischen Helfer angeschaltet, entschärft der Porsche gekonnt kritisch anmutende Situationen. Die Entwickler können einem fast leid tun. Da ertüfteln sie ein Fahrwerk (wahlweise Stahl, mit geregelten Dämpfern oder Luftfederung) mit derartiger Bandbreite, und die meisten Menschen werden nur zwischen Villenvorort und Bürostadt pendeln.

          Auch das kann Spaß machen. Zum Vortrieb stehen drei Sechszylinder zur Wahl: ein von Audi stammender Diesel und zwei Benziner von Porsche. Der Drei-Liter-Diesel leistet 258 PS, was für 230 km/h Höchstgeschwindigkeit und den Standardsprint in 6,3 Sekunden genügt. Er zieht satt durch, klingt indes stets dezent nach Diesel und könnte nach unserem Geschmack einen satteren Sound aus den vier Endrohren pusten. Der reale Verbrauch dürfte um neun Liter auf 100 Kilometer liegen. Zwei Benziner sind im Angebot, ein Dreiliter mit 340 PS und ein 3,6-Liter mit 400 PS. Letzterer rennt bis zu 266 km/h und beschleunigt von 0 auf 100 km/h in 4,8 Sekunden. Nach einer ersten Ausfahrt zeigte der Bordcomputer 15 Liter Durchschnittsverbrauch. Nicht nur deshalb nähmen wir den Diesel, Porsche rechnet hierzulande mit einem Anteil des Selbstzünders von 75 Prozent. In China werden es null Diesel sein, der Macan fordert astreinen Schmierstoff. Und Amerika wird den Benziner aus Prinzip bevorzugen. Wovon wir in jedem Fall die Finger ließen: vom hellen Armaturenbrett, das stark in der Frontscheibe spiegelt.

          Die opulenten Platzverhältnisse des Cayenne darf freilich niemand erwarten. Vorn sind Sitzposition und Raumgefühl bestens, hinten geht es knapper zu. Wer Platz braucht und Porsche will, muss weiter zum Cayenne greifen. Porsche glaubt, 10 bis 20 Prozent der Cayenne-Kunden wählten künftig Macan. Die übrigen will man vom Wettbewerb erobern oder neu gewinnen. 50.000 Stück kann die Fabrik im Jahr herstellen. Der Engpass, so er denn aufträte, wäre die neu gebaute Lackiererei. Die übrigens, Schmankerl am Rande, wird von einem eingespielten Team ehemaliger Opel-Mitarbeiter aus Bochum gemanagt. Erfahrung ist eben unschlagbar.

          Weitere Themen

          Dacia Duster Video-Seite öffnen

          F.A.Z.-Fahrbericht : Dacia Duster

          Kein SUV bietet mehr fürs Geld. Das merken immer mehr Kunden, und mit dem neuen Turbo-Benziner ist der Dacia Duster sogar richtig flott.

          Topmeldungen

          SPD-Regionalkonferenz Hamburg : Moin, Moin

          Die Kandidatentour der SPD ist in Hamburg angekommen – der Heimat des Favoriten Olaf Scholz. Aber ist es deshalb auch ein leichtes Heimspiel?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.