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Porsche : Die Keramik-Bremse ist auf dem Weg in die Großserie

  • -Aktualisiert am

Markant: Keramik-Bremse bei Porsche Bild:

Die Keramik-Bremse von SGL Carbon für Porsche hat viele Vorteile: Ihr geringeres Gewicht, die lange Lebensdauer und kürzere Anhaltewege machen sie auch für andere Hersteller interessant.

          Autokenner schauen nicht nur gerne unter die Haube, sondern immer häufiger hinter die Felgen. Seit dem Jahr 2000 weist ein leuchtend gelber Festsattel bei dem einen oder anderen Porsche auf eine neuartige Verzögerungstechnik: Bremsscheiben aus Karbon-Keramik und spezielle Bremsbeläge.

          Die Vorteile liegen auf der Hand: Das Material spricht schneller an, verkürzt den Anhalteweg um - oftmals entscheidende - ein bis zwei Meter. Damit nicht genug. Es wird selbst bei härtester Beanspruchung niemals weich, wiegt nur mehr die Hälfte einer Graugußbremse und soll ein ganzes Autoleben - mindestens 300 000 Kilometer - halten. Einziger Nachteil ist der hohe Preis: rund 7830 Euro Aufpreis verlangt Porsche für die Keramik-Bremse. Und bei Audi, wo das Flaggschiff A8 W12 optional damit angeboten wird, nimmt man für diese Verzögerer ein nicht minder stolzes Aufgeld von rund 8000 Euro.

          Bald für alle

          "In nur wenigen Jahren schon werden diese Vorzüge auch Fahrern der oberen Mittelklasse zugute kommen", sagt Hariolf Kottmann, zuständiger Vorstand beim Hersteller SGL Carbon in Wiesbaden. Nach einer mehrjährigen Anlaufphase schafft er gerade die Voraussetzungen dafür, daß ein solches Bremssystem nicht mehr zehn Prozent eines Automobils kosten muß. Dafür erweitert er seine Produktion im bayerischen Meitingen (bei Augsburg) von einer Pilotfertigung zur industriellen Serienfertigung. Kottmann will die Produktionskapazität von derzeit 35 000 Scheiben im Jahr auf fast das Zehnfache ausweiten. "Wir werden dadurch die Produktionskosten von dem Zwanzigfachen einer Graugußbremsscheibe auf das Fünffache reduzieren", kündigt er an.

          Aufwendige Produktion

          Vorerst wird das System sehr viel billiger kaum werden können. Im Gegensatz zur herkömmlichen Graugußbremsscheibe ist die Herstellung ein ziemlich aufwendiges Verfahren: Insgesamt sind 30 Fertigungsschritte nötig, um Kohlefasern zu einer festen Scheibe zu verbacken. Und der ganze Prozeß dauert insgesamt 20 Tage. Die Produktionskosten seien nur eine Einflußgröße, sagt Kottmann, denn die Aufpreise mache der Autohersteller.

          Als Extra im Audi RS4

          Jedenfalls hat Audi-Chef Martin Winterkorn wissen lassen, daß sein Unternehmen mit SGL Carbon auch deswegen eine Entwicklungspartnerschaft eingegangen sei, damit die Scheiben möglichst schnell zu günstigeren Preisen auf den Markt kommen könnten: "Das ist auch eine Frage der Sicherheit, besonders bei hochmotorisierten Modellen." Im nächsten Jahr wird Audi bei seinem eben vorgestellten RS4 eine solche Option ermöglichen. Für Supersportwagen wie Porsche Carrera GT, Bugatti Veyron, Lamborghini Murcielago und auch das Coupe Bentley Continental GT gibt es das schon oder wird es in Kürze geben.

          Konkurrenz will nachziehen

          BMW und Mercedes-Benz hätten gerne diese Verzögerungstechnik, doch hatten sie einst aufs falsche Pferd gesetzt: Die Münchener arbeiteten anfangs mit Schunk Kohlenstofftechnik aus Heuchelheim bei Gießen zusammen, wo man sich aber von dieser Entwicklung verabschiedete. Auch die Stuttgarter haben durchaus den Imagefaktor einer solchen "Rennbremse" im Straßenfahrzeug beizeiten erkannt und sogar noch wenige Wochen vor Porsches Premiere im Jahr 2000 eine Eigenentwicklung vorgestellt - nur war das präsentierte AMG-55-Fahrzeug nie wirklich zu kaufen. Seit einiger Zeit arbeitet Daimler-Chrysler mit Brembo zusammen, einem bei herkömmlichen Bremsen sehr angesehenen Spezialisten aus Italien. Man rüstet das Topmodell McLaren-Mercedes SLR bereits entsprechend aus, doch sei man gegenüber SGL - so wird jedenfalls in der Branche gemunkelt - immer noch zwei bis drei Jahre im Rückstand.

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