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Probefahrt Porsche 718 Boxster : Ein bisschen brabbelt er wie der selige Käfer

Erste Probefahrt: Porsche 718 Boxster Bild: F.A.Z.; Hersteller

Der Porsche 718 Boxster hat nur noch vier Zylinder. Dank Turbo ist er hinreichend motorisiert. Auf Probefahrten überzeugten Basis-Boxster und S-Modell.

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          „Der Traum vom eigenen Porsche ist so alt wie die Marke selbst.“ Das ist der erste und so wahre Satz in der Porsche-Preisliste. 76 Seiten hat sie beim neuen 718 Boxster, und obwohl es für den Einsteiger-Porsche nur noch vier Zylinder und 2,0 oder 2,5 Liter Hubraum - statt sechs und 2,7 oder 3,4 - bleibt er ein teures Vergnügen. 53 646 Euro kostet das Basismodell, 66 141 Euro der mit 350 PS um 50 Pferde stärkere und um einen halben Liter größerer Boxster S. Kaum ein Porsche wird ohne Zusatzausstattung bestellt, und jene Extras (Navigation zum Beispiel, 1547 Euro) treiben den Endpreis schnell in die höchsten Höhen.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Doch der Kunde bekommt auch etwas geboten. Im Vergleich mit den Vorgängermodellen gibt es jeweils 35 PS mehr, das maximale Drehmoment des Basis-Porsche steigert sich gar um 100 Newtonmeter auf 380 Nm, die schon bei 1950/min anliegen. Das ist ein Plus von gut einem Drittel. Der S hat 420 Nm, 60 Nm mehr als bislang. Beide Maschinen sind Boxermotore, Direkteinspritzer und mit Turbolader.

          Die Aggregate sind brandneu, basieren aber auf den Sechszylinder-Boxer-Motoren aus dem 911. Viele Teile sind gleich, die 911er-Triebwerke und die des neuen Boxster laufen in Zuffenhausen von der gleichen Linie. Es habe auch schon Planspiele gegeben, den Vierzylinder als Basismotor für den 911 anzubieten (wie einst als 912), das habe man aber wieder verworfen.

          Die Spitzengeschwindigkeiten betragen 275 oder 285 km/h

          Auf jeden Fall verhilft das Mittelmotor-Triebwerk beiden Varianten zu echten Sportwagen-Fahrleistungen. In 4,7 oder gar 4,2 Sekunden ist der Spurt von 0 auf 100 erledigt (mit dem Doppelkupplungsgetriebe, Aufpreis 2826 Euro), die Spitzengeschwindigkeiten betragen 275 oder 285 km/h. Trotz der gestiegenen Leistung ist der Verbrauch nicht gestiegen, sondern im Mittel um bis zu 13 Prozent gesunken. Die Normwerte liegen bei 6,9 oder 7,3 Liter - mit PDK. Mit der manuellen Sechsgangschaltung sind es 7,4 oder 8,1 Liter. Getankt werden sollte Super-Plus-Benzin. Im Alltag und vor allem bei sportlicher Fahrweise werden die Werte wohl immer zweistellig sein.

          Rein äußerlich unterscheidet sich der 718 (ein Rückgriff auf einen erfolgreichen Porsche-Rennwagen aus den 1950er Jahren) auf den ersten Blick vom Vorgänger, die Linien sind straffer, hinten gibt es eine neue Falte, die Rücklichter sind aus Klarglas. Vorn sind die Lufteinlässe größer, die Scheinwerfer sind neu, als Option ist LED-Licht erhältlich (1975 Euro).

          Unverändert vom Vorgänger übernommen wurden das Verdeck (schwarz, rot, braun oder blau), die Windschutzscheibe und die beiden Kofferraumdeckel (vorn 150, hinten 125 Liter Ladevolumen). Im Innenraum hat sich weniger getan, die Lüftungseinlässe sind runder, die Sport-Chrono-Uhr sitzt weiter hinten, das Navigationssystem ist neu mit verbesserter Kartendarstellung und nun auch mit Apple Carplay.

          Unter den Sportwagen- und insbesondere den Porsche-Fans ist der „Rückschritt“ auf vier Zylinder ein großes Thema. Es sei dahingestellt, ob die doch sehr aufwendige Turbo-Technik langfristig nicht ein Problem sein könnte (alte Weisheit: „Was nicht drin ist, kann nicht kaputtgehen“), rein fahrerisch ist der neue Boxster dem alten überlegen. Das muss ja auch so sein, denn selbstverständlich wurde auch am Fahrwerk und an der Lenkung gearbeitet. Die berühmte Nordschleife absolviert der Boxster S jetzt in 7:42 Minuten, das sind 16 Sekunden schneller als bisher, und die sind nicht nur den 35 Mehr-PS geschuldet.

          Auf ersten Probefahrten überzeugten sowohl der Basis-Boxster als auch das S-Modell. Der Sound gefällt in beiden Varianten, das Fahrverhalten und die Performance ohnehin. Die Älteren glauben sogar, ein wenig das Brabbeln eines VW Käfers wiederzuerkennen, vor allem in der 300-PS-Variante. Spürbar schwächer ist diese nicht, man glaubt allerdings, dass sie sich etwas leichter anfühlt. Vier Zylinder können schon einen Heidenspaß machen, sechs müssen es nun wirklich nicht unbedingt sein.

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