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Polestar 2 : Mit Strom im Tank und Volvo in den Genen

Volvo an Bord und Tesla im Blick: Der vollelektrische Polestar 2. Bild: Schmidt

Der Polestar 2 ist im Gegensatz zum Erstling Polestar 1 ein reines Elektroauto mit moderatem Basispreis. Verkauft wird er ausschließlich online.

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          Polestar schickt sich an, zum ernstzunehmenden Konkurrenten für Tesla zu werden. Begonnen hat die Tochtergesellschaft von Volvo aus Schweden und Geely aus China mit dem spektakulären Hybrid-Sportwagen Polestar 1, verkauft davon nur 500 Stück im Jahr für mehr als jeweils 150.000 Euro und schert sich nicht um Tempo 180, die neue Vorgabe von Volvo.

          Boris Schmidt

          Redakteur im Ressort „Technik und Motor“.

          Auch der jetzt vorgestellte Polestar 2 ist schnell, in 4,7 Sekunden geht es von 0 auf 100 km/h, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 205 km/h. Im Gegensatz zum Erstling ist er ein reines Elektroauto, wie fortan alle Polestar. Nummer drei ist schon angekündigt, als SUV. Unter der Ägide von Geely werden alle Polestar in China gebaut, dennoch seien sie ein schwedisches Produkt, sagt Unternehmenschef Thomas Ingenlath. Nur die Produktion laufe in China, alles andere geschehe in Schweden. Ingenlath, von Haus aus Designer, ist stolz auf das Kleid des zweiten Polestar, der eine Art viertürige Limousine mit Heckklappe ist. Familiäre Ähnlichkeiten zu Volvo sind immer noch zu erkennen. Das Unternehmen wolle die gemeinsamen Gene auch nicht verleugnen, und nebenbei sei der Wagen auch so sicher wie jeder Volvo, betont Ingenlath.

          Interessant wird der neue Polestar zunächst durch sein komplettes Angebot zu einem relativ moderaten Preis, der direkt auf den Tesla 3 zielt. Auf 56.540 Euro beläuft sich der Basispreis, abzüglich der Förderung kommen Käufer in Deutschland mit weniger als 50.000 Euro davon. Geboten werden vier bis fünf Sitzplätze auf 4,61 Meter Länge. Zwei Elektromotoren sorgen für Vortrieb an beiden Achsen, zweimal 150 kW ergeben zusammen 408 PS, das maximale Drehmoment beträgt 660 Newtonmeter. Die Energie liefert eine Batterie mit 78 kWh Energiegehalt, der eine Reichweite von 478 Kilometer nach WLTP-Norm ergibt. Geladen sind die Akkus mit höchstens 11 kW Wechselstrom in rund acht Stunden. Mit Gleichstrom geht es flotter: Bis zu 150 kW verkraftet das bordeigene Ladegerät, dann ist eine leere Batterie in 40 Minuten wieder bei 80 Prozent. Die Kabel fürs Laden haben ihren Platz unter der Fronthaube. Damit stören sie nicht im eigentlichen Kofferraum, der ein Volumen von 405 Liter hat und bis zu 1095 bei umgeklappten Sitzen. Auf der Rückbank ist hinreichend Platz, nur der Mittelmann sitzt beengt.

          Eine Art viertürige Limousine mit Heckklappe.
          Eine Art viertürige Limousine mit Heckklappe. : Bild: Schmidt

          Geplant sind rund 50.000 Einheiten im Jahr. Eine zweite Version mit Frontantrieb und kleineren Akkus, die weniger als 40.000 Euro kosten soll, wird folgen. Und vielleicht kommt auch Frontantrieb gepaart mit großer Batterie.

          Wie erste Probefahrten zeigen, bewegt sich der Polestar 2 ausgewogen, die Leistungsentfaltung ist fein. Auch am Lenkrad sind die Volvo-Gene in Form von Knöpfen und Schaltern zu erkennen. In der Mitte aber sitzt ein großer, vertikaler Monitor wie im Tesla. Das Informations- und Navigationssystem arbeitet vollständig mit Google, eine Premiere in der automobilen Welt. Ingenlath hat es gerne einfach, es gibt keinen Startknopf. Den Schlüssel dabei haben und den Fahrersitz belegen, schon kann es losgehen. Als Manko mag das Fehlen eines Head-up-Displays empfunden werden. Es koste zu viel Bauraum, heißt es. Und auch verschiedene Fahrmodi, wie sonst in Elektroautos üblich, gibt es nicht. Einstellen kann der Fahrer aber das Ansprechen der Lenkung und die Stärke der Verzögerung.

          Zu kaufen gibt es den Wagen nur online, obwohl ihn sich Interessenten bald vorab in einem der „Spaces“ anschauen können. Die Ausstellungsräume für Deutschland sind in Hamburg, Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Stuttgart und München geplant. Düsseldorf soll den Anfang machen. 24 ausgesuchte Volvo-Händler übernehmen den Service, der alle zwei Jahre oder 30.000 Kilometer fällig ist. Gewährt werden zwei Jahre Garantie und acht Jahre auf die Batterie. Erste Autos kommen Ende August.

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